Peterson vs. Atheisten/Skeptiker

So langsam fängt die Klopperei im sog. „intellectual dark web“ zwischen den Beteiligten an. Mal sehen wie das ausgeht; wie das Hornberger Schießen, nehme ich mal an.

Wenn ich gefragt werde, ob ich an einen Gott glaube, oder ob der Glaube, dass man an einen Gott glaubt irgendwie nützlich ist, kann ich aus persönlicher Sicht klar sagen: Nein. Aber das gilt eben für mich persönlich und ich will das keinem anderen aufdrücken. Ich trenne auch diesen Gottesglauben (oder den Glauben an den Teufel, Engel, Geister, UFOs, die Zahnfee, etc.) von den religiösen Doktrinen, die sich in religiösen Philosophien aller Art wiederfinden. Wenn ich gefragt werde, kann ich, im Gegensatz zu Peterson, eine kurze klare Antwort geben. Dabei gehe ich davon aus, dass der Fragende aus einer monotheistischen Tradition kommt, und diesen „Gott“, eher volkstümlich versteht, als außerirdisches Wesen, welches omnipotent und für uns unbegreiflich, die Dinge auf der Erde steuert. Mit einem philosophisch orientierten Theologen, einem Buddhisten, Daoisten, etc., als Frager, fällt meine Antwort eher Peterson-mäßig aus (it’s complicated).

Matt Dillahunty ist einer der bekannteren Atheisten oder Skeptiker, in der Nachfolge der 4 Horsemen (Hitchens, Dawkins, Dennet, Harris, die von Peterson als „celebrity“ Atheisten bezeichnet werden). Er meint, dass die moralischen Vorgaben einer Gesellschaft aus immer wiederkehrenden „trial and error“ Phasen hervorgingen. Er zeigt auf, dass man mit beliebigen Prämissen starten kann und wenn sich eine als unwahr/nachteilig herausstellt, diese einfach ersetzt wird. Gesellschaften, die an „falschen“ Prämissen als Doktrin festhalten, sterben früher oder später aus. Damit setzen sich, über längere Zeit gesehen, moralische Vorgaben durch, die zum Überleben einer Gesellschaft beitragen.

Ich stimme Dillahunty da zu. Es ist ein iterativer Prozess, dessen Ergebnis von der Evolution der jeweiligen Menschentypen in der jeweiligen Region abhängt. Volksstämme mit nachteiligen Moralkodexen haben sich selbst ausgerottet oder wurden von benachbarten Stämmen ausgerottet, bzw. zwangskonvertiert. Die Moral mag innerhalb einer Gruppe als absolut richtig/gut/vorteilhaft gelten, muss sich aber immer daran messen lassen, wie verteidigungsfähig sie gegen benachbarte Stämme mit anderen Moralvorstellungen ist. Damit wird sie – ganz postmodernistisch – relativ. Daraus zu schließen, dass alle Moralkodexe/Religionen gleichwertig und zu tolerieren sind ist jedoch Schwachsinn. Evolution findet nicht nur im Körper, sondern vor allem im Hirn statt. Menschengruppen, die ihrer Religion zur Dominanz verhelfen, sind die evolutionären Gewinner. Mit der Immigrationswelle hat sich Europa neue Nachbarn ins Land geholt. Die Toleranz-Fanatiker und Gleichwertigkeits-Faschisten können gegen die eingeschleppte Religion Islam, die ganz natürlich Dominanz anstrebt, nur verlieren. Das ist der Punkt, den Dillahunty nicht kapieren kann und will.

Peterson hat das verstanden und will die „westliche Wertegemeinschaft“, welche auf christlichen Doktrinen aufbaut verteidigen. Ich verstehe nicht ganz warum er sich gegen Dillahuntys Erklärung so wehrt. Peterson hat in seinen Vorträgen über die psychologischen Grundlagen der Bibel, nach meinem Verständnis, geklärt, warum wir im Christentum zu einem Moralkodex gekommen sind, der für Christen vorteilhaft war und unser Überleben gesichert hat. Meiner Ansicht haben alle großen Weltreligionen, sowie die überregional bedeutenden, genau das selbe getan.

