Grundsätzliche Kritik der „Biologismus“ Diskussion

Elmar, Du wunderst mir….

  1. Biologie ist Naturwissenschaft, nicht Geisteswissenschaft

Die oft so lapidar dahingesagte Spezies Mensch ist erst mal deswegen eine Spezies (Art), weil sich alle Unterarten miteinander sexuell vermehren können. Mit jüngsten DNA Erkenntnissen wurde auch klar, dass es regional verschiedene Unterarten des modernen Homo Sapiens gibt. Es gibt offensichtlich einen Genfluss zwischen Homo sapiens und Homo neanderthalensis, sowie zwischen Homo sapiens und den sogenannten Denisova Menschen. Dies fand in Europa und Asien wohl in verschiedenen Ausprägungen statt, aber nicht in Afrika. Möglicherweise gab es auch weitere Genflüsse zwischen anderen Homo Unterarten. Per Definition ist die einzig überlebende Unterart der Spezies Homo der Homo Sapiens. Diese Definition kann man hinnehmen, weil es eben keine „reine“ Unterart Neandertaler oder Denisova, usw. mehr gibt. Durch diese Definition wird aber die DNA Beimischung der Neandertaler usw. in heutigen Europäern und Asiaten gerne ignoriert.

Neben der oben beschriebenen Evolution vor 100-200.000 Jahren ist weitere Evolution im Rahmen von einigen zig-tausend Jahren zu beobachten, wie z.B. unterschiedliche Hautfarben, Laktosetoleranz, Gebissveränderungen und vieles mehr. Dass die Evolution, sei es die der teilweise vermischten Unterarten der Spezies Homo, oder die regional angepasste Evolution jüngerer Zeit, ausgerechnet beim Gehirn halt machen soll, ist eine Erfindung von Geisteswissenschaftlern. Nur weil die Biologen und/oder Evolutionspsychologen derzeit noch keine allumfassende wissenschaftlich fundierte Erklärung für die Wechselwirkungen von Gehirn-Evolution und regional unterschiedlicher Evolution anderer Körperteile haben, muss man das nicht mit dem „Schimpfwort Biologismus“ belegen. Lassen wir die STEM (MINT) Leute mal rein rational weiter arbeiten, denn deren Ergebnisse sind mir wichtiger als die Deutungen sozialwissenschaftlicher Ideologen.

Die Theorien von Darwin, dass Evolution innerhalb von Spezies stattfindet und die Varianten, die sich am Besten an sich verändernde Umweltbedingungen anpassen eben überleben, wurden ja erst vor kurzem durch DNA Analysen auf ein profundes wissenschaftliches Fundament gestellt. Genmutationen kann man inzwischen beobachten, auch wenn wir noch nicht wissen was jedes einzelne Gen nun bewirkt. Die Schwierigkeit bei der Beobachtung und Interpretation ist, dass sich diese Mutationen über tausende und zehntausende von Jahren abspielen. Man kann so etwas, außer bei Bakterien und Viren, in einem kurzen Menschenleben nicht selbst beobachten. Darwin hat seine Erkenntnisse aus reiner Anschauung von Fossilien ausgestorbener Spezies und überlebender Spezies gewonnen. Mit der DNA haben wir, wie gesagt, eine weitere und detailliertere Analysemöglichkeit als nur das Anschauen von Knochen und Zähnen. Ein Afrikaner mit schwarzer Haut wird auch durch den Umzug nach Nordeuropa nicht weißhäutig, auch seine Kinder und Enkel nicht, solange sie sich nur innerhalb ihrer Unterspezies schwarzhäutiger Homo sapiens vermehren. Warum sich sein Gehirn kurzfristig evolutionär anpassen sollte, können sich wohl nur marxistische Sozialromantiker erklären.

