Sich selbst Arbeit machen zählt nicht

Oder ist es gar das Geschäftsprinzip im öffentlichen Dienst?

Der Cicero hat einen ganz netten Artikel über die Gehaltsforderungen im öffentlichen Dienst, mit dem Aufmacher nach dem Motto: Wenn die mehr Lohn kriegen, kostet uns das mehr Steuern… Tja, diese simple Argumentation ist nicht von der Hand zu weisen, aber ist sie überhaupt sinnvoll? Der Autor Herr Bok lässt mit der Unterüberschrift (mehr Anerkennung, nicht mehr Geld) schon böses ahnen. Böses in Bezug auf die Logik in seinem Artikel…

Vorneweg, ich finde Frank Bsirske macht alles richtig. Richtig für die Mitglieder seiner Gewerkschaft Verdi und richtig im Sinne des unbeirrbaren Zusteuerns auf die Klippen im Sinne von „let it burn and enjoy the decline“. Und dabei stört es mich nicht die Bohne, dass er ein Grüner ist, denn es passt wie die Faust auf’s Auge. Verdi ging ja aus der ÖTV hervor, der Gewerkschaft für öffentliche Dienste, Transport und Verkehr. Das Kennzeichnende der dort versammelten Arbeitnehmer ist nicht etwa dass sie Dienstleistungen anbieten, sondern, dass sie Dienst machen. Die Umbenennung zur Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft ist schon ein orwellscher Trick und demonstriert das Können des Politikwissenschaftlers Bsirske. Der Unterschied zwischen einer auf dem freien Markt angebotenen Dienstleistung (wie z.B. Friseur) und einer monopolistisch vom Staat angebotenen Dienstleistung (wie z.B. Eisenbahn) oder einem dem Bürger aufgezwungenen Dienst (wie z.B. Polizei, Schule oder Finanzamt), sollte eigentlich jedem klar sein.

Meiner Ansicht und bisherigen Lebenserfahrung nach, schlagen Leute eine Beamtenlaufbahn oder eine im öffentlichen Dienst ein, weil sie keine große Motivation empfinden. Meist sind sie weder besonders kreativ, noch besonders fleißig und/oder wollen ihre Arbeit nicht nach wirtschaftlichen Kriterien beurteilt wissen. Das Credo dieser Leute ist i.d.R., nicht negativ auffallen. Besonders positiv aufzufallen bringt auch meist nichts und zieht nur den Neid und die bösen Kommentare der anderen wenig Motivierten auf sich, d.h. man fällt dann negativ auf. Böse Zungen in den USA behaupten sogar, dass all die Leute, die keine Lust haben zu arbeiten, versuchen einen Job beim Staat zu ergattern.

Das Problem ist nicht, dass die Verdi Mitglieder individuell und kollektiv mehr Geld verdienen wollen. Das ist das gute Recht jedes Arbeitnehmers und sogar seine Pflicht für sich selbst und seine Familie. Die wären ja schön blöd, wenn sie sich mit weniger zufrieden gäben als sie kriegen könnten. Bsirske macht also alles richtig und er hat es auch etwas leichter, als z.B. eine Industriegewerkschaft. Seine Verhandlungspartner sind Politiker, die ein nicht unerhebliches Eigeninteresse an höheren Gehältern für Beamte und den öffentlichen Dienst haben. Die Vergütungen für Politiker orientieren sich nämlich an den Verdi Tarifabschlüssen, zumindest langfristig – nicht am Gewinn der Firma, wie bei Industrievorständen. Und das sind nicht die Einzigen. Die Verdi Tarifabschlüsse gelten zwar nicht direkt, und manchmal mit etwas Verzögerung, aber am Ende dennoch für viele andere Branchen, die damit zusammenhängen.

Herr Bok behauptet, dass der Staat doch gar kein so schlechter Arbeitgeber ist, denn der Staat zahlt nicht nur gut, verlangt (mit seltenen Ausnahmen) weder Eigenengagement noch unbezahlte Überstunden und bietet oft großzügige Regelungen für Rente und Pflichtversicherungen an. Beispielhaft verweist er auf den Berliner Grundschullehrer, der nun 5.300 EUR brutto im Monat (ca. 76% oberhalb der bundesdeutschen Durchschnittsverdienstes) erhalten soll. Ein Haufen Holz für jemanden, der Kindern im Wesentlichen nur Lesen, Schreiben und einfachste Mathematik beibringen soll. (NB: Wenn ich im Unterricht gendern müsste, oder zum Großteil allahu akbar Typen unterrichten müsste, wäre mir auch das noch viel zu wenig). Für so „läppische“ 5 Kilo brutto im Monat, muss man in der freien Wirtschaft schon Bankkaufmann mit Prokura sein, Leiter der Buchhaltung oder Ingenieur/Informatiker mit Berufserfahrung. Dort wird man täglich, monatlich, jährlich nach seinem Beitrag zum Firmengewinn evaluiert, nicht danach dass man nicht negativ auffiel.

