Finite Spiele und infinite Spiele

Finite Spiele sind Spiele, die ein mal, auch wiederholt, mit einem Ergebnis gespielt werden, meist ohne spezielle Berücksichtigung langfristiger Strategien oder Visionen. D.h. man tritt mit dem Ziel an dieses eine Spiel zu gewinnen, oft koste es was es wolle. Ich beziehe das jetzt nicht auf Skat oder ‘Mensch ärgere dich nicht’, sondern auf unsere alltäglichen Spiele, wie z.B. einen möglichst günstigen Einkauf zu machen, oder einen Vertriebsabschluss, oder den Mitbewerber um eine besonders hübsche Dame auszustechen.

Infinite Spiele sind solche, die nie wirklich enden, die über ein ganzes Leben und über Generationen hinweg stattfinden. Es gibt dabei immer wieder unterschiedliche Gewinner und Verlierer. Das Ziel ist, im Spiel zu bleiben, egal ob man gerade gewonnen oder verloren hat. Das Spiel und die Regeln können sich dabei allmählich verändern, und es endet nur für den Mitbewerber der aussteigt – willentlich oder zwangsweise.

Am deutlichsten sieht man den Unterschied bei Großfirmen. Zum Beispiel hat Apple das Ziel, die innovativste, angesehenste Firma für Computer- und Kommunikationstechnologie zu sein. Dabei ist es dann ärgerlich wenn mal ein neues Produkt in die Hose geht und sich nicht so gut verkauft, aber der Vision von Apple tut das keinen Abbruch. Die legen nicht so viel wert darauf, dass sie mit einem Produkt die Nr. 1 am Markt sind, sondern wollen „nur“ genug Geld verdienen, um weiter innovativ zu sein. Das ist deren infinites (also unendliches) Spiel, bis sie aussteigen müssen (also wegen anhaltender Misserfolge pleite gehen oder den nächsten Technologiesprung nicht mehr schaffen).

Das offensichtliche Gegenbeispiel ist Nokia/Microsoft. Nokia hat sich darauf konzentriert, der Marktführer bei Handys zu sein, als sie auf der damaligen Technologieplattform zufälligerweise zuerst am Markt erfolgreich waren. Die hatten sich nicht überlegt ob dieses Funktelefon mal ein kleiner tragbarer Computer werden kann (Smartphone), die dachten nicht darüber nach was ihre Kunden vielleicht in 5 oder 10 Jahren von dieser Technologie erwarten, die haben lieber bunte Plastikteile kreiert um den Verkauf weiter zu erhöhen, damit sie weiter die Nr. 1 bleiben können. Dieses Spiel hatte Nokia gewonnen, aber irgendwann war das Spiel eben vorbei, und dann gingen sie in ihrer Mobiltelefon-Sparte Pleite. Und danach fanden sie den neuen Technologiepartner Microsoft, der die Sparte nach wenigen Jahren übernahm, aber eine sehr ähnliche Strategie fährt.

Interessant ist derzeit auch die Aufstellung im Automobilbereich, in dem ein Technologiesprung bevorsteht, aber eben im Batteriebereich noch nicht vollständig ist. Firmen wie Toyota und VW haben sich lange Zeit auf Marktführerschaft konzentriert, Firmen wie Mercedes-Benz, Porsche und Tesla wollen eher Technologieführer sein. Der entscheidende Punkt wird sein wenn es leichte, schnell ladbare Batterien aus Allerweltsmaterial gibt. Ich befürchte insbesondere Toyota und VW wird es nach diesem Zeitpunkt gar nicht mehr geben, denn die spielen finite Spiele. Bei den anderen, die infinite Spiele spielen wollen, wird interessant wer es durchsteht.

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Man kann die gegensätzlichen Spielstrategien auch in Bezug auf persönliche Beziehungen, speziell zwischen Männern und Frauen anwenden. PUA (pick up artists) spielen wiederholt finite Spiele. Die wollen einfach nur eine bestimmte (oder eben eine verfügbare) Frau abschleppen, sich mit ihr vergnügen und denken nicht groß über langfristige Beziehungen nach. Diese Einstellung gibt es seit den 70’ern vermehrt auch bei Frauen – nur dass die sich dafür nicht besonders anstrengen müssen (jung und nicht allzu hässlich reicht).

Ein infinites Spiel ist eben nicht PUA zu sein und ein Leben lang zu bleiben. Das kann man auf der größten Webseite für PUA’s (Return of Kings) immer wieder feststellen. Wer als Mann nach der 10. kaum noch unterscheidbaren Muschi aus dem Spiel nicht bald aussteigt, wird desillusioniert und geniest diese finiten Spiele immer weniger (#notall, wie immer, aber nicht jeder Mann ist Hugh Hefner). Nach der 100sten ist das Erschrecken beim Aufwachen am nächsten Morgen oft groß, was für ein ‘Ding’ man sich da zum Sexsport ins Schlafzimmer geholt hat und man hofft, dass ‘es’ möglichst vor dem Frühstück noch durch die Eingangstür diffundiert. Das geht den meisten Frauen, die das Schwanzkarussell lange genug geritten haben übrigens genau so.

