Eltern an die Macht

Alle finanziellen Anreize in unserer Politik gehen gegen die Familienbildung der Mittelklasse. Die Mittelklasse ist eine vorwiegend europäische Kategorie, die sich schon im Mittelalter ausprägte (Handwerker, Händler) und im Rahmen der industriellen Revolution stark anwuchs. Sie ist gekennzeichnet durch eine stark meritokratische Denkweise und Moralität. Selbst bei den Behelfssozialisten (SPD) war sie noch stark verbreitet (wer arbeitet muss mehr haben, als der der nicht arbeitet). Sozialistische Länder haben so etwas nicht. Auch in staatskapitalistischen Ländern und Staaten, die eher mafiöse Strukturen haben, ist die Mittelklasse klein oder schrumpft zusehends.

Die Mittelklasse gedeiht in Staaten, die sich in den Kapitalismus nicht selbst einmischen; d.h. wenn der Staat keine Monopole hält u/o das Wirtschaftsleben überreguliert. Der Anreiz des Staates ist, ökonomische Freiheit zu organisieren, so dass es sich lohnt zu arbeiten, zu investieren und lebenslang zu lernen. De facto ist die Existenz einer großen Mittelklasse gleichbedeutend mit der Existenz einer Meritokratie. Das eine bedingt oder ist ursächlich für das andere.

In einer meritokratischen Gesellschaft sind die Anreize für eine Familie mit Kindern gegeben. Nicht für die Armen und Nicht-Produktiven, den Reichen ist es eher egal, aber für die Mittelklasse spielt es eine große Rolle, ob sie sich eine Familie „leisten können“. Kinder zu haben – oder gar viele Kinder – muss sich für die Eltern irgendwie auszahlen. Finanziell, nicht nur emotional. Doch wir haben alles so organisiert, dass dies nicht der Fall ist. Das Resultat kann man direkt aus den Geburtenzahlen ablesen.

Es fängt schon damit an, dass die potentiellen Eltern, die jetzt so um die Mitte 20 wären, überwiegend in finanziell prekären und instabilen Situationen sind. In den USA sitzt der junge Mensch i.d.R. auf einem Studienkredit, den er über die nächsten 20 Jahre zurückzahlen muss. Selbst bei einem brauchbaren Verdienst fehlt ihm das Geld ein neues Auto zu kaufen oder ein Haus zu finanzieren. Auch in Europa, ohne dicke Studienschulden, sind übermäßig viele junge Menschen an einer Uni eingeschrieben, ohne die Aussicht jemals eine entsprechende Arbeit zu bekommen. Es sind immer häufiger 3 bis 6 verschwendete Jahre. D.h. mit Mitte 20 sitzen sie da, ohne einen Euro in der Tasche, ohne Job, oder mit einem ‘Praktikum’ bzw. prekären Job. Da denkt keiner an eine Hausfinanzierung oder an den Familienaufbau, sondern eher darum jetzt erst mal 5-10 Jahre „Karriere“ zu machen, um dem Überziehungskredit auf dem Girokonto zu entgehen. Ja, und dann ist man, ehe man sich’s versieht, schon Mitte 30, und für Frauen wird’s dann ganz schön eng mit dem Kinderkriegen.

In einer 60qm Mietkaserne einer Großstadt Kinder groß zu ziehen ist weder für die Kinder, noch für die Eltern angenehm und gut. Man muss also aufs Land oder in die Vorstadt, wo man die doppelte Wohnfläche und möglichst einen Garten hat. Doch ein Berufsanfänger bekommt keinen Hauskredit, schon gar nicht wenn er nicht 20% selbst finanzieren kann. Und selbst wenn er den Kredit dann endlich bekommt, zahlt er (selbst bei Nullzinsen) üppige Zinsen und Gebühren an eine Bank, die den Kredit aus dem Nichts schöpft. Zudem sind Immobilien, vor allem durch die Überregulierung, so teuer, dass man oft ein ganzes Berufsleben braucht um den Kredit zurück zu zahlen.

