Zwitschgendurch – Apotheken

Ich habe gerade bei JF (wo die Kommentare oft länger sind als die Artikel) die Meldung „Jeder zweiten Apotheke droht das Aus“ gelesen.

Zitat:

[…]BERLIN. Jede zweite deutsche Apotheke kämpft um ihre Existenz. Zu diesem Ergebnis kommt ein Gutachten des Bundeswirtschaftsministeriums, das der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vorliegt. Demnach sei die Schließung von 7.600 der rund 20.000 Apotheken in Deutschland „mittelfristig wahrscheinlich“.

Betroffen seien vor allem Verkaufsstellen in Städten, weniger auf dem Land. Um alle bestehenden Apotheken zu retten, würden jährliche Kosten von rund drei Milliarden Euro entstehen.[…]

Spontan ging mir durch den Kopf – Mannomann wieder so ein Luxusproblemchen. Ein Problem welches nur auftritt, wenn man Jahrzehnte lang wirtschaftspolitische Fehlanreize setzt und Regulationen zum Gesetz erhebt, die alles nur teurer machen. Warum muss ein deutscher Apotheker eine langwierige Ausbildung machen, fast so viel lernen wie ein Arzt, um dann zu 95% seiner Zeit als reiner Verkäufer und Kassierer zu arbeiten? Warum muss der zwangsweise 10.000 Medikamente im Lager vor Ort halten, von denen er 80% wieder zum Großhändler zurück schickt, weil er sie monatelang nicht verkauft? Die WARUM Liste liese sich seitenlang fortsetzen.

Zum Vergleich dazu meine neue Heimat seit >10 Jahren, eine mittlere Großstadt in den Philippinen. Wir haben ungefähr genauso viele Apotheken hier wie eine vergleichbare mittlere Großstadt in Deutschland. Auch hier muss jede Apotheke von einem „Pharmacist“ betrieben werden, dessen Ausbildung ungefähr dem einer deutschen Apothekenhelferin entspricht. Seine Assistentinnen sind einfache, ungelernte Verkäuferinnen. Die können alle eine Packungsbeilage vorlesen, auch nicht viel weniger als das was man in einer deutschen Apotheke erwarten darf. Großer Nachteil jedoch: Die haben nur so 500-1.000 Medikamente vorrätig (sehr oft auch weniger) und da ist nix mit bestellen und da wird von GEHE nix geliefert was morgen dann verfügbar ist.

Das ist natürlich erst mal Scheiße, insbesondere für Leute wie mich, die eine relativ seltene chronische Krankheit haben. Jetzt könnte ich mich beschweren und rumheulen aber ich brauchte eine Lösung des Problems, keine „Interessengemeinschaft“. Und die habe ich auch gefunden, sonst könnte ich hier nicht leben. Selbstredend habe ich weder eine KV noch eine Regierung die sich für mein Problem interessiert. Meine Apotheker und Ärzte müssen sich ihr Einkommen im Dienste an mir hart erarbeiten.

Die meisten Thailändischen „Apotheken“ haben nur das im Sortiment, was man in einer kleinen deutschen Drogerie hat. Eine Pharmazie in Indonesien, insbesondere auf dem Land, hat drei Schuhkartons voll bunt gemischter und oft abgelaufener Medikamente. In SOA auf dem Land gibt es kaum Ärzte und so gut wie keine Apotheken.

Ich sage ja nicht, dass man sich in Deutschland mit den Zuständen in der 3. Welt zufrieden geben müsste. Ich habe aber kein Verständnis dafür, dass sobald verschwenderischer Luxus, durch sozialisierte Kosten finanziert, eingeschränkt wird, ein Geheule ohnegleichen einsetzt.