Bei Frauen ist das Thema freizügiger Sex mit wechselnden Partnern so ab ca. 40 meist zu Ende. Männer legen nun mal viel mehr wert auf Jugend und Aussehen. Frauen fallen dann sehr oft in eine tiefe Sinnkrise, denn was macht man ohne vertrauenswürdigen Partner und immer häufiger ohne Kinder, denn die nächsten 40 Jahre? Bei Männern entscheidet die Fülle der Brieftasche, die Gesundheit und die psychische Disposition wie viele Wiederholungen der finiten Spiele sie mitmachen/ durchhalten. Doch die meisten stellen auch mit 40…50 fest, dass mann sich genug ausgetobt hat und der Sexsport nicht mehr ganz so toll und wichtig ist.

Die Weichen für das infinite Beziehungsspiel stellt man üblicherweise in seinen 20’ern. Wer zu dem Zeitpunkt keinen Lebenspartner findet, der wird sich auf serielle Monogamie einstellen müssen, häufig durchsetzt mit der ein oder anderen katastrophalen Scheidung. Das infinite Beziehungsspiel ist nicht deswegen unendlich, weil keine Scheidung anfällt (der Tod scheidet uns alle), sondern vor allem weil i.d.R. Kinder da sind, dann Enkel. Ein Verwandtschaftsverhältnis lässt sich nicht wie eine Freundschaft oder Bekanntschaft aufkündigen, selbst wenn man sich (einige Zeit) mal überhaupt nicht leiden kann. Wer die Vision einer infiniten Beziehung verfolgt, der macht sich auch nicht gleich in die Hose, wenn ein spezielles finites Spiel einen selbst mal zum Verlierer macht. Fast alle sind auch bereit mal absichtlich der Verlierer zu sein, damit das Spiel nicht endet. Das Ziel der überlebenden Generationen, selbst wenn man selbst schon lange tot ist, bleibt weitaus wichtiger als jetzt und heute zu gewinnen.

MGTOW (men going their own way) sind ein spezieller Fall. Sie rekrutieren sich vor allem aus den PUA’s die an der x.ten Wiederholung des finiten Spiels keinen Spaß mehr haben und aus o.g. seriellen Monogamisten, die einfach zu alt für noch einen Versuch sind. Die Umweltbedingungen, wie der Feminismus und das (für alle) nachteilige Familienrecht, tragen natürlich maßgeblich dazu bei. Das sind die Leute, die aus dem infiniten Spiel wahl- oder zwangsweise ausgestiegen sind, oder nie eingestiegen sind. Ich sag’s nochmal: Wenn ich einen 20-jährigen von MGTOW schwafeln höre dann wünsche ich mir dass ihn mal einer richtig abwatscht. Der hockt zu viel vor dem Computer und lebt nicht. Mit 20 ist man PUA – was sag ich, mit 16 MANN!!! Wenn man sich dann einige Zeit die Hörner abgestoßen hat und die Eierschalen hinter den Ohren abgefallen sind, muss man versuchen die Kurve zu kriegen und eine Partnerin für’s Leben finden. Für Frauen gilt praktisch das selbe nur mit der Einschränkung, dass die Beziehungsfähigkeit bei Frauen schon bei mehr als 2-3 Sexpartnern dramatisch abnimmt. Es wundert mich übrigens dass es keine WGTOW gibt (women going their own way), denn es gibt immer mehr Frauen über 40, die keinen Partner und oft auch keine Kinder haben. Vielleicht ist da zu viel Scham im Spiel oder die verstecken sich hinter den kreischenden Kampflesben, die den heutigen Feminismus repräsentieren.

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Besonders bedenklich finde ich die Unmenge an finiten Spielen, die in der Politik gespielt werden, sowie das fast völlige Fehlen von infiniten Spielen, insbesondere in Europa. Gerade ein infinites Spiel in der Politik wäre doch ur-eigentlich konservativ. Man will seine Familie, seine Gemeinschaft, sein Volk erhalten, so dass es weiter ‘im Spiel bleibt’ und nicht durch Selbstauflösung das Spiel verlässt. Aber selbst die SPD hatte mal ein infinites Spiel, als sie noch Arbeiter- und Gewerkschaftspartei war. Auch die Arbeitervertreter hatten immer das infinite Spiel im Hinterkopf. Man kann die Eigentümer nicht so weit schröpfen, dass sie pleite gehen oder freiwillig aus dem Spiel aussteigen. Die Kombination von übertriebenem Lohndruck und die Ausweichstrategie der Unternehmer durch Globalisierung führte dazu dass Firmen einfach ins Ausland gingen. Die Unternehmer spielen, wenn möglich und entsprechendes Management da ist, meist ein infinites Spiel. Die Gewerkschaften und die SPD haben das aber aufgegeben, ohne es zu erkennen und zum eigenen Nachteil. Ein wesentlicher Faktor ist hierbei natürlich auch der Finanzkapitalismus der Aktiengesellschaften durch fehlgeleiteten ‘shareholder value‘ Druck macht nur noch auf finite Spiel zu setzen und infinite Spiele zu ignorieren.

