Vertrauen und Wahrheit

Die Grundpfeiler der europäischen Gesellschaften.

Warum gehst du zu deinem z.B. Gemüsehändler ohne eine Schrotflinte, ohne 3 bewaffnete Familienmitglieder, ohne deinen Anwalt oder ohne dass ein Polizist bei der Transaktion daneben stehen muss? Du gehst davon aus, dass sich der Händler „normal“ verhält. „Normal“ für Europäer ist, dass die Transaktion in 99,9999999999% aller Fälle völlig korrekt abgewickelt wird. Der Händler betrügt dich nicht, du zahlst den geforderten Betrag, du zahlst nicht mit ‘Blüten’, du bekommst das Wechselgeld, die Familie des Händlers raubt dich im verschlossenen Laden nicht aus, und du raubst die Kasse des Händlers nicht aus.

Das sind die Verhaltensweisen einer ‘high trust society‘, einer Gesellschaft welche entschieden hat, die Transaktionskosten niedrig zu halten, indem man die Wahrheit sagt und sich gegenseitig vertraut. Das selbe gilt (galt) auch für die Kosten von Gemeinschaftseigentum („commons“). Die Gesellschaft versucht es mit möglichst geringem Aufwand zu erzeugen und zu erhalten, sowie Zugang für alle Mitglieder zu schaffen.

In anderen Ländern ist das z.T. ganz anders. Viele Europäer regen sich darüber auf, dass sie im Urlaub in Thailand, der Türkei, usw. den ‘Ausländerpreis’ zahlen müssen und sie meinen die Einheimischen zahlen weniger. In wenigen Fällen haben die auch recht; der Besuch von Kulturgütern in z.B. Thailand kostet für Ausländer sehr viel mehr als für Thais. Das wird vom Staat so geregelt, da die Thais mit ihren Steuern für den Erhalt der Kulturgüter eh schon zahlen. In normalen Läden, wie z.B. 7/11 oder Supermärkten zahlen alle das selbe. Beim Händler um die Ecke ist das anders. Da zahlt nicht nur der Ausländer einen höheren Preis, sondern auch der Thai, der dem Händler unbekannt ist, der nicht zu seiner erweiterten Großfamilie gehört oder zum Freundeskreis. Wenn man als Ausländer dort häufiger einkauft und mit dem Händler das ein oder andere nette Schwätzchen hält, sinken die Preis oft drastisch. Das sind die Gepflogenheiten von tribalen Gesellschaften (Stammesgesellschaften), welche, bis auf wenige Ausnahmen außerhalb europäischer Nationen, traditionell normal sind. Man vertraut nur Leuten die man kennt, d.h. ‘low trust society‘.

In der ‘high trust society‘ vertraut man also dem gesamten Volk bei den alltäglichen Transaktionen, in einer ‘low trust society‘ traut man nur der Großfamilie. Hohes Vertrauen verringert, wie gesagt, die Transaktionskosten. Man muss nicht durch 5 verschiedene Läden latschen, bis man mal einen von seinen Mondpreisen auf einen normalen Preis heruntergehandelt hat. Man muss auch nicht erst drei zuckersüße Tees herunter schlürfen, bis der Händler einem nicht die Schrottware, sondern die gute Qualität anbietet. Lug und Trug…

Tribale Gesellschaften haben zwei Moralvorstellungen, eine gilt innerhalb der Großfamilie (in-group), die andere außerhalb (out-group). Oft gibt es noch eine abgeschwächte in-group, wie bei den Moslems oder auch Juden (wie auch bei versch. christlichen Denominationen in Europa bis vor knapp 200 Jahren) – man vertraut einem Mitglied der eigenen Religionsgemeinschaft mehr als den anderen. Lügen (nicht nur das, auch das Unterlassen die Wahrheit zu sagen), Betrügen und Stehlen, sowie Schmarotzertum sind in der in-group verpönt und werden teilweise brutal bestraft. Gegenüber der out-group ist das alles erlaubt. Auf dieser Basis ist auch verständlich, warum die Integration verschiedener europäischer Kulturen in den USA relativ gut funktionierte, die sog. „Diversity“ aber, d.h. das Durchmischen mit Leuten aus tribalistischen Gesellschaften, hat nie funktioniert. Es kann nicht funktionieren.