Eine Religion ist eine Ansammlung psychologischer Erkenntnisse und ein daraus resultierender Moralkodex, der nur deshalb, weil er sich über die Zeit als richtig/gut/vorteilhaft erwiesen hat, stabilisierte und gruppenintern als wahr erachtet wird. Die Spandrillen oder Verzierungen der Religionen bestehen aus vielerlei künstlerisch kreativen Ausgestaltungen oder, wie ein Skeptiker es nennen würde, aus haufenweise Blödsinn. Viele Atheisten und Skeptiker konzentrieren ihren Grimm auf diese Verzierungen und ignorieren den Kern, den tiefen Moralkodex der Religionen. Das ist nachvollziehbar, wenn das volkstümliche Verständnis dieser Religionen nur noch aus den Verzierungen besteht oder diese dominant sind.

Die meisten Christen haben ein komisches Verständnis vom Gebet. Es ist so ein „lass den lieben Gott mal einen guten Mann sein“ Prozedere. In den katholischen Philippinen erlebe ich sehr oft diese Einstellung, dass man sich selbst doch nicht so arg anstrengen muss, weil „God will provide“. Die machen, was ich als Aberglaube bezeichnen würde. Man sagt am Sonntag eifrig seinen Sprüchlein auf, rattert x mal das Vaterunser herunter und glaubt, dass dadurch alles besser wird. Das ist doch genauso wie wenn ein Alchemist vor einem Stück Stein sitzt, einen Zauberspruch aufsagt und glaubt dadurch aus dem Stein Gold machen zu können. Wenn sich dann, in einem von 1.000 Fällen, beim Zerschlagen des Steins, rein zufällig ein Fitzelchen Gold finden lässt, glaubt man, dass der Zauberspruch wirksam war. Ich finde beides gleichermaßen lustig und strohdoof.

Als Atheist bete ich ja nicht. Ich meditiere jedoch desöfteren, wie es z.B. im Zen-Buddhismus üblich ist. Sam Harris macht auch etwas in der Art. Das führt i.d.R. nicht zu einer „Erleuchtung“ wie viele Heilslehrer des Zazen es versprechen, sondern dient viel mehr der „Entrümpelung“. Im Laufe des Tages, der Woche, sammelt sich so einiges an Gedankenmüll an. Ob man will oder nicht beschäftigt sich das Hirn damit, manchmal so sehr, dass es das normale Leben beeinträchtigt. Acht Stunden Schlaf und das Träumen ist die natürliche Methode sich des Problems anzunehmen. In einer hochtechnisierten Welt mit nie dagewesener Informationsflut reicht das aber oft nicht mehr. Meditation wirkt wie ein Abführmittel. Der irrelevante Dreck wird ausgeschwemmt. Manchmal bleibt aber etwas übrig an dem man weiter „zu kauen“ hat. Das klingt jetzt eklig, im Zusammenhang mit ‘Abführmittel’ und es handelt sich auch meist um etwas ekliges im Geiste.

Wenn man Glück hat kommt man nach einiger Zeit auch zu einer „Erleuchtung“, was keine überirdische Gotteserfahrung ist, sondern eine „red pill“ Erkenntnis, mit der man praktisch etwas anfangen kann. Wichtig ist, dass man dies dann auch umsetzt, zumindest probeweise sein Leben in einem kleinen Detail ändert und beobachtet, ob es dadurch besser wird. Das formulaische Vorbeten immer wiederkehrender Texte, oder das eigenständige Nachbeten, egal ob die christlich, islamisch, buddhistisch oder „satanisch“ sind, können einen in diesen meditativen Zustand versetzen. Das halte ich für den eigentlichen (vielleicht ursprünglichen) Sinn des Gebets. Äußerlich ist es eher die Bekundung der Gruppenzugehörigkeit, innerlich sollte es Selbstreflexion sein. Ob man das jetzt 5 mal am Tag braucht oder ein mal die Woche bleibt jedem selbst überlassen. Ich denke die Christen haben hier einen Vorteil bei der Selbstökonomie.