  1. Biologismus ist eine Pseudo-Sozialwissenschaft

Meist ist mit dem Begriff Biologismus ja eine der vielen Varianten des Sozialdarwinismus gemeint. Die historischen Sozialdarwinismen haben sich allesamt als unwissenschaftlich herausgestellt. Meiner Ansicht ist die Gendertheorie auch eine Form des Sozialdarwinismus und genauso falsch und unbegründbar wie alle anderen Varianten. In den Sozialwissenschaften tummeln sich leider vor allem Ideologen, die mit oft gefälschten und/oder nicht reproduzierbaren sogenannten Forschungsergebnissen Anspruch auf einen gewissen Ruhm oder gar gesellschaftliche Veränderungen erheben. Zu allem Übel sind dies auch meist marxistisch verblendete Klassentheologen und Gleichheitskämpfer, die mit psychologischen Tricks die Leute erfolgreich verarschen.

Darwin hat ja nie behauptet, dass die physischen Mutationen (bzw. die heute nachweisbaren genetischen Mutationen), zielgerichtet und deterministisch sind. Mutationen sind zufällig und die Varianten, die zufällig in den gerade vorherrschenden Umweltbedingungen am besten zurecht kommen überleben halt. Und nur in diesem Sinne kann man ansetzen um psychologische und soziale Verhaltensweisen als evolutionär potentiell erfolgreich einzustufen. Die Kriterien für den potentiellen Erfolg sind recht einfach – ausreichend viele Nachkommen und ausreichende Wehrhaftigkeit gegen die Verdrängung durch andere Varianten. Auch und gerade weil wir Menschen unsere Umweltbedingungen selbst stark verändern, kann man meist nur im Nachhinein feststellen, wer der sozialdarwinistische Gewinner war.

Wir rätseln heute noch darüber wie und warum das römische Imperium unter gegangen ist. Immer mehr Leute sehen Parallelen zu einem drohenden Untergang des amerikanisch dominierten Imperiums der „westlichen Welt“. Egal wie zielgerichtet und deterministisch die psychologischen und sozialen Mutationen (Manipulationen) derzeit erscheinen, es ist kaum voraussagbar welche Varianten sich durchsetzen. Anhand der o.g. zwei Kriterien kann man jedoch ausmachen, welche Variante auf jeden Fall evolutionär ausstirbt. (Also prediction of failure funktioniert, prediction of success geht nicht.) Die mit nicht ausreichendem Nachwuchs und nicht ausreichender Wehrhaftigkeit gegen Verdrängung durch arabische, afrikanische und hispanische Varianten. D.h. die weißhäutigen Europäer und Amerikaner, die kaum noch Kinder bekommen und sich durch Immigration verdrängen lassen sind auf dem besten Weg zum Evolutions-Verlierer. Wenn wir also unsere Umweltbedingungen nicht wieder zu unserem eigenen Vorteil ändern, sterben wir aus – biologisch wie kulturell. Nur in diesem Sinne sehe ich den Sozialdarwinismus als nützliche Methode an.

  1. Wissenschaftlich arbeitende Evolutions-Psychologen

Die evolutionäre Psychologie ist eine ganz ganz junge Disziplin der Wissenschaften. So richtig ernsthaft wird das ja erst seit ca. 20 Jahren betrieben. Auch in der Physik hat es lange gedauert bis ein Einstein geboren wurde, der uns umfassende grundlegende Erkenntnisse verschaffte. Der Einstein der Evolutionspsychologie wird vielleicht erst in 100 Jahren geboren. So lange diese Forscher sich an die STEM(MINT) Grundlagen halten werden sie Hypothesen aufstellen, sie beweisen und widerlegen, und uns nach und nach neue wissenschaftliche Erkenntnisse bringen. Für jeden rational denkenden Menschen muss das doch zu begrüßen und fördernswert sein. Die dauernden Angriffe und Zweifel der sozial-ideologischen Quacksalber muss man aushalten und abwehren. Die Bezeichnung von Evolutionsbiologen, Evolutionspsychologen und Neurowissenschaftlern als Biologisten ist jedenfalls rein ideologisch motiviert und basiert nicht auf der wissenschaftlichen Widerlegung der vorhandenen Theorien und Hypothesen. Mit den gleichen Argumenten könnte man behaupten Newton war ein Depp, nur weil er nicht so weit kam wie Einstein.

