Gutmensch – Assoziationen

Ich schreibe meine Blogposts ja auf Englisch und auf Deutsch, nicht alle aber viele. Das liegt zum Teil daran, dass ich viele Jahre hauptsächlich mit Englisch sprechenden Geschäftspartnern zu tun hatte und seit über 10 Jahren in Ländern lebe in denen ich mit der Bevölkerung nur auf Englisch kommunizieren kann (vor allem auch weil ich zu dumm und zu faul bin – und als ‘Entschuldigung’ sage ich auch „zu alt“ – die Landessprache zu lernen). Das hat den Effekt, dass mir oft Gedanken im Kopf herumschwirren, die dort in englischer Sprache entstehen. Das heißt ich denke die nicht auf Deutsch und übersetze sie auf Englisch um einen Blogpost zu machen, sondern es ist des öfteren genau umgekehrt. Ganz schlimm wird es, wenn so ein Gemurkse aus Deutsch, Englisch, Spanisch, Chinesisch, Tagalog, Thai, usw. entsteht. Der Satz würde zwar perfekt ausdrücken was ich sagen will, aber keiner könnte ihn verstehen. Es gibt eben Begriffe in verschiedenen Sprachen, die etwas spezifisches ganz akkurat ausdrücken. Meist sind diese Begriffe nicht direkt übersetzbar. Es kommt vor, dass ich mit jemandem auf Deutsch rede und z.B. einen englischen Begriff benutze, der mich dann fragt was der Begriff auf Deutsch heißt und mein Gehirn minutenlang eine Übersetzung blockiert. Also – kein Schwein versteht mich – heul, heul, hahaha 🙂

Mit dem Begriff „Gutmenschen“, der von eben diesen als Unwort deklariert wurde, ging es mir die letzten Monate auch so. Ich habe dann immer die offizielle Übersetzung aus dict.cc, linguee.de oder einem anderen online Wörterbuch benutzt (do-gooder) was aber eher dem Terminus ‘Weltverbesserer’ entspricht. Das sind Leute die etwas Gutes tun wollen oder zumindest andere auffordern gemeinsam etwas Gutes zu tun. Meist stellt man sich dabei jemanden vor, der aus religiösen oder sozial-ethischen idealistischen Gründen irgendwelchen Unterprivilegierten praktisch helfen will. Man schmunzelt oft über diese Weltverbesserer, zumindest solange sie keinen Schaden anrichten. Jene, die – wie z.B. Ärzte ohne Grenzen – wirkliche Nächstenliebe praktisch umsetzen, bewundern wir. Die anderen, die Nächstenliebe nur propagieren ohne selbst etwas zu tun betrachten wir zu Recht mit Argwohn. Man weiß nie so genau ob die sich nur aufplustern um als guter Mensch da zu stehen oder ob die für Mitstreiter werben.

Deshalb würde ich den Begriff Gutmenschentum mit dem Begriff „virtue signaling“ übersetzen. Die Gutmenschen, die wir ja abwertend so bezeichnen, wollen nur als gute Menschen wahrgenommen werden, ohne dass sie jemals Nächstenliebe selbst praktisch umsetzen. In ihrer gefährlichen Variante als „Social Justice Warrior“ wollen die den Rest der Welt dazu zwingen ihr (Un-)Verständnis der Nächstenliebe zu bezahlen.

virtue = Tugend

signaling = anzeigend, signalisieren

Eine journalistische Dumpfbacke meinte vor kurzem er hätte den Begriff erfunden. Das wurde in nur wenigen Kommentaren schnell widerlegt. Ich glaube allerdings, dass es dieses Verhalten schon immer gab. Es ist sogar sozial notwendig um zu überleben, denn wer die gerade kulturell angesagten Tugenden nicht unterstützt wird ausgeschlossen oder sogar umgebracht. Denk mal darüber nach, was unsere „nordafrikanischen“ Kopftuchträgerinnen tun. Die signalisieren ihre islamischen Tugenden mit dem Kopftuch, vor allem in den islamischen Enklaven in Deutschland, ansonsten droht Ausschluss oder im Extremfall sogar der „Ehrenmord“.

