Jordan B. Peterson verstehen (Teil 2)

Peterson entwarf ein Model nach dem wir in der wirklichen Welt handeln. Er geht davon aus, dass selbst die präziseste Beschreibung der materiellen Wirklichkeit keine Handlungsanweisung an sich darstellt. Insbesondere wissenschaftliche Erkenntnisse können nie der Auslöser für eine menschliche Aktion oder gar moralisches Handeln sein. Vielmehr ist der Auslöser des menschlichen Handelns eine Funktion unseres Dopaminsystems im Gehirn. Wenn man also in einem Zustand ist den man als schlecht (bis zu unerträglich) empfindet, tut man etwas um in einen besseren (idealen) Zustand zu kommen. Falls das was man tut Erfolg hat, d.h. man kommt durch seine Aktionen in einen besseren Zustand, dann schüttet das Gehirn Dopamin (Neurotransmitter, auch Glückshormon genannt) aus und man fühlt sich gut/besser. Eine erfolgreiche Handlung bestätigt das im Hirn vorhandenen Weltbild; eine erfolglose Handlung lässt einen sein Weltbild leicht verändern; viele erfolglose Handlungen erschüttern das Weltbild und man fällt ins Chaos.

MapsOfMeaning

Bild aus „Maps of meaning: The architecture of belief“, 1999, Jordan B. Peterson, Seite 55

https://jordanbpeterson.com/maps-of-meaning/

http://jordanbpeterson.com/2016/11/maps-of-meaning-intro/

Der Mensch als Problemlöser

Wenn man sich in einem Ist-Zustand befindet, der nicht erträglich ist, und einen erträglichen Soll-Zustand anstrebt, dann plant man bestimmte Handlungen, orientiert am existierenden Weltbild, und führt diese nacheinander aus. Jeder Schritt, der ein vorhergesagtes Ergebnis produziert, bestätigt die Aussicht auf Besserung, erhöht die Freude und die Hoffnung es zu schaffen. Der vorher geplante Pfad wird weiter beschritten, bis der Soll-Zustand erreicht ist.

Unser Weltbild ist aber nicht immer ganz richtig, denn – wie in Teil 1 beschrieben – ist unsere Perzeption nicht nur physiologisch eingeschränkt, sondern limitiert sich selbst durch Fokussierung. Man bekommt also nicht immer mit was sonst noch so um einen herum passiert. Diese Umwelt kann aber dazu führen, dass unsere Aktionen scheitern, das Ergebnis eines Schrittes also zu unvorhergesehenen Ereignissen führt. Man fühlt sich durch das Scheitern bedroht/gefährdet und bekommt Angst. Wenn man seine Fehl-Wahrnehmung der Welt als solche erkennt, kann man sein Weltbild anpassen und einen alternativen, neu angepassten Weg einschlagen, mit dem man zum Soll-Zustand kommt.

Manche Externalitäten stellen aber nicht nur das Weltbild im Kleinen in Frage, sondern eine ganze Reihe von kleinen Weltbildern. Sie sind derart katastrophal, dass man den Sinn seines bisherigen Lebens und seine eigene Existenz in Zweifel zieht. Man kommt in einen chaotischen Zustand, in dem sämtliche bisher genutzte Vorhersage-Modelle nicht mehr funktionieren. Das bisherige Weltbild desintegriert. Aus dem Zustand des Chaos kommt man nur heraus, wenn man das Unbekannte sorgfältig erforscht und sich ein neues Weltbild zusammenbaut, neue Vorhersage-Modelle entwickelt, bei dem das Handeln wieder zum gewünschten Ergebnis führt.

Angst ist keine angelernte Reaktion, sondern eine angeborene, ganz normale Standardreaktion auf ALLES Neue. Die Exemplare unserer Spezies, und ihrer Vorgänger-Spezies, die keine Angst hatten als es im hohen Grass oder Baum raschelte, wurden halt von der Schlange oder dem Leoparden gefressen, und sind damit aus dem Genpool ausgeschieden. Nicht die Angst ist erlernt, sondern das Gefühl der Sicherheit ist erlernt, dadurch dass wir etwas als Normalzustand erfahren haben, was im vertrauten Umfeld nicht zu Tod, Leid, Schmerz führt. Diese Etablierung von Sicherheit, das vereinbarte Wohlverhalten innerhalb einer Gruppe, das Befolgen von Regeln, das ist ein wichtiger Schritt einer Zivilisation.

Eine urzeitliche Gruppe von Jägern und Sammlern, die einem anderen Stamm begegnete und keine Angst hatte, keine Vorkehrungen traf, unvorsichtig war, wurde meist von diesem anderen Stamm ausgelöscht. Wenn sie Angst bekamen, dann z.B. weggingen (auswanderten), oder sich auf Verteidigung einstellten, oder den anderen Stamm vertrieben, dann konnten sie überleben.