Die grundsätzliche Abkopplung von psychologischem, sozialem und kulturellem Verhalten von der Biologie des Menschen wird natürlich von vielen Geistes“-wissenschaftlern“ bevorzugt. Dann kann man sich ohne Berücksichtigung der Fakten ein Wolkenkuckucksheim zusammen basteln und sein steuerfinanziertes Leben darin zubringen. Wenn Geisteswissenschaftler das tun wollen, verabschieden sie sich aber von jeglichem Realitätsbezug. Folgerichtig muss man sie dann auch nicht mehr ernst nehmen und kann sie aus wissenschaftlicher Sicht vollständig ignorieren. In einer von Rationalität dominierten Gesellschaft würde man sie dann auch nicht als Wissenschaftler oder Forscher ansehen, sondern als Unterhalter, als Pausenclowns, als Leute die psychologische Tricks anwenden um Emotionen im Publikum hervor zu rufen. Aus meiner Sicht ist das der reale Zustand der heutigen Geisteswissenschaften, wobei insbesondere die modernen Philosophen fast ausschließlich ideologische Dampfschwätzer sind.

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Der von Elmar in seinem Artikel gescholtene Biologismus ist ja auch nur seine reduktionistische Ableitung von psychologischem und Sozialverhalten in die Kultur, genau so wie er dem Wikipedia-definierten Biologismus eine reduktionistische Ableitung in die Biologie vorwirft. Der Begriff Biologismus ist durch seine Geschichte eh verbrannt, da wird ihn auch ein interdisziplinärer Ansatz nicht mehr herausholen. Der interdisziplinäre Ansatz heißt evolutionäre Psychologie und diesen muss man in Schutz nehmen und wachsen lassen. Er wird gespeist aus Erkenntnissen der Biologie, der Neurowissenschaften und ernsthafter empirischer Sozialforschung. Vor allem darf man den social justice warriors und Genderisten nicht erlauben dieses Forschungsfeld kaputt zu machen.

 

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2 thoughts on “Grundsätzliche Kritik der „Biologismus“ Diskussion

  1. Na ja … mit meinen post hat dein Artikel eigentlich nichts zu tun:

    “Dass die Evolution, sei es die der teilweise vermischten Unterarten der Spezies Homo, oder die regional angepasste Evolution jüngerer Zeit, ausgerechnet beim Gehirn halt machen soll, ist eine Erfindung von Geisteswissenschaftlern.”

    Das sagt niemand. Was gesasgt wird, ist das die Biologisten den Einfluß der Physis auf die Psyche falsch modellieren. Schau mal hier:

    https://jungsundmaedchen.wordpress.com/2016/04/15/warum-analytische-philosophie-des-geistes-antibiologistisch-sein-mus/

    “Nur weil die Biologen und/oder Evolutionspsychologen derzeit noch keine allumfassende wissenschaftlich fundierte Erklärung für die Wechselwirkungen von Gehirn-Evolution und regional unterschiedlicher Evolution anderer Körperteile haben, muss man das nicht mit dem „Schimpfwort Biologismus“ belegen.”

    Im Gegenteil – die Biologisten behaupten, alles über das Gehirn zu wissen – sei 30 Jahren. Stattdessen gibt es viele neue Entwicklungen in der Biologie: ein antiessentialistischer Genbegriff, multi-level-selection, nuture selection und Wissen über die nicht-modulare Arbeitsweise des Gehirn bei höheren, kognitiven Funktionen, die Promiskuität der Menschen – auch der Frauen – der Biologismus ignoriert all das. Und diese Liste ist nicht mal annähernd vollständig. Das alles ist da, in paper oder wikipedia. Wenn ich das gefunden habe, dann könnt ihr das auch.

    “Lassen wir die STEM (MINT) Leute mal rein rational weiter arbeiten, denn deren Ergebnisse sind mir wichtiger als die Deutungen sozialwissenschaftlicher Ideologen.”

    Ähm … Hasi … ich gehör dazu … schon gewußt? Und mit Sozialwissenschaften hab ich noch nie was dazu gehört.

    “Meist ist mit dem Begriff Biologismus ja eine der vielen Varianten des Sozialdarwinismus gemeint.”

    Das sehen vielleicht Feministen so, aber wir sind uns einig, daß Biologismus eine deskriptive, keine normative Theorie ist.

