Links-Rechts oder Freiheitlich-Totalitär

Ich halte es für unredlich links und rechts neu zu definieren, nur um die Begriffe zu erhalten. Prof. Buchholz hat dies gerade getan und es hat so ein Gschmäckle (wie die Badener und Schwaben sagen), dass ‘links’ traditionell die ‘Guten’ sind. Was ‘rechts’ sein soll definiert er erst gar nicht. Ich halte beide Begriffe für überholt und begründe im Folgenden warum. Des weiteren hoffe ich den Leser zu überzeugen, dass ein Koordinatensystem welches zwischen freiheitlich und totalitär unterscheidet hilfreicher ist und das nicht nur bei der Auswahl der Partei die man wählen würde.

Wie ich in einem früheren Blogpost beschrieben hatte, wandelte sich die Gesellschaft von einer feudalen Agrargesellschaft in eine Industriegesellschaft, zuerst in Europa, inzwischen fast überall auf der Welt. Der ‘Linke’ im Feudalismus wäre vielleicht der gewesen, der eben kein Ackerland hatte und deshalb für einen Bauern arbeiten musste (der Knecht, die Magd). Der ‘Rechte’ wäre schon schwieriger zu identifizieren; war es der Bauer mit Land, oder der Fürst, bzw. sonstige militärische Herrscher? So lange nicht bewirtschaftetes Land verfügbar war und die Bevölkerung wuchs, hatte doch weder der Bauer, noch der Fürst etwas dagegen, wenn der Knecht seinen eigenen Bauernhof gründete. Der Bauer hatte keinen Nachteil und der Fürst bekam mehr Steuerzahler. Nur dann, wenn das Land knapp wird und der Fürst erst dem Einen etwas weg nehmen muss um es dem Anderen zu geben, gibt es einen Grund ‘Rechts’ zu sein. Zum Glück wurde dann mal Amerika entdeckt und die Landlosen konnten sich dort ihren claim abstecken.

Links und rechts entstand eigentlich erst mit der Industriegesellschaft und nur in diesem Zusammenhang machen die Begriffe einen Sinn. Die ‘Rechten’ sind die Kapitalisten, die ‘Linken’ sind die Arbeiter. Die Besitzlosen und die Besitzenden. Und wie im Feudalismus brauchten die Besitzenden die Rückendeckung des militärischen Herrschers, um die Besitzlosen und ‘Migranten’ in ihre Schranken zu verweisen. Jetzt fragt man sich warum die 99% nicht automatisch links sind, da sie ja angeblich nichts besitzen und arbeiten müssen. Zuerst mal waren die Bauern und sogar deren Knechte und Mägde gar nicht besitzlos. Die hatten alle einen Schlafplatz und genug zu essen, ja saßen sogar direkt an der Quelle des Essens, als Produzenten. Die besitzlosen Arbeiter waren nur diejenigen, die vom Land in die Industriezentren gingen um in den Fabriken zu arbeiten. Daraus entstanden Gewerkschaften und die Arbeitsverhältnisse wurden teilweise als Sklavenarbeit bezeichnet, denn sie hatten keinen sicheren Schlafplatz mehr (die Werkswohnungen gehörten den Fabrikbesitzern) und der mickrige Lohn reichte oft nicht aus um das Essen zu bezahlen.

Die Minderheit der linken Industriearbeiter wuchs aber mit rasanter Industrialisierung stark an und manifestierte sich später in Parteien. Die SPD entstand aus dem Zusammenschluss der frühen Gewerkschaften, den Arbeitervereinen ab 1863. Einerseits durch die marxistische Ideologisierung, andererseits durch ihren eigenen Erfolg (erfolgreiche Arbeiter konnten auch Kapitalisten werden) wuchsen die Sozialdemokraten aber nicht auf über 90% an, sondern verblieben immer bei rund 30-50%. Die Ideologen mussten sich also eine neue Zielgruppe suchen und die Frauen, die zum Großteil nichts direkt besaßen (oft eben nur über den Ehemann) und auch wenig durch Arbeit verdienten, waren ein willkommenes Fressen für die kulturellen Marxisten, was uns den heutigen Feminismus beschert hat. Die Arbeiter wurden nutzlos für die Linken, die „zu Versorgenden“ waren viel zahlreicher. Da „Frauen und Kinder zuerst“ auch in den Köpfen der Männer genetisch eingeprägt ist, hat man es schwer dagegen anzustehen.