Die PUA (pickup artists) sind ja Spezialisten darin die Dissonanz der Damen zu überwinden. Die junge Frau wird in der Regel ihre Tugend signalisieren, dass sie nicht mit jedem ins Bett geht obwohl sie gerade geil ist. Der PUA betätigt sich dann als Schauspieler und signalisiert, dass er ein starker Alpha-Mann ist, der sie problemlos versorgen könnte. Aber darauf wollte ich gar nicht hinaus, immer diese Assoziationen.

Das lächerliche und zuweilen gar ekelhafte an den Gutmenschen ist ja, dass sie ohne nachzudenken auf dem aktuellen kulturellen Paradigma mit schwimmen (also ‘Mainstream’ sind). Die Teddybären-Verteiler und Welcome-Plakate-Hochhalter sind die lächerliche Gruppe, genauso wie die Landesflaggen-im-Hintergrund-Anzeiger und die Pray-for-Japan, Wir-sind-Charlie usw. Reaktionäre in den sozialen Medien. Die aktuelle Kultur bestimmt, dass man eben pro Flüchtlinge sein muss und Mitleid mit den Opfern der Katastrophen/Massenmorde haben muss, ansonsten gehört man nicht dazu und ist angreifbar.

Die ekelhafte Seite des Gutmenschentums findet man hauptsächlich bei den Journalisten und Politikern. Diese Gesinnungs-Polizisten wollen jeden an den Pranger stellen, der sich nicht mit ihnen gemein macht. Paradigma X ist gut, weil alle dafür sind, und wer nicht dafür ist kriegt eine auf den Deckel. Dass X auch Nachteile haben könnte oder eventuell sogar komplett widersinnig ist kann nicht mehr diskutiert werden. Wer sein Gutmenschentum dann mal öffentlich proklamiert hat, kann seine Gesinnung auch nicht mehr anzweifeln. Er verlöre ja dann seine Position der moralischen Überlegenheit. Harald Martenstein hat das mal schön beschrieben.

Vielleicht ist die PUA Methode gar nicht so verkehrt um zumindest die lächerlich agierenden Gutmenschen von ihren falschen Vorstellungen zu befreien? Man muss denen vorspielen, dass man wirklich Anti-Rassistisch, Anti-Sexistisch, usw. ist und ihre Träume von der Vollversorgung aller notleidenden Menschen – und vor allem Frauen – problemlos realisieren kann. Wie der (jetzt mach aber mal die Beine breit) bait-and-switch funktionieren soll weiß ich aber auch nicht. Irgendwie wurde Merkelland dazu gezwungen die Grenzen doch jetzt dicht zu machen, gleichzeitig ist Merkel aber so was von pro Flüchtlinge. Diese Dissonanz muss demnächst aufgelöst werden. Wenn die PUA-Methodiker Erfolg haben bleiben die Grenzen dicht. Aber was passiert wenn nicht? Keine Ahnung. Wie meine Altvorderen sage ich „gegen Dummheit ist noch kein Kraut gewachsen“ und schaue mir das Chaos aus der Ferne weiter an.

Kleine Anekdote am Rande. Der Name des Blogs entstand auch in meiner Sprachverwirrung. Ein guter Kumpel mit dem ich öfters durch die Bars ziehe sagte „Luis, Mann, jetzt hör auf zu Labern und trink dein Bier aus. Ich will jetzt in die nächste Bar.“ Eingedenglischt heißt der Blog jetzt halt luismanblog.

Wenn ein Gutmensch den Text gerade fertig gelesen hat und dabei ist sich aufzuregen, hier ist Dein Schnuller. 🙂

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Bilder, wie fast immer von http://www.freeimages.com/

 

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