    Etwas OT aus der Welt der Physik:

    “Auch in der Physik hat es lange gedauert bis ein Einstein geboren wurde, der uns umfassende grundlegende Erkenntnisse verschaffte.”

    Eigentlich machen wir heute immer noch die Maxwellsche Feldtheorie aus den 19.Jhr, die nach Planks und Einsteins Arbeiten quantisiert und relativistisch wurde. Nur mit Teilchen, die eine Ruhemasse hatten, kam sie nicht zurecht, weshalb die Wechselwirkung mit dem Higgs-Feld erfunden wurde. Es zu finden, ist eine gute Bestätigung des Standardmodells. Interessant wird es, ob es auch neues Wissen über dunke Energie und dunkle Materie in das Standardmodell integriert werden kann. Man könnte also sagen, daß es Newtons Physik gibt und die Laplace’sche.

    “Die evolutionäre Psychologie ist eine ganz ganz junge Disziplin der Wissenschaften.”
    Ihre Modularitätsthese is falsch.

    Sieh mal – solange wir den Einfluß der Physis auf die Psyche so schlecht modelieren, wie der Biologismus das tut, haben die anderen es leicht, uns als Idioten auszulachen. In dem Moment, wo wir wissenschaftliche Ergebnisse zu einem der größten Rätsel in unsere Geschlechtertheorie integrieren, anstatt auf einer Ideologie zu beharren, wird das nicht mehr möglich sein.

    “wobei insbesondere die modernen Philosophen fast ausschließlich ideologische Dampfschwätzer sind.”

    Das zeigt nur, daß du wirklich unwissend bist. Aber ich versteh schon: Du möchtest mich von jetzt ab ignorieren, weil ich nicht deiner Meinung bin. Na gut – mach das. Ich hab zu tun.

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  2. 1. Lieber Elmar, Du hast nach eigenen Angaben in Deinem Blog weder Biologie noch Psychologie studiert. Solltest Du allgemein anerkannte wissenschaftliche Arbeiten zu diesen beiden Feldern veröffentlicht haben, bitte ich um entsprechende Hinweise. Ich habe ebenfalls einen MINT-Abschluss und einen MBA. Das macht uns gleichermaßen unqualifiziert für die beiden o.g. Themen – Hasi – da kannste noch so viel trommeln.

    2. Du drehst und wendest Deine Schimpfkanonaden gegen einen unklar definierten Strohmann-Biologismus wie es dir gerade passt.

    2.a.
    Einmal ist der Biologismus deswegen unwahr und böse, weil zerebrale und kognitive Zustände nicht eindeutig auf alltägliches Sozialverhalten abbildbar sind oder weil die Modellierung nach einem Computer-/Schichten-/Modularitätsmodell (noch) nicht ausreichend taugt. Du behauptest „Ihre Modularitätsthese is falsch.“. Schreibe einen wissenschaftlich fundierten Artikel und reiche ihn bei den einschlägigen Zeitschriften für Psychologie ein. Ich schätze die werden dermaßen beeindruckt sein, dass sie Dir nicht mal antworten.

    2.b.
    Im wesentlichen wetterst Du gegen den Biologismus aus philosophischer Sicht. Deinen überkomplexen Sprachstil hast Du Dir wohl im Philosophie-Studium erworben? Deswegen Dampfschwätzer. Philosophen haben in den letzten 100 Jahren kaum noch zur Erweiterung wissenschaftlicher Kenntnisse beigetragen. Ganz im Gegenteil haben sie das Feld der Philosophie verwüstet, insbesondere durch die marxistische Sozialphilosophie der Frankfurter Schule. Auch Dennett hat bis heute keine weltbewegenden neuen Erkenntnisse hervor gebracht. Die alten widerlegten Sozialdarwinismen kann man philosophisch immer wieder angreifen; deswegen werden sie nicht noch toter. Den Strohmann kannste noch hundert mal abbrennen, das ändert gar nichts.

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    „Das sagt niemand.“ Unfug. Die Gendertheologen behaupten das.

    „die Biologisten behaupten, alles über das Gehirn zu wissen“
    Wer sollen denn diese ominösen Biologisten sein? Bestimmt keine MINT Leute. Vielleicht einige Geisteswissenschaftler; die meinen immer alles zu wissen.

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