Die rot-grün versiffte Mischpoche hat die zu Versorgenden mit den Methoden der politischen Korrektheit auf jedweden ‘Benachteiligten’ ausgeweitet. Damit hat man in der Hand, wie viel Prozent der Bevölkerung angesprochen werden soll, denn über 50% sind einem sicher. Die Benachteiligungen sind frei definierbar, es muss nur rhetorisch geschickt verpackt werden; dann glaubt auch die reiche weiße Frau in der Villa, das sie ein Opfer ist. Der Arbeiter steht bei SPD und DIE LINKE nur noch aus historischen Gründen im Parteiprogramm; der Arbeiter interessiert die inzwischen einen Scheißdreck. Die Grünen konnten auch Frösche, Kröten und weitere Tiere als benachteiligt identifizieren und schon hat der Gutmensch wieder was zu jammern. Die FDP hat sich geweigert den Jammerlappen zu spielen und ist damit untergegangen. Die CDU/CSU konnte sich dem aber nicht entziehen und musste zwangsläufig in die Benachteiligungs-Olympiade mit einsteigen.

Damit zu den Punkten von Prof. Buchholz – Was ist heute „links“? Es liest sich mehr wie Sozialismus heute, abgeleitet aus den Forderungen der Arbeitervereine vor 150 Jahren.

Frieden erhalten oder Frieden schließen

Das Thema hat meiner Ansicht nur minimal etwas mit links/rechts zu tun. Das wollen 99,9% der Bevölkerung. Wie dumm es ist das militärische und polizeiliche Gewaltpotential des Staates abzuschaffen sehen wir aber seit über einem Jahr. Es ist ein Staat der seine Grenzen nicht sichern kann und dessen militärische Drohung nur belächelt wird. Nicht schießende Waffen, nicht fahrende Panzer und nicht fliegende Flugzeuge erinnern eher an den Cargo-Kult als an eine wehrhafte Demokratie. Gerade weil man Frieden erhalten will, muss man eine glaubwürdige militärische Bedrohung erhalten, sonst marschiert der aggressive Gegner einfach ein. Wer dann noch die Polizei dezimiert und gleichzeitig dem Bürger nicht erlaubt sich selbst zu wehren, kann wirklich nur noch für den Frieden beten aber nichts mehr dafür tun. Die Welt ist nun mal nicht Friede Freude Eierkuchen.

Die Interessen der Lohnarbeit gegen das Kapital wahrnehmen und wirksam durchsetzen.

Wie oben schon gesagt, das ist alt-kommunistischer Slang für den sich heute keiner mehr begeistern lässt. Gerade die SPD zusammen mit den Grünen hat ja diese Errungenschaft des Sozialstaats in eine ineffiziente und totalitäre Herrschaft von Beamten und Job-Center Fuzzis umgewandelt. Das Rezept war, man nehme die oberen 1-2% und die unteren 50% der ‘zu Versorgenden’ und lässt die Arbeitenden 48-49% dafür blechen. Letztere sind auch noch dumm genug gegen ihre eigenen Interessen zu wählen, womit die Herrschaft der Neo-Kapitalisten gesichert ist. Die 50% sind einem durch die Frauen schon fast sicher. Bei Bedarf wird der Kreis der Benachteiligten durch Schwule, Lesben, Immigranten, Rentner usw. aufgestockt. Das Bild hat sich vollkommen verschoben. Heute sind die sogenannten Linken die größten Feinde der Arbeiter, indem sie denen über Steuern und Sozialabgaben immer mehr aus der Tasche ziehen und an die nicht Arbeitenden verteilen.

Die relative Armut nicht hinnehmen und zumindest verringern.

Niedriglohnsektoren sind Bereiche, die noch nicht (kostengünstig) automatisierbar sind und nicht in ein Niedriglohnland verschoben werden können. Wir sind eben so hoch industrialisiert, dass man die ‘Dummen und Unwilligen’ nicht mehr beschäftigen kann. Das Blöde bei der Glockenkurve des IQ (Intelligenzquotient) ist nun mal dass genau die Hälfte der Bevölkerung unter 100 Punkten liegt. Mit den ca. 16% unter IQ 85 kann man halt in einer Informationsgesellschaft nicht so viel anfangen und wenn dieser ‘Schicht’ mit Kindergeld und Hartz4 noch beim Kinder machen staatlich geholfen wird ist das Verdummungspolitik. Sinnvoller wäre es denen zu helfen, die einen IQ>100 haben, Kinder zu bekommen ohne sie dabei finanziell ausbluten zu lassen. Wer sich jetzt angepisst fühlt sollte beachten dass dies statistische Werte sind und bei der Betrachtung der weltweiten Erhebung der IQs fällt schon auf dass der Wert enorm mit dem Reichtum der Länder korreliert.

