Das große Blogsterben

Nun, es wird wohl eher das Sterben zahlreicher kleiner, privater Blogs sein, welche, bisher von der großen Masse mit Verachtung gestraft, nunmehr die uneingeschränkte Beachtung ganz legal krimineller Abmahnanwälte finden werden. DSGVO heißt dass neueste Mittel der Wahl, um die Welt zu verbürokratisieren und zum Verstummen zu bringen. Offene Staatsgewalt ist unschön. Schwarz behelmte Sturmtruppen in die Wohnungen von nichtsahnenden Bloggern zu schicken, um deren Elektronik zu konfiszieren und sie mal kurz zu verhaften, ist halt nicht so die allergeilste Werbung für die bunte, offene Gesellschaft. Man kann die Leute auch klammheimlich mundtot machen, indem man sie bankrottiert. Spätestens mit dem ersten Abmahnbrief über ein paar tausend Euro, wird Dein Kampf der Aufrechten zu Ende sein.

In den letzten Jahrzehnten machte sich in den ehemals liberalen Gesellschaften des Westens die Ansicht breit, dass man, als Individuum, immer mehr Rechte haben sollte. Ein Recht zu haben erscheint den meisten als etwas ausschließlich Gutes. Dass aus dem Recht für den Einen, eine Verpflichtung für den Anderen erwächst, lassen viele einfach unter den Tisch fallen. Das einzige „Recht“ welches ich als Grundprinzip anerkenne ist gar keines, sondern eine Selbstverpflichtung. Das Nichtaggressionsprinzip der Libertären, welches auch im allgemein bekannten Kinderreim (siehe auch Lutherbibel, Goldene Regel, usw.) ausgedrückt wird: „Was du nicht willst, das man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu.“ Aber selbst Google hat sein ursprüngliches Motto „Don’t be evil“ inzwischen offiziell entsorgt. Warum sollten sie es auch beibehalten, wenn sie inzwischen das Recht haben jeden auszuspionieren und wirtschaftlich zu verwerten, der sich ins Internet begibt.

Da ich bei den Geburtswehen der ersten kommerziell verfügbaren PCs und des Internet gerade noch dabei war, kann ich mich auch noch erinnern, warum eine solche Selbstverpflichtung notwendig war. Die INGENIEURE, die damals die ersten Zipfelchen des Vorgartens einer technischen Revolution betraten, die waren sich noch nicht so darüber klar, ob sie in diesem Chaos eine Hundehütte oder den goldenen Palast des Maharadscha entdecken würden. Die Hoffnungen und der Optimismus waren unendlich groß. 1979/80 habe ich (in den Schul-/Semesterferien) ein Betriebsdatenerfassungssystem mit dBase für eine große Werkstatt programmiert, weil die Leute von den Preisen, der Funktion und dem Verhalten von SAP richtig angekotzt waren. Die Werkstattschreiberinnen hielten Computer für Teufelszeug und mich für einen abgrundtief bösen Menschen, der ihnen ihre Jobs nicht gönnt. Man musste in dieser Zeit einfach mal vieles ausprobieren, weil man noch nicht wusste was geht, was sinnvoll ist. „Don’t be evil“ war einfach eine Selbstverpflichtung, dass man die Technik nicht zum Schaden der Menschen einsetzt. Was „böse“ ist, lässt sich aber oft nicht als Absolutwert definieren, sondern hängt vom Individuum ab. Computer mit ihren Speichermedien sind nun mal Datengräber. Da das Zeug nicht vom Himmel fällt, muss man sich überlegen, wie man damit Geld verdient.

Die Tatsache, dass die großen Internetfirmen Deine Daten speichern und verwerten, wurde von denen nicht in den Vordergrund gestellt. Man war arrogant genug, den Nicht-Fachleuten des Internet, dem Plebs, dem einfachen Nutzer, seine Ignoranz zu lassen und ihm nicht seine Nase in den großen Scheißhaufen gigantischer Datenbanken zu drücken. Warum sollte man seine Kunden verschrecken, denn die meisten interessiert es gar nicht und noch viel mehr verstehen es gar nicht. Und weil der Internet-Plebs nun mal so dumm ist, ergibt sich die Chance für Heilsversprecher, Beschützer der Armen und Hilflosen, sowie Beschützer der Diebe, einen neuen Schutzheiligen der Internet-Kirche zu erfinden – den Datenschützer. Wie alle Schutzheiligen ist der ziemlich nutzlos, auch wenn man an ihn glaubt. Ex falso sequitur quodlibet, kann man nicht oft genug wiederholen. Und das Beliebige welches sich aus dem Falschen ergibt, ist manchmal sehr schädlich. Im Falle des DSGVO, sehr viel schädlicher als der Missbrauch der Datenkraken.

Ob man implizit, oder explizit oder gesetzlich vorgeschrieben zustimmt, dass man seine Daten einer Datenkrake zur fast unlimitierten Verwertung überlässt ist praktisch fast egal. Außer ein paar nutzlosen Juristen liest keiner den Vertrag, wenn er z.B. ein Facebook-Profil anlegt oder einen Email-Account. Jeder ignoriert das und drückt auf „OK“. Der einzige Weg, sich dem zu entziehen ist, das Internet überhaupt nicht zu nutzen. Diejenigen, die das Internet finanzieren, Google, Facebook, Amazon, Porno-Anbieter, um nur die größten zu nennen, könnten ihre Geschäfte ohne ihre Datenkrake gar nicht betreiben. Wenn die Dich nicht mit Werbung zumüllen können, die dazu führt, dass Du was kaufst, dann sind die in Millisekunden Pleite. Warum sonst sollte sich Zuckerberg gezwungen sehen zu lügen, auf die Frage „Wie lange werden gelöschte Nutzerprofile gespeichert?“. Die Antwort heißt „ewig“, und er sagte „Weiß ich nicht, muss ich mal nachschauen ;)“. Ich find’s geil, wie er das mit völlig emotionslosem Gesicht ‘rüberbringt. Sein Unterprogramm liest sich wie folgt:

If questioner = CompleteIdiot Then

Mode.DeadpanShitlord(„deny whatever the fuck he said“)

End If

Das DSGVO soll angeblich den Internetnutzer vor den Datenkraken schützen, aber das funktioniert nicht. Was juckt es Google&Co, ob sie noch ein popup schalten müssen in dem Du auf „OK“ drücken musst. Du stimmst sowieso allem zu was die von Dir wollen, weil Du auf Dein kostenloses Internet-Spielzeug gar nicht mehr verzichten kannst. Kauf irgend eine beliebige Software und drücke beim Installieren auf „Nein, ich stimme nicht zu“. 😀 Das kannst Du jetzt den Rest Deines Lebens machen wie Sisyphus. Dann hast Du das gewünschte Recht, aber weder einen funktionierenden Computer, noch Internetzugang, Schnullerbacke. Das war und ist ja auch gar nicht das Problem unserer Politiker (und nur der Politiker). Das Problem ist, dass die Datenkraken aus rein finanzieller Gier, ihren Datenfriedhof an den Meistbietenden verscherbeln und der das für politische Zwecke einsetzt.

Das DSGVO dient also anderen Zwecken, als dem proklamierten, wie fast jedes andere Regierungsprogramm (If you hear: „We are here to help you“, run!). Die Meinungen der gebärunfreudigen Einheimischen sind den Großkapitalisten ein Dorn im Auge und müssen unterdrückt werden. Was wollen diese Leute überhaupt, die sterben ja eh bald aus und sind irrelevant. Für Konsumgüter braucht man Konsumenten, und wenn Ihr nicht bereit seid diese zu erzeugen und aufzuziehen, dann werden das in Zukunft eben andere Völker übernehmen. Punkt. Fertig. Aus.

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An alle Leser und (ehemaligen) Mitblogger in der kleinen Sphäre der Nicht-Einverstandenen. Da ich nicht in Europa lebe und auch keine Absicht habe jemals wieder dort zu leben, kann mir das DSGVO, wie so viele andere Regeln, am Arsch vorbei gehen (solange WordPress standhaft bleibt). Wer den Drang verspürt, trotz eingestelltem eigenen Blog, ab und zu etwas zu schreiben, was in meine Themengebiete passt, der ist herzlich eingeladen. Gastbeiträge sind vorzugsweise 800-1200 Worte lang, mit einem Rechtschreibprogramm bearbeitet, und kohärent. Ganz ober-vorzugsweise legt ihr die formatierte HTML WordPress Datei bei, damit ich das ganze nur <copy, paste> reinladen kann, ohne noch ‘ne halbe Stunde editieren zu müssen. Kontakt über die „Contact Me“ Lasche oben auf der Seite. Ihr müsst halt damit leben, dass ich manchmal auch etwas ablehne – dieses Angebot ist kein Freifahrtschein. Und, ach ja, es kann auch mal vorkommen, dass ich 4 Wochen in meine Email gar nicht reinschaue – Geduld ist eine Tugend 😉 Ansonsten, überlegt Euch halt mal, warum ihr noch in einem Land leben wollt, welches Euch dermaßen unterdrückt.

PS: Ich poste jetzt gleich meine eigene Datenschutzerklärung in – About. 😀

 

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5 thoughts on “Das große Blogsterben

  1. Ich gedenke ja, brav als ordentlicher deutscher einen Datenschutzbeauftragten zu benennen… Ich habe nirgends gelesen, dass der zustimmen muss; von daher dachte ich da an Herrn Donald J. Trump, 1600 Pennsylvania Avenue, Washington DC.

    Oder muss der in Deutschland sein? Hmmm…. Haben wir eine nordkoreanische Botschaft?

    Haben wir! Sogar in Berlin….

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  2. Ja, die Welt geht für alle europäischen Blogger unter und wir müssen uns von nun an komplett der medialen Gehirnwäsche unterwerfen.

    Warum das so ist? Das weiß keiner. Es ist ja alles so nebulös, dass man die Vorschriften, die so böse sind nicht explizit benennen kann!

    Was bleibt ist das Spekulieren und sofortige Schließen ALLER Blogs! 😛

    Jetzt mal im ernst: Worauf bezieht sich das alles? Die Benennung der DSGVO ist ein wenig dünn. Ich sehe keine Gefahr, meine Internettätigkeiten einzustellen.

    Wer soll mich auch aufgrund der DSGVO abmahnen? Die Sparkasse? Beyer Leverkusen? Der FC Bayern München? Oder doch einer von der Antifa? 😉

    Erstmal ein Bier trinken und abwarten. Ich bleibe dann so lange beim Tee.

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    1. Es gibt nur wieder ein weiteres riessenlanges Gesetz, diffus formuliert, so dass es moeglichst keiner versteht. Das eroeffnet wieder neue Methoden des Missbrauchs und der Abzocke. Leute mit einem *kostenlosen* Blog sind im Schnitt eher weniger geneigt sich teuer beraten zu lassen und ungewisse finanzielle Risiken einzugehen. Danisch hatte auch nichts falsch gemacht, wurde trotzdem abgemahnt und verklagt, hat vor einem Richter verloren, und muss zahlen.

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