Liebe Omas

Die Apologeten überschlagen sich immer noch, angesichts eurer Schweinigkeit, oder Nicht-Schweinigkeit, je nachdem, wer gerade um das Thema herum-eiert. Habt ihr es verdient so beleidigt zu werden, vom öffentlich rechtlichen Rundfunk auch noch? Auch noch als Umweltsau, wo ihr doch immer an vorderster Front standet, wenn es um Mülltrennung, um Anti-AKW Proteste, ums Waldsterben und so vieles mehr ging. Ja, ihr ward das, die in den 60’ern und 70’ern, die Umwelt, dritte Welt, verhungernde Neger und ach was, die ganze Welt retten wolltet. Eure Kinder und Enkel haben das nur von euch übernommen, mit denselben surrealen Argumenten. Und jetzt, 50-60 Jahre später, regt ihr euch über sowas auf? Holen eure Jugendsünden euch jetzt ein?

Ja ich weiß schon, nicht alle waren auf den Demos, nicht alle sind auf die Kulleraugen der Negerkinder von Misereor reingefallen und haben eifrig gespendet. Es war nur eine Minderheit. Die Mehrheit hat sich einfach nur raus gehalten, als wenn sie das nichts anginge. Kaum jemand konnte sich dazu durchringen die Polizisten zu unterstützen, die Bahnstreckenblockaden aufheben mussten, Sonderschichten schoben, auch mal ‘in die Fresse’ kriegten, wenn sie die Hippies dann sanft und friedlich wegtragen mussten. Niemand ist den Bischöfen auf die Zehen getreten, damit die sich um die Armen in Deutschland kümmern, anstatt um den Rest der Welt. Außer so ein bisschen Schimpfen über die Hippies und die Pfaffen ist mir jetzt nichts in Erinnerung (und natürlich F.J. Strauss).

Der Tropfen

Einige Trottel versuchen den Umweltsau-Vorfall zu verharmlosen. So nach dem Motto: regt euch doch nicht so auf, das war ein Spaß. Wenn sich der WDR deswegen entschuldigt, dann müssten die sich wegen tausend anderer Dinge täglich dauer-entschuldigen. Ihr kennt doch das mit dem „Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte“? Ja, jetzt war’s halt wieder mal so weit. Jetzt merken viele, dass sie jahrelang viel zu tolerant waren. Die Männer liesen sich in Werbespots beleidigen und in Filmen großteils als dämliche Dackel darstellen. Mütter, die sich ausschließlich um ihre Kinder kümmern wollen, in einer traditionellen Familie, wurden zur zweitklassigen Frau abgestuft (weil die erstklassige Frau natürlich Karriere macht). Irgendwelche Buchstabenmenschen kommen in die Schulen und Kindergärten, wo sie für ihre ganz speziellen Sexpraktiken Werbung machen. Und so weiter. Wenn man gegen solche kleinen Schweinereien nicht gleich und bestimmt vorgeht, dann staut sich eben mit der Zeit so ein Grummeln an, und bricht dann zu einem rein zufälligen Zeitpunkt in tosendes Gebrüll aus. Es geht bei dem Shitstorm nicht speziell um die Umweltsau, sondern und die Dauer-Dröhnung an Beleidigungen, die wir viel zu lange über uns ergehen liesen. Es ist so ein: „Jetzt ist aber genug ihr Arschlöcher!“.

Dosierte Empörung

Nun kommt auch noch so ein Medienwissenschaftler (Bernhard Pörksen) daher und meint uns belehren zu müssen, wie wir (vor allem die Alten natürlich, die weit mehr Medienerfahrung haben als dieser angebliche Wissenschaftler) uns doch bitte nur dann aufregen sollen, wenn’s wirklich wichtig ist.

[…]Die „Umweltsau-Debatte“ sei für ihn ein „Beispiel für weitgehend sinnlose, plötzlich hervorschießende Empörung, die große Gereiztheit, die dann dazu führt, dass sich am Ende des Tages alle übereinander aufregen und die Empörung über die Empörung der jeweils anderen Seite gleichsam zum kommunikativen Normalfall wird.“ […]

Warum das so ist, habe ich doch im vorigen Absatz erklärt – und um das zu erkennen muss man garnix studiert haben. So, und wer entscheidet denn jetzt was wichtig genug ist, so dass man sich politisch korrekt darüber aufregen darf? Hmmm Bernhard? Du? Die sog. Journalisten? Auch nicht? Aha, die „redaktionelle Gesellschaft“ in der

[…]jeder Einzelne in der Lage ist, zu bewerten, zu prüfen und auszusortieren. Dafür aber brauche es eine Medienerziehung, die bereits in der Schule beginnen müsse.[…]

Da haben wir ihn wieder, den Töpfchen-trainierten „neuen Menschen“. Mir kommt jedes mal das Kotzen, wenn ich so Leute höre, die den „neuen Menschen“ erschaffen wollen. Mensch Bernhard, mit so Themen geht man zu einer Nutte, die einem dann für 50 Mücken eine halbe Stunde zuhört, oder zum Psychiater. Aber das ist eines der Probleme heute, dass die Leute ihre abstrusen Phantasien in aller Öffentlichkeit ausleben wollen. Kennst du das Wort „Anstand“? Das ist was aus der ‘Antike’. Also vor 50-60 Jahren wurde das noch benutzt…heute ist es wahrscheinlich „voll Nazi“. Und falls du es nicht kennst, frag einfach mal deine Oma 😛

Also nein, der Bernhard hat keine Ahnung. Es waren früher die Journalisten, die solche Vorfälle einsortiert und aussortiert haben, um nutzlose Empörungsorgien zu verhindern. Und es sind auch heute wieder Journalisten, die das schon richtig einsortieren – allerdings arbeiten die nicht in den Mainstream-Medien, sondern in Blogs und auf YouTube. Der Einzelne hat gar keine Zeit sich so in diese Affären zu vertiefen, der hat nämlich auch noch sein eigenes Leben zu leben.

