Wie man zum Soziopathen wird

Soziopathen sind Leute, die entweder unfähig sind Mitgefühl zu empfinden, oder Leute die sich in bestimmten Situationen absichtlich antisozial verhalten. Ich rede im Folgenden nicht von der in der Psychologie/Psychiatrie definierten Persönlichkeitsstörung, die sich eher bei gewissen Antifanten findet. Ich werde von einem erlernten Verhalten reden, welches durch bestimmte Umwelterfahrungen begünstigt oder geradezu gefordert wird. Man kann sich das Verhalten auch wieder abgewöhnen, allerdings mag das für gewisse Leute irgendwann fast unmöglich werden.

Antisozial oder kurz asozial wurde immer wieder von verschiedenen Interessengruppen als Schimpfwort verwendet. Logisch dass die Nazis eifrig dabei waren. Als „asozial“ galten Straftäter, Trinker, Prostituierte und Heimzöglinge. Und die kamen, wenn sich ein Nazi dran störte, ins KZ. Doch auch im Nachkriegsdeutschland wurde der Begriff weiterverwendet, für z.B. Hippies und Punks, von der gutbürgerlichen Mittelschicht. Seit den 70’ern wurde das Wort von den Soziologen relativiert und bis heute ist „Assi“ entweder ein Schimpfwort oder ein Kultbegriff (eher als ‘Prolet’ verstanden). In der DDR wurde auf die wesentliche Bedeutung des Begriffs aus der Nazizeit abgehoben, nämlich ‘arbeitsscheu’. Arbeitsscheue konnten auch in der DDR in den Knast kommen.

Ich will das aber jetzt mal ganz moralbefreit, sozusagen soziopathisch behandeln.

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Ich plaudere jetzt mal etwas aus dem Nähkästchen. Wenn man so in die Riege der Leute kommt, die für mindestens einige Millionen, oder ein paar zig Millionen Umsatz als Geschäftsführer zuständig sind, passiert etwas. Während des Aufstiegs dorthin hat jeder auch mal dem ein oder anderen Mitarbeiter die Pest an den Hals gewünscht. Man weiß auch, wer die Mitarbeiter sind die echt was drauf haben, und die welche grade so mitkommen. Der Härtetest, durch den jede echte Führungskraft in einem großen Unternehmen gezwungen wird, ist eine „nette kleine Umstrukturierung“. Dabei „darf“ man dann entscheiden, wer entlassen wird (da gibt es diverse Möglichkeiten), wer versetzt wird und wen man unbedingt behalten muss. Nicht alle diese Aktionen sind von wirklich großem Umfang, aber wer mal selbst ab ca. 5-10 Leute in kurzer Zeit entlassen hat, in der vorzeitigen Ruhestand geschickt hat oder herunter stufen musste, der lernt etwas über sich selbst und über diese, bisher meist wohlgesonnenen, Mitarbeiter. Spätestens beim 10. wirst du zum Arschloch.

Da hörst du Geschichten, dass z.B.

  • die gerade ein Haus gekauft haben welches abbezahlt werden muss,
  • die Tochter jetzt anfängt zu studieren und das Einkommen unbedingt benötigt wird,
  • die Eltern ins Pflegeheim müssen und er/sie als Kind etwas zuschießen muss,
  • irgend jemand in der Familie schwer krank wurde und deshalb die Frau/der Mann sich um die Pflege kümmern muss, weshalb man nun der einzige Einkommensbezieher ist,
  • die Scheidung läuft und ohne Einkommen sieht er seine Kinder nie wieder,
  • usw. usf.

Die Stories variieren (und wer weiß, ob sie alle stimmen), aber praktisch jeder hat einen guten Grund, warum er gerade jetzt nicht entlassen werden darf. Und du als Chef sitzt dann da, musst es entscheiden, und die persönlichen Schicksale werden dir irgendwann egal – spätestens beim 10. Die Stimmung im Geschäftsbereich wird immer mieser und die guten Leute, die du halten willst, schicken bereits einen Stapel von Bewerbungen los. Um das Boot vor dem Kentern zu retten, kannst du nur noch sehr überzeugend lügen. Und das machst du auch. Du musst z.B. 3 von 30 Leuten unbedingt behalten, weil sie die Kern-Know-How-Träger sind. Nr. 1, Nr. 2 und Nr. 3. Dann gibt es da noch ca. 10 Leute, die ihren Job gut machen, die du weiterbeschäftigen willst – Nummern 4-13. Die restlichen 17 musst du los werden – Nummer 14-30. Du kannst dich nicht mit den Lebenstragödien der 17 Leute beschäftigen. Wenn du es trotzdem tust, wirst du wahnsinnig und bist für deinen Job ungeeignet.