5 thoughts on “Zwitschgendurch – Apotheken

  1. In Deutschland ist halt eine Bling Bling Oberfläche angesagt. Mir ist aufgefallen, dass manche Apotheken eben auch nicht das was ein Otto Normal Verbraucher braucht, auf Lager haben. Aber stimmt schon, die Lieferung kommt spätestens am nächsten Tag. Das ist ein Pluspunkt.
    Viel schlimmer ist jedoch, dass trotz der ganzen Gesetze und Regelungen in Deutschland stellenweise das Chaos los ist.
    http://www.sueddeutsche.de/panorama/medizinskandal-wie-ein-apotheker-sich-mit-gepanschten-krebsmedikamenten-bereicherte-1.3747601
    Dass der Apotheker sich anscheinend auf Kosten der Kassen und Patienten bereichert hat gehört schwer bestraft. Andererseits weiß man, dass Krebsmedizin selbster ziemlich ungesund ist. Das ganze System ist in Wirklichkeit krank. Zum einen gibt es ohne Ende Betrug, zum anderen ohne Ende Regelungen. Und die teure Krebsmedizin ist meist regelrecht giftig. Abzockerei wo man hinschaut.

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    1. Schlimmer noch ist die Vetternwirtschaft und das ganze Gekungel mit der Pharmawirtschaft. Kleines Beispiel:

      Ein Mittelchen, welches bei nervösen Störungen o.ä. hervorragend hilft und auch therapeutisch eingesetzt wurde, war “Kava Kava”, ein Trockenextrakt auf rein pflanzlicher Basis der gleichnamigen Wurzel.

      Das führte zu einem Knick im Bereich der Psychopharmaka und Sedative, da das Kava ganz ohne Nebenwirkungen eingenommen werden konnte und auch nach dem Absetzen keine Entzugserscheinungen auftraten.

      Was für ein Dorn im Auge der Medikamentenmischer! Und so wurde nach einiger Zeit das Medikament vom Markt genommen, weil das Paul-Ehrlicher-Institut meinte, dass es die Nieren kaputt mache. Das ganze war eine mehr oder minder unbewiesene Lüge, sodass man nun zurückrudern musste.

      Allerdings mit solch strengen Auflagen verbindend, dass man es in D nur noch in homöopathischen Dosen bekommt. Vielen, denen ich das Extrakt nach eigener -und guter Erfahrung vor weit über einer Dekade, da wurde es noch verschrieben- empfahl, besorgen sich das Zeug nun im Ausland zu horrenden Preisen und sind begeistert.

      Übrigens ist dieses Paul-Ehrlicher-Institut das gleiche, welches bis heute seine schützende Hand über teils todbringende Antibiotika mit schweren Nebenwirkungen hält (hatte dazu ja was auf meinem Blog geschrieben). Da zeigt man halt nicht solchen Aktionismus, was wohl an Beyer, Merck, Ratiopharm, Sanofis und Co. liegen muss.

      Was sind da schon ein paar Kollateralschäden?

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  2. Tja – und was nutzt die ganze Ausbildung nahe einem Arztstudium, wenn der Apotheker am Ende mit den Wechselwirkungen überfordert ist.

    Momentan muss ich 4 Medikamente schlucken, vom Blutdrucksenker über Entwässerung hin zu Digitalis (Fingerhutgift). Die sind alle recht bekannt, im Grunde Standard im Apothekerschrank.

    Als ich dann nach Neben- und Wechselwirkungen, nicht zuletzt im Rückblick auf mein Fluorchinolon-Antibiotika-Desaster fragte, da war nichts davon in der Apotheke bekannt.

    Mittels einer kurzen Recherche fand ich über die Apotheker-Zeitung schnell heraus, das drei davon sehr wohl Wechselwirkunken haben, eine davon sogar besonders heftig.

    Das legte ich dann in der Apo vor und man begann sofort zu recherchieren. Gefunden hat man in der eigenen Datenbank dann nur eine von den dreien. Die anderen habe ich dem Pharmazeuten am nächsten Tag als Ausdruck auf den Tisch geknallt und gefragt, warum das nicht bekannt sei!?

    Nun ja, man könne nicht alle 10.000 Medis im Griff haben, war dann die Ausflucht. Meine Frage, warum denn dann nicht wenigstens bei solchen Hauptgruppen wie Betablockern, Entwässerungstabletten oder Digitalis-Präparaten war dann ein Achselzucken.

    Dafür muss man nun 10 Semester studiert haben?

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    1. Ich denke in wenigen Generationen wird es gruen gespachtelte “deutsche” Elektroingenieure geben, die mit Innbrunst daran glauben, dass der Strom aus der Steckdose kommt.

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