Es gibt zwar in der BRD ein Kindergeld, in anderen Ländern ähnliches, bzw. Steuergutschriften, aber das ist bei weitem nicht kostendeckend für eine Mittelklasse-Familie. Das heißt die Mittelklasse macht ein dauerndes Verlustgeschäft mit dem Staat, sobald sie Kinder produziert. Für die Armen kann es sehr oft ein gutes Geschäft sein viele Kinder zu haben, da ihnen alle Grundbedürfnisse vom Staat bezahlt werden (im Grunde aus den Taschen der Mittelschicht, die sich deshalb keine Kinder leisten können). Also schon die 18 bis 25 Jahre Kinderaufzucht lohnt sich direkt nur für die Armen, nicht für die Mittelschicht.

Ein weiterer, traditioneller finanzieller Anreiz Kinder zu haben war, dass sie die Altersvorsorge waren. Bürokratische staatliche Rentensysteme sind erst in den letzten 100 Jahren entstanden, und diese waren anfangs sehr minimalistisch ausgelegt – so dass die Alten nicht auf der Straße verhungern. Die eigenen Kinder, deren finanzieller Erfolg, deren Anzahl, ist (außer tlw. für Nur-Mütter) nicht mehr relevant für die Rentenhöhe. Ganz im Gegenteil ist derjenige, der sich vor allem um seine Karriere kümmerte, die Ausgaben für Kinder einsparte und anlegte, sehr viel besser dran, als die Mittelklasse-Eltern von 4 Kindern.

Nun ist die durchschnittliche Familie noch in einer zusätzlichen Zwickmühle. Kleine Kinder erfordern viel Zeitaufwand, anfangs vor allem von der Mutter, später von beiden Eltern. Durch die hohen Wohnkosten (und 70% Abgaben auf den Bruttoverdienst) sind aber fast alle Eltern gezwungen so viel wie möglich zu arbeiten, d.h. die Kinder in staatlichen Betreuungsinstituten abzugeben. Da fragt man sich natürlich, als Elter1 und Elter2 😛 , warum man sich wie blöde abrackert, um Kinder zu versorgen, die man 1. eh kaum sieht, und 2. von fremden Leuten gegen die Eltern aufgehetzt werden (grün-sozialistische Genderbetreuung). Die Freude an den Kindern weicht dann schnell der Krisen- und Helikopter-Elternschaft.

Bis auf die 4 Millionenstädte (Berlin, München, Hamburg, Köln) leben fast alle Deutschen in Kleinstädten bis ca. 50.000 Einwohner. Wen interessieren die Probleme der paar Millionen Großstädter wirklich? Es ist dem Gemeinwohl nicht zuträglich alles nach den Bedürfnissen der Großstädte auszurichten und die Investitionen und Infrastrukturmaßnahmen den Kleinstädten zu entziehen. Die junge deutsche Familie muss in der Lage sein ein kleines Haus in der ‘Provinz’ zu bauen, dort in der Nähe arbeiten zu können, und das zu Kosten, welche man in 10 Jahren abzahlen kann. Dazu müssen viele Regularien abgebaut werden, die das Wohnen extrem verteuert haben. Angefangen mit übertriebenen Bauland-Preisen korrupter Gemeinden, unnötig hoher Grunderwerbsteuern, Notargebühren, Maklergebühren, Wasser-, Abwasser- und Energiekosten, weiter mit Regulierungen zur Wärmedämmung und genehmigten Heizsystemen, könnte man durch einfache Streichung oder Halbierung der Kosten viel erreichen. Des weiteren ging die Geldmengenerweiterung der Zentralbanken ausschließlich in die Taschen der Banken und Großinvestoren, während dem Normalbürger die Inflation dieser Werte das Einkommen wegfrisst.