Was Dillahunty und auch Harris nicht akzeptieren wollen, ist dass jede Religion eine Stabilisierung psychologischer Erkenntnisse und eines daraus abgeleiteten Moralkodex ist. Sie hacken (wie Postmodernisten) darauf herum, dass die Moraldoktrin doch nur relativ richtig/gut/vorteilhaft ist und meinen, dass man nach dem absolut Richtigen/Guten suchen muss. Sie meinen, dass es eine universelle Moral geben müsste und nur diese dann „richtig“ wäre. Ich gebe ihnen eingeschränkt recht. Es gibt bestimmt einige Moraldoktrinen, die universell akzeptiert und erfolgreich sind. Vielleicht evolvieren wir sogar dahin. Da Evolution aber innerhalb der Gruppe in einer bestimmten Umwelt vonstatten geht, werden wohl niemals alle Moralkodexe universell gültig sein. Damit sind die sogenannten Skeptiker in Wirklichkeit Gleichheitsapostel. Aus diesem Grund ist der „new atheism“ auch ziemlich schnell auf die SJW Schiene abgeglitten, ohne dass die 4 Horsemen das gefördert oder akzeptiert hätten.

Nein. Wir müssen uns damit abfinden, dass es unterschiedliche Religionen/Moralkodexe auf der Welt gibt, aus rein evolutionären Gründen. Selbst innerhalb der großen Weltreligionen gibt es unzählige Varianten und Strömungen, die nicht zusammenpassen. Könnte es einmal so eine Borg-ähnliche, mittelbraune, von einer KI behauste, bekleidete und gefütterte universelle Menschenrasse geben? Möglich ist es. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass wir das Thema Mensch mit einer endgültigen nuklearen Abrüstung, die nur Kakerlaken überleben lässt, vorher beenden, ist mindestens ebenso groß.

Ich glaube Peterson hat verstanden, dass man „das Christentum“ gegen den Islam und zuerst auch gegen das Toleranz-Halleluja bzw. Gleichheitsapostel verteidigen muss. Seine konsistent ausweichende Antwort auf die Frage ob er an Gott glaubt oder wirklich ein Christ ist, ist den Spandrillen/Verzierungen geschuldet. Nach und trotz Nietzsche hat das zeremonielle Christentum überlebt, ist aber von seinem tiefgehenden Moralkodex fast völlig befreit. Es ist nicht viel mehr als ein Karnevalsverein, mit lustigen Mützen und Kostümen, festen Terminen, langweilig gewordenen inhaltsleeren Sprüchen. Es verkam zur inhaltsleeren Tradition. Die nächste #metoo Aktion kann es wie ein Kartenhaus zum Einsturz bringen. So etwas zu verteidigen wäre nutzlos.

Fast alle christlichen Kirchen, inkl. Papst, sind zu Toleranz- und Gleichheits-Predigern konvertiert. Die verteidigen nicht die Grundlagen des Christentums, sondern laden den Islam mit offenen Armen zur Übernahme ein. Orientierungslose Postmodernisten glauben, dass mit der Zerstörung des christlichen Glaubens endlich, endlich der richtige, wirkliche, echte, unbedingt gute Sozialismus Einzug hält. Die sollten sich mal im Iran, in Ägypten oder in Venezuela umschauen, wie gut das dort funktioniert hat. Falls das deren Lieblingsländer sind, können sie ja gerne dort weitermachen.

Peterson verteidigt nicht das moralbefreite, zeremonielle Christentum. Er verteidigt den Moralkodex der Christen, wie er aus der Bibel hervorgeht. Bei seinen Betrachtungen vermeidet er die Themen, die in der Bibel und nachfolgenden Religionstexten moralisch eher zweifelhaft sind. Das erlaubt den Angreifern in immer wieder dieselbe Kerbe zu hauen. Richtig und wichtig ist aber sein Drängen auf eine Rückbesinnung des Individuums auf einen im wesentlichen europäischen Moralkodex, der nur durch Selbstreflexion und echte Änderungen im jeweils eigenen Leben wieder erstarken kann. Er wird ja von einigen als Prophet des Christentums V2.0 verehrt. Schau ma mal…

Peterson und Harris haben gemeinsam 4 Podiumsdiskussionen in den nächsten 2-6 Wochen geplant.