Also, damit hat Herr Bok recht. Das Problem ist aber nicht, dass z.B. ein Lehrer gut verdient (es sei ihnen gegönnt), sondern, dass es so viele Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst, sowie noch mindestens doppelt so viele gibt, die ähnliche staatlich finanzierte Arbeiten machen. Der Staat organisiert eine riesige Umverteilung von Fleißig zu Faul, von Leuten die nach ihrer Wirtschaftsleistung beurteilt und bezahlt werden, zu Leuten die „einen Dienst tun“ oder gar nichts. Der Gesamtbetrag für den ÖD fällt vielleicht nicht so auf, im Vergleich mit den Unsummen, die über die Sozial- und Steuersysteme umverteilt werden, ist aber ursächlich für das Funktionieren der Umverteilung. Ohne den ÖD würde die große Umverteilung gar nicht klappen.

Wie oft mussten wir in letzter Zeit erfahren, eine Abschiebung, schon gar keine Massenabschiebung, konnte nicht durchgeführt werden, weil irgend ein Detail, irgend einer obskuren Verordnung widerspricht. Wie oft kommt z.B. in Berlin die Polizei nach einem Wohnungseinbruch überhaupt noch vorbei, geschweige denn ermittelt? Was macht eine Lehrerin, wenn 80% der Klasse durch die Prüfungen rasselt? Sie schreibt einfach allen eine „2“ ins Zeugnis. Was wir von der preußischen Beamtenzunft aus alten Geschichten vielleicht noch so im Hinterkopf haben, trifft schon lange nicht mehr zu. Und die einzige Reaktion auf dieses Staatsversagen ist: „Wir brauchen mehr Beamte und mehr Angestellte im ÖD, die besser bezahlt werden müssen“. Da stellt sich die Frage an den Herrn Bok wie von selbst: Brauchen die mehr Anerkennung für ihr Versagen, oder glauben Sie nicht, dass denen mehr Geld lieber ist?

Die einzigen Perpetuum Mobile, die sehr lange funktionieren sind der Zinseszins und das langsame Aufblähen der Staatsverwaltung. Beides funktioniert bis zum Bankrott. Und so lange wir mit Spielgeld bezahlen können, stellt sich der Bankrott nicht ein. Das ist die schwarze Pille zum Tage.

Alles, wirklich alles, was die Grünen und die von denen kaum noch unterscheidbare SPD politisch fordern, bedeutet am Ende: Umverteilung und Blindleistung. Deshalb heißt der Titel des Artikels – Sich selbst Arbeit machen zählt nicht. Selbst ein eingefleischter Kommunist müsste erkennen, dass hier nicht mehr Produktivkräfte am Werk sind, sondern immer mehr Schaumschläger und Blindleister. Er macht halt weiter mit, weil er an seinen Marx auch selbst schon nicht mehr glaubt. Kein Wunder, dass immer mehr Leute, die echte Dienstleistungen anbieten oder echte Produkte erarbeiten, sich inzwischen fragen, warum sie eigentlich so blöd sind überhaupt noch jeden Tag zu malochen.

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2 thoughts on “Sich selbst Arbeit machen zählt nicht

  1. 5,3k für Grundschullehrer? Bitte noch die Ferien etc. einrechnen und dann auf die Arbeitsstunde (gerne auch inkl “Vor-/Nachbereitung”) runterrechnen. Dann kommt man auf den Studensatz eines Geschäftsführers eines kleinen Unternehmens mit 10-20 Angestellten.
    Für einen Job mit NULL Verantwortung (nicht dir moralische, sondern die Verantwortung, die man übernehmen muss, wenn ein Ergebnis nicht optimal ist, also genau keine).
    Das Staatswesen schanz sich selbst die best bezahlten Posten zu, bis den anderen das Geld ausgeht.
    Gottseidank finanziere ich diesen ganzen Käse nicht mehr. Du kannst gegen das System arbeiten, oder dich in ihm hochschleimen – aber wenn es dir egal ist, wirst du ausgenutzt.

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