In noch höheren Positionen heißt es dann z.B., diese Gruppe von 30 Leuten wird restrukturiert, mit knapp 60% Personalkosten-Reduktion. Aus Müller, Maier, Schmidt wird Nummer 1,2,3 und am Ende sind es 60% Personal welches weg muss. Von Schmidt, zu Nummer 3, zu Personal. Wie nennt man das? Unpersonifizierung bis hin zur Masse? Was mit den einzelnen Leuten geschieht ist dem Vorstand genauso egal, wie es dir egal ist, wie viele Soldaten in einem Computerspiel drauf gehen. Viele beklagen sich immer „ich bin doch hier nur eine Nummer“. Das ist falsch, denn derjenige ist aus Vorstandssicht nicht mal eine Nummer, sondern einfach nur Bestandteil einer Menge von Leuten, die zu entlassen sind. Es ist nicht ganz so brutal wie in einem Krieg, aber im Grunde die selbe Vorgehensweise. Niemand kann General werden, der nicht bereit ist „seine Leute“ zu opfern.

In solchen Führungspositionen muss man sich wie ein Soziopath verhalten. Man ist zwar grundsätzlich noch in der Lage Mitgefühl zu empfinden, aber man gewöhnt es sich ab. Mit dem Mitgefühl muss man sorgsam umgehen. Es gehört vor allem der eigenen Familie und einigen Freunden, allenfalls noch jemandem, den man gut kennt, falls er von den Entlassungen betroffen ist (den man dann einem anderen Geschäftsbereich oder einer anderen Firma dringendst anempfiehlt). Ich erinnere mich noch an den Kerl, der mich damals aus der Geschäftsführung kegeln musste. Er beklagte sich bei MIR, dass er immer so Scheißjobs machen muss 😛 Gerade bei dem stand ich ca. 10 Jahre vorher auf Nummer 1,2,3 als er schon mal eine größere Entlassungswelle durchziehen musste. Wir haben ordentlich gesoffen, und meine Abfindung (ich wollte nicht mehr) war dann auch sehr ordentlich 😀

Wahrscheinlich können sich viele das nicht vorstellen, da sie nie in GF/Vorstands-Positionen waren, sondern es nur als Leidtragende erlebt haben. Die sagen jetzt buuuhuuu, was beklagst du dich, du warst ein Arschloch und das alles geschieht dir recht. Vielleicht begreifen aber auch einige, dass man zum Arschloch werden muss, um den Job machen zu können. Es geht auch nicht darum, wer an was schuld ist. Geschäfte sind riskant, und nur einer von 10 Startups (die gibt es auch innerhalb von Großfirmen) gelingt und ist erfolgreich. Ich hoffe, mit dieser anekdotischen Verallgemeinerung, können sich einige jetzt vorstellen, wie das z.B. für Merkel ist. Oder für Trump. Die sind für Millionen von Menschen verantwortlich. Merkel wirkt ziemlich offensichtlich wie ein Soziopath, Trump kaschiert das viel besser. Für beide bist Du, Herr Schmidt, nicht mal eine Nummer, nur ein Teil einer Masse. Individualschicksale interessiert die nur, wenn es für Propagandazwecke zu nutzen ist. 5 Minuten danach können die sich an kein Detail mehr erinnern.

Mia, Maria, #Kandelistueberall, interessiert die Merkel einen Dreck. Die interessiert das erst, wenn 1-2 Millionen vor ihren Kanzleramt stehen und sie ernsthaft rausschmeißen wollen. Deshalb schießt ARD/ZDF und alle Medien aus allen Löchern. Die Probleme werden verschwiegen, und wenn doch etwas durchkommt, wird massiv Gegenpropaganda aufgefahren. Ihr Geschäftsauftrag war, billige Arbeiter aus dem Ausland zu holen, damit die Renditeparty weitergehen kann. Dabei hat sie bisher kläglich versagt. Wie sagte der Herr Yascha Mounk schon? Das ist ein Experiment. Ist es eines der 9 von 10 arabischen Startups die schief gehen? Wahrscheinlich.

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3 thoughts on “Wie man zum Soziopathen wird

  1. “Niemand kann General werden, der nicht bereit ist „seine Leute“ zu opfern.” Das ist ebenso brutal wie wahr, in jedem Krieg. Daran liegt es, daß viele gerne mit einer tollen Uniform herumlaufen möchten, aber nie das Zeug zum General haben, höchstens zum Sozialbeauftragten. Noch etwas ganz anderes ist es, wenn die Oberbefehlshaberin einen Angriffskrieg gegen das eigene Land führt.

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  2. Irgendwann hat man einfach keine Lust mehr. Manche geilen sich an ihrer Gier auf, mehr und mehr Geld zu scheffeln – aber in der Praxis brauchst du nicht 5 schöne Autos und 3 große Häuser.
    Auch “Chefsein” ist ein Hamsterrad, nur Aussteigen ist leichter, wenn man sich nicht in die Schuldenspirale begeben hat.

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