Das war nicht der letzte Streich

Es ist ein Gebot des Anstands, dass solche Beleidigungen nicht öffentlich geäußert werden. Und verdient haben es sich die Omas und Opas sicher nicht. Sie waren aber zu lasch, den Rest der Gesellschaft zu überzeugen, dass Anstandsregeln, Höflichkeit, Tischsitten, usw. zum allseitigen Wohle eingehalten werden müssen.

Die große Frage ist aber, MÜSST ihr euch das gefallen lassen

Und die Antwort heißt: JA.

Ihr könntet ja nächstes Mal, wenn die Kinder und Enkel zu Besuch sind fragen, was sie von diesem Umweltsau Lied halten. Je nach Antwort gibt’s dann Kaffee und Kuchen, oder halt nur ein Glas Wasser 😉 Kennt ihr doch noch, nennt sich Erziehung 😀 Neben dem Unterlassen die o.g. Anstandsregeln durchzusetzen, habt ihr noch viel mehr versäumt. Die Leute, die euch beleidigen, werden von euch ja bezahlt. Nicht pay-per-view, sondern pauschal über die Rundfunkgebühren. Diese Zwangsabgabe abzuschaffen, hattet ihr viele Jahrzehnte Zeit (seit 1984, das sind 36 Jahre), aber es hat euch – wie immer – nie gekümmert.

Und, müsst ihr euch auch von den jungen Leuten beleidigen lassen? Wieder JA. Denn ihr habt es ebenfalls versäumt für euch selbst vorzusorgen und seid nun abhängig von den Leuten, die arbeiten und Steuern und Sozialabgaben zahlen. Ihr könnt gar nicht anders, ihr seid zu 100% von diesem Staat abhängig. Und wenn diesem Staat es beliebt euch zur Sau zu machen, was wollt ihr denn tun? Ihr wählt ja auch seit Ewigkeiten die selben ‘Volksparteien’ die den Medienmachern sagen, wer diese Woche zu beleidigen ist. Deswegen scheren sich die Medienleute einen Dreck um eure Empörung. Ihr müsst es eh zahlen, ob ihr wollt oder nicht. Und genau deshalb machen die genau weiter so. Vielleicht etwas vorsichtiger in den nächsten Wochen, aber weiter machen die, so lange ihr den Saustall im Bundestag nicht ein für alle mal abwählt.

9 thoughts on “Liebe Omas

  1. Der Deutsche lässt sich ja gerne Alles gefallen, wie es scheint:

    Spontex Kochfeld-Blitzer Werbung 1998

    Und die Umweltsau ist ja auch nur Satire, genauso wie dieses unerträgliche Werk einer Valerie Jean Solanas (zum Glück seit 1988 tot):

    S.C.U.M. – Manifest zur Vernichtung der Männer

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  2. “Die Männer liesen sich in Werbespots beleidigen und in Filmen großteils als dämliche Dackel darstellen. Mütter, die sich ausschließlich um ihre Kinder kümmern wollen, in einer traditionellen Familie, wurden zur zweitklassigen Frau abgestuft (weil die erstklassige Frau natürlich Karriere macht).”

    Gut formuliert. Diese Karriere-Lüge finde ich immer wieder faszinierend. Ab Anfang/Mitte 30 checken dass dann im Westen auch viele Frauen, dass die “Karriere” doch nur stupide Tätigkeiten im Großraumbüro waren und man immer brav machen muss, was Chef/Chefin von einem will.

    In ärmeren Ländern wie in Südostasien tritt das, nach meinen Beobachtungen, deutlich früher ein. Oft versuchen es junge Frauen nach Schule oder Uni auch mit der “Karriere”, merken dann aber schnell, dass sie dort richtig ausgebeutet werden und oft 6 Tage die Woche 10 Stunden am Tag ackern müssen und das für einen Hungerlohn.

    Dann heißt es (verständlicherweise) “Karriere ist scheiße, ich brauche einen Mann”

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  3. “Ja, jetzt war’s halt wieder mal so weit. Jetzt merken viele, dass sie jahrelang viel zu tolerant waren …”

    Nun, die große Mehrheit ist einfach zu bequem. Zu bequem im Angestelltenverhältnis des ÖD, zu bequem auf dem Sofa, zu bequem, weil’s sie ja nicht betrifft, zu bequem, weil es draußen auf der Straße ja so kalt ist und die Antifa brüllt …

    Irgendwann wird keiner mehr übrig sein, um zu demonstrieren. Dann sind die Bequemen aber schon eingeschlafen auf dem Sofa.

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