Zum anderen müsste man das ganze Familienministerium in die Tonne kloppen. Der Laden produziert seit Jahrzehnten nur Fehlanreize. Weiterhin muss sich das Rentensystem wieder daran ausrichten wie viele Kindern die Familie produziert hat, und wie produktiv diese Kinder dann sind (also, haben die ein Einkommen, oder leben die von Stütze). Mittelstand = Meritokratie. Nicht ‘Kinder an die Macht’ Herr Gröhlemeyer, sondern ‘Eltern an die Macht‘. Abwehr von zentralstaatlichen Vorgaben für Eltern, Abwehrrecht gegen links-grüne Indoktrination in Schulen, radikal lokale Selbstorganisation der Schulen durch die Leute, die das zahlen. Wer nicht nur ein Kind, welches ihm oft fremder ist als der Arbeitskollege, großzieht, sondern auch die eigenen persönlichen Rentenzahler, wird ganz andere Entscheidungen treffen.

7 thoughts on “Eltern an die Macht

  1. I read this using Google Translate. It came out pretty well.
    In addition to the welfare that the poor receive, high time preference or r-selected populations are also likely to reproduce more than the middle class simply because they do not think about the issues you raised. These might be immigrants from high time preference societies or they might be from the left-hand side of the ethnic German bell curve.

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    1. In a way you are right. The stupid reproduce more, if they are incentivized by the social system.

      Strangely (or NOT), the Turks who immigrated legally in the 60’s/70’s were not high-IQ, but high enough to pay their own travel, get a job (often in advance), fill out all the needed paperwork and keep their court-appointments, had on average just 2 kids. The newcomers lately have 5 to 7 kids, are typically low-IQ, often illiterate and get their paperwork filled out by German ‘helpers’. These don’t come for work, but for the benefits only. I wish Germany had at least the semblance of the Aussie immigration system.

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  2. Du hast ja Recht, aber du forderst eine 180°-Kehrtwende in der Sozial-, Familien- und Steuerpolitik. Da wir derzeit in einem sich selbstverstärkenden Regularium leben wird dies frühestens nach einem großen Zusammenbruch erfolgen (oder auch nicht und der so heißgeliebte Kommunismus kommt wieder, Piketty schart schon in den Startlöchern).

    Man sollte auch nicht vergessen, dass wir in Europe gerade eine Generatrion heranzüchten, die gehirngewaschen per Multitasking durch 3 Apps gleichzeitig wischen kann, aber nicht konzentriert im stillen Kämmerlein ein komplexes Projekt planen kann.

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  3. Schon Bill Clinton hat vor 20 Jahren erkannt, dass es sich aufgrund der Sozialhilfe für das Prekariat lohnt, möglichst viele Kinder in die Welt zu setzen und dem Ganzen einen (damals) monetären Riegel vorzuschieben. Er wollte, dass der Mittelstand die Kinder bekommt und nicht die doch wohl eher “Naturbelassenen”.

    Keine Ahnung, wie die Situation heute in den USA aussieht – ich sehe nur, wie es in Deutschland läuft, wo die Städte überquellen mit dicken Mamis aus Afrika nebst mindestens 3 Kindern im Schlepptau – oder all den Kopftuchträgerinnen aus den unteren sozialen Ebenen, die eine genauso hohe Fertilitätsrate haben, wie unsere länger hier lebenden Peggys und Mandys.

    Es lohnt sich genau für diese bildungsfernen Schichten eben, ein Balg neben dem anderen zu produzieren; eine ganz normale Hartz-IV-Mischkalkulation eben.

    Erwirtschaften muss die Kohle dafür eben unsere ausgepresste Mittelschicht!

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  4. Alles richtig. Das Problem mit der meritokratischen Mittelschicht ist nur eines: Sie folgen immer der Obrigkeit und den Mächtigen. Rebellion, Auflehnung und dergleichen kommen bei denen nicht vor. Das ergibt sich aus der Klassenlage: Der Arbeiter tut sich mit Seinesgleichen zusammen und streikt (manchmal). Der Ingenieur oder Buchhalter will bei seinen Vorgesetzten gut angesehen sein. Das funktioniert so lange, wie die Firma gut geführt wird und im Staat ein guter König herrscht. Leider sind die guten Könige selten. Wenn dann eine böse Königin kommt, folgen ihr alle braven und fleißigen Bürger in den Untergang – wie die Kinder dem Rattenfänger.

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