Genau die selbe natürliche Reaktion haben viele Deutsche, wenn sie mit „anders zivilisierten Ausländern“ konfrontiert werden. Die Teddybären-Werfer, die links-grünen Idealisten, die Träumer welche an die humanistische Integration der sogenannten „Schutzsuchenden“ glauben, die sind unfähig ihr altes Weltbild an die neuen Umweltbedingungen anzupassen. Die sind zwar etwas verwirrt, dass das alles nicht so reibungslos klappt wie es (angeblich) geplant war, aber die haben immer noch keine Angst. Die befinden sich noch in der oberen linken Blase der Grafik und denken, mit einigen wenigen Anpassungen wird das schon zum gewünschten Soll-Zustand führen. Diejenigen die schon Angst haben (die pöhsen pöhsen ‘Rechten’), wissen dass wir uns schon im Zustand des Chaos befinden, unser Weltbild ganz neu anpassen müssen, um zu überleben.

Wenn sich der Tod, das Leid, der Schmerz objektiv erhöhen, dann ist die normale menschliche Reaktion, diesen unerträglichen Zustand wieder in einen Normalzustand zurückzufahren, in dem man sich nicht dauernd in Angst befindet, sondern wieder das Gefühl der Sicherheit hat. Ein latenter Angstzustand belastet den ganzen Körper ungemein, alle Wahrnehmungssysteme laufen auf Hochtouren, wir sind kaum noch in der Lage zu fokussieren um eine alltägliche Tätigkeit zu erledigen. Je länger das Chaos andauert, desto höher wird die Gefahr ernsthaft zu erkranken, da der Körper den Stress nicht mehr aushält. Einen Weg aus dem Chaos zu finden ist keinesfalls garantiert; man kann im Chaos auch untergehen und sterben – was keineswegs eine Ausnahme ist.

Unsere emotionale Steuerung basiert mindestens genauso auf der Sicherheit und Vorhersehbarkeit des sozialen Umfelds, wie auf psycho-biologischen ‘inneren’ Faktoren (wie Ego, Persönlichkeit). Eine akzeptable soziale Ordnung ist die Voraussetzung für die eigene psychische Stabilität.

Betrachten wir nun mal einen streng muslimisch erzogenen jungen Mann, der als Flüchtilant in Deutschland untergekommen ist. Dessen Weltbild, sei es aus Syrien oder dem Sudan, ist in weiten Bereichen völlig unvereinbar mit dem Weltbild der Deutschen. Das meiste was er auf Basis seiner alten Muster und Erfahrungen hier tut führt nicht zum Erfolg. Er kommt aus seinem unerträglichen Ist-Zustand (ohne Arbeit, ohne Frau, ohne Status, usw.) nicht zu seinem Soll-Zustand, wenn er die alten Strategien weiter anwendet. Jetzt kann man denen, die willig sind sich zu ändern, mit Integrationskursen auf die Sprünge helfen, so dass sie sich an das deutsche Weltbild anpassen und eine Chance auf Erfolg haben. Das nützt aber nur was bei Leuten die sich ändern wollen. Die meisten Flüchtilanten wollen das aber gar nicht, die wollen einen Soll-Zustand, der aussieht wie Syrien oder Somalia, nur mit weniger Todesangst, Leid und Schmerz. Wenn diese nun auf eine deutsche Zivilisation treffen, die mit dem eigenen Ist-Zustand derart unzufrieden ist, dass sie „Deutschland verrecke“ auf Plakate schreiben, dann rechnen die sich gute Chancen auf die Durchsetzung ihres Weltbild aus.

Der Zustand des Chaos manifestiert sich im „Clash of Civilizations“ derzeit in Europa. Es ist völlig offen wie das zukünftige Weltbild der Europäer aussehen wird, und ob die heutigen Europäer den Kampf überleben. Für viele ist ein ‘zurück zum Alten’ wenig erstrebenswert. Wie viel Tod, Leid und Schmerz das ‘Vorwärts ins Neue’ ergeben wird ist noch ungewiss. Nur Dumpfbacken haben dabei keine Angst.

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3 thoughts on “Jordan B. Peterson verstehen (Teil 2)

  1. Ich lese auch gerade das Buch von Jordan Peterson. Scheint ein sehr interessanter Typ zu sein. Ihre Darstellung (v.a. Teil 2) und die Anwendung auf die aktuelle Situation finde ich gut. Ein paar sind ja schon auf dem Friedhof, weil sie in naiver Weise angstfrei waren.

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