Was führte bei den Europäern zu diesen ‘high trust societies‘? Auch wenn ich’s ungern tue, man muss dafür wahrscheinlich der katholischen Kirche des Mittelalters Kredit einräumen. Die setzte sich ja oft brutal durch, indem Andersgläubige ausgerottet oder zur Konversion gezwungen wurden. Damit die Zwangskonvertierten nicht wieder „rückfällig“ wurden, verbot die Kirche die in tribalen Gesellschaften oft übliche ‘Cousinenheirat’, tlw. bis zum 5. oder 7. Verwandtschaftsgrad. Das führte nach wenigen Generationen zu unüberblickbaren Großfamilien, wonach das gesamte Volk im 5. Grad miteinander verwandt war. Die tribalen Gepflogenheiten, die Unterscheidungen zwischen in-group und out-group waren bald nicht mehr aufrecht zu erhalten. Man brachte dem Fremden aus dem eigenen Volk fast genauso viel Vertrauen entgegen, wie einem Familienmitglied.

Hohes Vertrauen ist allerdings an Normen gebunden, die immer wieder durchgesetzt wurden. Du darfst nicht lügen oder die Wahrheit verschweigen, nicht betrügen und stehlen, und auch nicht schmarotzen (sondern sollst ganz biblisch, im Schweiße deines Angesichts dein Brot verdienen). Diese Regeln gelten universalistisch, also gegenüber jedem, egal woher er kommt. Selbstverständlich kommt es zu einem unlösbaren Konflikt, wenn eine ‘high trust society‘ mit einer ‘low trust society‘ konfrontiert wird, wie alle europäischen Gesellschaften rund um die Welt es derzeit erfahren. Die politische Korruption der letzten 100 Jahre hat schon viel Vertrauen vernichtet, die Immigration wird jegliches Vertrauen restlos zerstören.

Das Vertrauen in die Medien ist auf einem Tiefstand und wird weiter sinken.

Das Vertrauen in Politiker ist nur noch marginal vorhanden.

Das Vertrauen in Recht und Gesetz wird täglich neu ausgehöhlt bis es zum Bürgerkrieg kommt.

Lügen und Betrügen ist bei sog. Journalisten und Politikern fast schon Normalzustand, und greift auch bei Wissenschaftlern um sich (siehe Klimadebatte), ohne dass es sanktioniert wird. Es würde mich nicht wundern, wenn Relotius inzwischen unter Pseudonym bei einem anderen Blatt arbeitet. Und Frau Beratervertrag wurde zur EU hochgelobt.

Stehlen (70% Abgabenlast) und das Schmarotzertum sind auf einem Rekordhoch, und wenn die Bestohlenen sich wehren, werden sie als ‘die Bösen’ verunglimpft – von wem? Von ‘den GutenTM‘ natürlich 😉

Die Frage nach einem libertären Staat stellt sich in sofern. Werden die hohen Transaktionskosten einer ‘low trust society‘ nur 1:1 auf einen Staat umgewälzt, der die selben Kosten verursacht, um die Regeln gegen Lug und Trug, gegen Diebstahl und Schmarotzertum durchzusetzen? Die Antwort ist: JA, wenn man die Lügner, Betrüger, Diebe und Schmarotzer nun in der Regierung sitzen hat. Der Indikator ist die 70% Abgabenlast. Ohne diesen sehr teuren Staat wären wir zumindest nicht schlechter dran, als wir derzeit mit ihm sind. Aus diesem Grund ist es ein Ziel der Libertären den Staat so klein und ‘billig’ wie möglich zu halten.

Der einzige ‘Trick’ mit dem es die europäischen Völker um die Welt geschafft haben reicher und erfolgreicher zu werden, als praktisch alle anderen, war eine ‘high trust society‘ zu bilden. Ohne die Grundpfeiler von Vertrauen und Wahrheit, ist das alles Schnee von gestern.

Bild: https://pixabay.com/vectors/truth-lies-philosophy-wisdom-2069846/

4 thoughts on “Vertrauen und Wahrheit

  1. Sehr guter Artikel, der eigentlich Pflichtlektüre sein sollte für alle treu-doof-Naiven. Mentalitäts-unterschiede und nicht nur “Rassismus” oder irgendwelche “Phobien” sind die Ursache. Deshalb clashed und crashed es auch im Gebälk und Fehlverhalten der “Neubürger” muss ständig ausgeblendet werden. Dabei ist die Ursache so simpel und einfach. Nämlich genau so, wie oben beschrieben.

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