Also, ich bin ja nicht dafür, dass wir die geistig Benachteiligten bei uns verhungern lassen (wie das in Afrika passiert), aber fördern muss man das ja nicht. Je mehr Geld wir denen hinterher werfen, desto mehr werden es.

Demokratie und Gleichberechtigung sichern oder herstellen.

Es war in den kurzen demokratischen Phasen unserer Weltgeschichte so, dass nur die Landbesitzer und teilweise auch die Wehrpflichtigen wählen durften. Vor hundert Jahren wurde das im ‘Westen’ aufgebohrt, so dass jeder über 18 wählen darf. Das führte inzwischen dazu, dass die ‘Benachteiligten’ nur noch aus dem Trog fressen wollen und darüber abstimmen können welche Minderheit den Trog zu füllen hat. Solange die oberen 1-2% dafür sorgen, dass der Trog durch die Arbeiter gefüllt bleibt wird sich gar nichts ändern. Ich wäre dafür, dass jeder Netto-Einzahler in unser Steuer- und Sozialsystem wählen darf; wer mehr nimmt als er gibt soll nicht die Richtung bestimmen können.

Internationalismus – globale Solidarität der Beherrschten.

Wieder so ein marxistischer Kampfbegriff. Der Normalbürger bleibt in seinem Land, meist sogar in derselben Stadt. Mit Ausnahme des jährlichen Ballermann Ausflugs interessiert er sich auch nicht wirklich für internationale Politik. Der Tausch von Rohstoffen heißt Handel, seit frühester Menschheit. Es fällt auf, dass es seit ca. 70 Jahren nur ein Land ist welches mit Kanonenboot-Politik internationalen Handel betreibt. Wenn ein Land bestimmte Rohstoffe nicht hat und teuer importieren muss, kann es sich ja überlegen sein Problem anders zu lösen. Sollten die Deutschen, aus rein nationalem Interesse, alternative Energiequellen entwickeln die effizienter und billiger sind als das Verbrennen von Kohlenwasserstoffen, hätten sie am Ende sogar einen Vorteil. Je länger wir uns auf amerikanische Flugzeugträger verlassen, desto mehr schwinden unsere Chancen.

Weltweit Entwicklungspfade öffnen und die absolute Armut überwinden.

Alle Kolonien wurden vor mehreren Generationen aufgelöst. Jedes dieser Länder kann sich von heute auf morgen dafür entscheiden die politischen und wirtschaftlichen Konzepte von Europa/USA zu kopieren. Schau mal nach Japan, Südkorea, Hongkong, Singapur. Denen hängt der Reichtum zu den Ohren heraus. Die BRICS Staaten haben unglaubliches erreicht in nur wenigen Jahrzehnten. Wenn die in Afrika, dem mittleren Osten und Mittelamerika sich lieber mit Kalaschnikows gegenseitig erschießen, liegt das nicht an uns, sondern an denen.

Das Kapital als „automatisches Subjekt“ aufheben.

Geht’s noch schwammiger? Wie soll man den Mythos des ewigen Wachstums überwinden, solange sich tausende vor dem Apple-Store über Nacht anstellen um das neuste iPhone zu kaufen? Ich bin da extrem pessimistisch und glaube dass eine Neuorientierung unserer verfranzten Konsumgesellschaften nur über einen weltweiten massiven Crash zu bewerkstelligen wäre. Zum nächsten Technologiesprung (Startreck Replikator) sind es noch einige hundert Jahre, das erleben wir nicht mehr.

Zusammenfassend, Herr Prof. Buchholz (Du alter Sozi 😉 ) ich halte Ihre Ansätze nicht für erfolgversprechend. ‘Links’ ist zu einer ideologischen Benachteiligungs-Olympiade verkommen und wird täglich totalitärer. Freiheitlich bedeutet, sich gegen den Totalitarismus abzugrenzen, individuelle und Gruppen-Vorteile (auch nationale) zu nutzen und zu fördern, auch um am Ende nicht von den Horden überrannt zu werden.

Advertisements

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s