Der Cicero wird mir immer sympathischer

Bis vor ca. 1 Jahr habe ich regelmäßig Tichy’s Einblick gelesen. Als er sich aber von Erz-Linken Rabulistikern den Schneid abkaufen lies, d.h. Gefahr lief seine gesamten Werbeeinnahmen zu verlieren, wurden die Artikel eher flach und ziemlich langweilig. Immer wieder suchte ich nach einem Ersatz für Tichy, als Morgenlektüre beim Käffchen. Zeit, Welt, FAZ, Süddeutsche und Co., die bei google.news immer verlinkt werden, sind nichts zum Kaffeetrinken. Bei der Dummheit dieser Lohnschreiber muss ich immer losprusten und danach ‘ne neue Tastatur kaufen.

Klar lese ich einige der einschlägigen rechten Publikationen (oder was halt bei den Linken so als Rechts gilt), wie Junge Freiheit, Philosophia Perennis, Breitbart, usw. Aber mal ganz ehrlich, der Bias ist dort schon sehr ausgeprägt. Dort werden zwar die Fakten, die die linke Mainstream-Presse gerne verschweigt oder verdreht, genannt und dokumentiert, aber genau wie bei der Gegenseite wird durch gezielte Auswahl, Verunglimpfung und Ver-Strohmannung, eben auch ein Teil der Wirklichkeit ausgeklammert. Broder (Achgut) lese ich auch oft, weil er Vieles so elegant auf die Schippe nimmt.

Der Cicero hat mit Alexander Kissler und Alexander Grau zwei Autoren, die sprachlich elegant schreiben und trotzdem immer wieder den Finger in die eitrigen Wunden der linken Gutmenschenkultur legen. Da sie rechte Rabulistik und Kampfbegriffe meist vermeiden, besteht auch kaum ein Risiko, dass sie wie Tichy an den Gutmenschen-Pranger gestellt werden. Das bleibt zumindest zu hoffen, denn ihr kennt ja das „Zuerst kamen sie für die xxx und ich habe nichts gesagt. Dann kamen sie für …usw.

Alexander Grau’s letzter Artikel, „So wird das nichts“, hält den Schlafschafen, die meinen ‘Deutschland geht es gut’ (bitte mit Merkelscher Flexion auf dem letzten Wort), den Spiegel vor’s Gesicht. Er bezieht sich auf eine breit angelegte, aber sehr dünne (28 Länder, nur ca. 20.000 Befragte) Ipsos Studie. 1000 Befragte pro Land oder weniger sind schon sehr grenzwertig für solche Umfragen, und natürlich mussten sie dann auch noch gewichten, was den Unsicherheitsfaktor schon in zweistellige Prozentbereiche schiebt. Dennoch erscheinen die Ergebnisse sehr plausibel.

Die halbe Welt mag den Sozialismus, die andere Hälfte hält den Sozialismus für staatlichen Terrorismus. Was man genau unter Sozialismus verstehen will wurde nicht überprüft, aber das ist auch egal, denn die Netto-Zahlungsempfänger werden sich die positiven Aspekte herauspicken, die Zahlesel eher die negativen. Auch wenn man das Ergebnis an der IQ-Glockenkurve spiegelt, ist der Wert 50:50 plausibel.

Die Frage, ob individuelle Freiheit wichtiger ist als soziale Gerechtigkeit, kann schon als dissonant empfunden werden. Viele meinen, dass sich das doch nicht gegenseitig ausschließen muss, was nur beweist, dass rote Indoktrination offensichtlich gut funktioniert. Obwohl auch hier die Welt knapp unentschieden ist, sticht Deutschland (gemeinsam mit China, Frankreich) mit nur 38% Zustimmung hervor. An diesem Wert würde ich auch das obere Potential einer FDP-AfD Koalition festmachen. So wird das nichts, wie Herr Grau getitelt hat.

In der Ipsos Zusammenfassung steht:

[…]Über alle 28 Länder hinweg denken acht von zehn Menschen (78%), dass die Reichen höhere Steuern zahlen sollten, um die Armen zu unterstützen. […] Auch in Deutschland sind 81 Prozent dieser Meinung.[…]

Es bleibt festzustellen, dass der Sozialneid die Rationalität um Längen schlägt. Weiterhin:

[…]Große Mehrheiten in allen 28 Befragungsländern sind der Meinung, dass Bildung gebührenfrei sein sollte (89%) und Gesundheitsfürsorge ein Menschenrecht sei (87%).[…]

Dummheit muss auch ein Menschenrecht sein, auf jeden Fall wird es hier konsequent ausgeübt. Auch wenn ihr jetzt nicht zu den zu schröpfenden Reichen gehört, könnt ihr euch ansatzweise vorstellen, dass die das nicht so prickelnd finden? Ist es vorstellbar, dass die Reichen beschließen „Wisst ihr was, ihr 80%, wir werden euch jetzt nach Strich und Faden verarschen“. Selbst wenn die Reichen bei den Steuern kräftig bluten müssen, haben sie doch ausreichend Anlass, jedes mögliche Steuerschlupfloch zu generieren und zu nutzen. Bei den Sozialabgaben stehen die Reichen schon besser da, als bei den Steuern. Und wenn bei der SPD Reichtum schon knapp oberhalb des mittleren Einkommens beginnt, dann hauen sich die Schnullerbacken selbst in die Pfanne und merken es nicht mal. Wenn’s nicht so traurig wäre müsste man lauthals lachen, mindestens ein sarkastisches Grunzen wäre angebracht.

Auch wenn die Ergebnisse der Ipsos Studie sehr mit Vorsicht zu genießen sind, weil die Anzahl der Befragten mickrig ist, spiegelt sie doch den gefühlten Trend in den westlichen Staaten und auch dem Drittel der Weltbevölkerung in Indien und China wieder. Aus der Geschichte von Stalins Russland und Maos China wurde nichts gelernt. Kein Wunder, wenn im Geschichtsunterricht alle negativen Aspekte sozialistischer Diktaturen sorgsam ausgeklammert werden. Auch Ratten jagende Venezolaner sind offensichtlich kein ausreichendes Argument dafür, dass Sozialismus einfach Scheiße ist (und frisst). Ich bin immer mehr überzeugt davon, dass man Dummheit als ersten Paragraphen in die Deklaration der Menschenrechte aufnehmen sollte.

Ein anderer Artikel von Alexander Grau hat auch vielversprechende Ansätze. Wie kann die Suche des Einzelnen nach seiner persönlichen Identität dazu führen, dass ein neuer Nationalismus entsteht? Für die allseits gehassten „alten weißen Männer“ ist die Frage leicht zu beantworten. Wenn die konstruierten Identitäten der links-grün-versifften Dampfschwätzer so absurd werden wie derzeit, dann wird der Mensch – weil er halt so ist – auf den biologisch und evolutionär verankerten Tribalismus zurückfallen. Er sagt: „Wir leben in Zeiten des Umbruchs. Die ideologischen Karten werden neu gemischt.“ Na Gott sei Dank. Die offene Frage bleibt, ob die Europäer das demographisch noch durchstehen.

Titelbild https://pixabay.com/en/italy-rome-court-cicero-statue-2510287/

One thought on “Der Cicero wird mir immer sympathischer

Comments are closed.