Anbei die beiden Videos, die zu obenstehendem Text geführt haben:

https://www.youtube.com/watch?v=FmH7JUeVQb8

An Evening With Matt Dillahunty & Jordan Peterson

https://www.youtube.com/watch?v=gFio_8aUS4I

Sam Harris LIVE: Trump, Consciousness, Jordan Peterson Debate, and more

Das heutige Bild habe ich von folgender Webseite „entliehen“:

http://www.mataji-meena-ma.org/?page=1118

8 thoughts on “Peterson vs. Atheisten/Skeptiker

  1. “Gesellschaften, die an „falschen“ Prämissen als Doktrin festhalten, sterben früher oder später aus. Damit setzen sich, über längere Zeit gesehen, moralische Vorgaben durch, die zum Überleben einer Gesellschaft beitragen.” Wieder mal ein sehr kluger Beitrag. Wenn man das ganze fromme Gesülze beiseite läßt, bleibt der nackte Darwin übrig. Für das Christentum sieht es da nicht sehr gut aus.

    Liked by 2 people

  2. Sehr kluger Text. Ich hab auch schon gedacht, noch einmal darüber zu schreiben. Meine Perspektive ist eher, dass es ohne Gott nicht geht. Ich hab so viele angefangene Scripte gehabt, dass ich jetzt erst mal die Woche darauf nicht zurückkomme.

    Ich hatte mal einen Text zum Aufbau eines Moralsystems aus angeborenen und sekundären Teilen. Der Wiederum ist ein Zusammenschnitt aus einer Diskussion, die ich mal hatte, aber recht schick.
    https://goldsteinweb.wordpress.com/2018/01/12/on-cain-and-abel/

    Gestern schaute ich kurz in den Podcast “The Beauty and the Beta” und da ging es an irgendeiner Stelle (ich bin irgendwo reingeklickt) um so eine Transenfamilie mit leiblichem Sohn (je falschrum geschlechtlich gezeugt). Das ganze war mehr als skurril und Rebecca Hargreaves meinte “Ich glaub, jetzt bin ich für Islam”.

    Und ich dachte das auch schon länger. Wäre ich heute Christ oder Atheist in Europa und bekäme gerade ein Kind, würde ich mir nicht mehr die Mühe machen eine nicht-islamische Erziehung anzufangen. Sinnlos. Es sei denn, ich hätte eine Frau, die so starke christliche oder (auch jüdische) Wurzeln hat, dass sich das ganze noch intellektuell gegen die Außenwelt behaupten kann. Man kann eigentlich nur noch den Islam nach sinnvollen Elementen ausbeinen und clever christliche und demokratische Werte einflicken.

    Liked by 1 person

    1. “Wäre ich heute Christ oder Atheist in Europa und bekäme gerade ein Kind, würde ich mir nicht mehr die Mühe machen eine nicht-islamische Erziehung anzufangen.” Umso mehr! So schnell geben wir nicht auf. Gerade dreht sich der Wind. Die Reconquista kommt langsam und mühsam, aber sie kommt.

      Liked by 1 person

  3. Danke, spannender Text. Wenn ich mal mehr Zeit habe versuche ich ein paar Punkte anzusprechen.
    Leider ist Morgen Wir-tun-mal-so-als-wären-wir-nett-Tag in der Firma und ich muß früh raus um für eine soziale Einrichtung zu fronen.

    Liked by 1 person

  4. Hm… hab angefangen, dazu was zusammenzutippen, hat aber keine sonderliche Tiefe so. Hat wohl einen Grund weshalb ich das Thema auf die Seite schob. Es kommt immer wieder hoch und ich denke, dass der Glaube an Gott relevant ist für das Ausbrechen aus der Einfalt. Aber wirkliche Gründe hab ich nicht so. Für das Gegenteil, dass eine Gesellschaft ohne Berufung, Hoffnung auf Hilfe, wirklich feste Überzeugungen sich aufschwingt, was zu ändern sieht es eher noch schwärzer aus, denke ich.

    Like

Comments are closed.