Welche finiten Spiele, die ein infinites Spiel boykottieren fallen Euch noch so auf?

(Titelbild heute von pixabay)

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10 thoughts on “Finite Spiele und infinite Spiele

  1. Eine interessante Betrachtung, wenn auch momentan für mich schwere Kost.

    “Welche finiten Spiele, die ein infinites Spiel boykottieren fallen Euch noch so auf?”

    Ganz platt: Feminismus – Finit in seiner unverrückbaren Feststellung, dass alle Männer Verbrecher (oder schlimmeres) sind, Infinit in der unaufhörlichen Suche nach weiteren Benachteiligungen und bei der Aufstellung von Forderungskatalogen ohne jede Rücksicht auf Verluste (Frauenwahl-, Beamten-Beförderungsrecht in NRW beispielsweise).

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    1. Vielleicht hast Du was falsch verstanden hier? Feminismus ist/sind sich wiederholende finite Spiele. Die spielen um jeden Hasenfurz-Anspruch zu befriedigen, und jammen, kreischen halt so lange herum, bis sie gewinnen.

      Das einzig infinite Spiel das man dem Feminismus unterstellen koennte ist die Durchsetzung und Erhaltung einer Matriarchie. Diese Vision scheitert aber einfach an der Biologie, weshalb die Feminstinnen die Biologie ja auch abschaffen wollen.

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      1. Stimmt schon und ich gebe zu, mich in Spieletheorien nicht so besonders auszukennen. Insofern habe ich eventuell zu sehr auf den Wortsinn von Endlich und Unendlich abgehoben, um damit den Widerspruch in sich aufzuzeigen, welcheb dieser sektenartige Ideologinnentrupp (nebst Pudeln) da vor sich her schiebt: die Hand abschlagen zu wollen, welche sie nun mal mit-ernährt.

        Und letztendlich sägen sie damit den Ast ab, auf dem sie wie die (D)Amsel in Distress hocken – und beschweren sich anschließend übers tiefergelegt werden.

        Denn MGTOW und die stetig zunehmenden Klagen gegen Gesetzesvorhaben, oder ein Abdrehen beim Dauergekreische, sprechen eine eindeutige Sprache.

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  2. Die (katholische) Kirche spielt seit 2000 Jahren ein infinites Spiel, mit dem expliziten Anspruch, bis zum Jüngsten Tag dabei zu sein, und danach dann für alle Ewigkeit. In letzter Zeit, besonders unter dem gegenwärtigen Papst, sind sie zu einem finiten Spiel übergegangen. Selbstaufgabe, um sich kurzfristig besonders gut fühlen zu können und kurzfristig Geld abzocken zu können. Sieger ist dann der Islam, der seit 1400 Jahren ein infinites Spiel spielt.

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  3. Frauen denken oftmals ihre Attraktivität wäre infinit…vllt gibt es deshalb keine WGTOW – da sie denken mit 40 wäre sie immer noch Prinzessinnen und die Männer würden ewig Schlange stehen .Gerade etwas über die RTL-Dating Show “Take me out” gelesen – hier präsentiert RTL die weibliche Arroganz beim Dating im Mainstream-TV:

    http://m.focus.de/kultur/kino_tv/focus-fernsehclub/tv-kolumne-take-me-out-kandidatin-sagt-einen-satz-der-moderator-ralf-schmitz-echt-zu-weit-geht_id_7684539.html

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    1. 90 Prozent dieser ‘Grazien’ scheinen einen vollkommen verschobenen Wertehorizonz zu haben. Jeder würde sie bei Lidl an der Kasse oder in der Kurzwarenabteilung übersehen – und dennoch halten sie sich alle für kleine Prinzessin’ Lillifees:

      http://www.rtl.de/cms/sendungen/show/take-me-out/kandidatinnen.html

      Offenbar realisieren sie nicht, dass sie für 50 Pfennig Eigeneinsatz keine Gold-Skulpturen einkaufen können (Wert und Gegenwert). Der “Focus” hat das in seinem Artikel ja süffisant auf den Punkt gebracht:

      ” … Jolien, die selbst mit Plastik-Blumen a la Kirmes-Schießstand im Haar aufwartete, gefiel Philips „Streifenhörnchen-Frisur“ nicht.

      … Den Filialleiter fanden gleich mehrere der Frauen „zu alt“. Außerdem attestierte Plastikblumen-Jolien eine „Quäke-Stimme“ – und die muss es ja schließlich wissen.”

      Witzig übrigens, dass RTL diese 30 Schanntalls, Tschackelines, Ochsanass und Kümberlies als “Kandidatinnen” bezeichnet. Aufführen tun sie sich, als seien sie die Inquisitorinnen in einer drittklassigen Dating-Show …

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