Deutsche im Ausland – also pfffft

Freitags wird hier nicht gehüpft, dazu sind die meisten viel zu schwer und zu alt. Freitags findet hier die immer wieder sich neu konstituierende Sitzung deutschsprachiger Expats, also der Schwerenöter, die es in der sog. Heimat einfach nicht mehr aushielten, statt. Natürlich in der Stammkneipe mit Mädels die an Stangen tanzen, denn jeder von uns hat ADHD (ADHS auf deutsch); d.h. wenn einem keine passende Bemerkung im Rahmen der hoch-philosophischen Gespräche einfällt, sagt er „hat die nicht einen hübschen kleinen Arsch?“. Falls einer abwesend ist, wird eruiert, ob er einen wichtigen Grund hat (wie Krankheit, Reise, usw.) oder ob er sich inzwischen in die Riege der Gefallenen eingereiht hat. Ziemlich viele sind halt schon Mitte bis Ende 70, und da kann jeder Schnaps der letzte sein.

Gestern habe ich wohl dermaßen freiheitlich herum-gemeinert, dass sich einer der Anwesenden gezwungen sah seine Brieftasche zu öffnen. Alle dachten der zahlt jetzt eine Runde, war aber nicht. In der Plastik-Sichtasche des Portemonnaies befand sich nicht die Fotografie seiner Liebsten, seiner Kinder, kein Ausweis, auch nichts von wegen „mein Haus, mein Boot, mein Jet“, sondern eine kleine Hakenkreuzflagge in voller Pracht. Ach du Scheiße, dachte ich, der wird jetzt doch nicht auch noch den rechten Arm heben. Doch, tat er, aber um was zu bestellen 😀

Wir wollten wissen, was er ohne Reichskriegsflagge, in einem fremden Land, mit seinem Nazi-Schnipselchen uns jetzt sagen wollte. Stellt sich heraus, er ist ein Ösi – klar, was denn sonst 😉 Die demokratische Mehrheit am Tisch empfahl ihm derartige Sperenzchen in Zukunft zu unterlassen. Ich drohte ihm, nächsten Freitag das Eiserne Kreuz von meinem Ur-Opa ans verschwitzte T-shirt zu heften und dass er dann der Bedienung, die jetzt schon das 4. Kind austrägt, ein Mutterkreuz zu verleihen hat. Apropos Bedienung. Irgend einer bestellte 12 Jägermeister zur allseitigen Beruhigung der Gemüter, worauf selbige Bedienung spontan in „Verschuckelnix“ umgetauft wurde.

Der Ösi versuchte dann mit einem Witz die Stimmung wieder aufzulockern und fragte „Was ist der Unterschied zwischen einem Juden und einer Pizza?“ (wer den „Witz“ in den Kommentaren zu Ende erzählt kriegt ‘ne Dauersperre!!eins11). Am Tisch wurde nun völlig demokratisch und anti-rassistisch beschlossen, dass die Ösis eben grundsätzlich am Elend von Deutschland, und eigentlich der ganzen Welt schuld sind. Selbst die zwei Schweizer stimmten zu, obwohl sie eher darauf achteten, wer die nächste Runde Jägermeister zahlen würde, und uns noch immer gram sind, wegen Steinbrücks Kavallerie. Ich beneide die Schweizer, denn die haben eine echte Rente, nicht nur ein Rentenversprechen. Echte, direkte Demokratie führt eben zu guten und schnellen Entscheidungen, wie wir ja am Stammtisch auch wieder demonstrierten.

Der Vorteil solcher Saufgelage ist, dass man am nächsten Tag eher gegen Mittag aufwacht, dem Alter und Restalkoholpegel angemessen noch einige Stunden bettlägerig ist, sich seiner Rekonvaleszenz hingibt, und sich nur in Bruchstücken, wenn überhaupt, daran erinnern kann, welchen Blödsinn man des Abends so von sich gegeben hat. Der Ösi wird also nächsten Freitag wieder willkommen sein, auch weil sich kaum einer an den letzten Freitag erinnern kann. Außerdem hat er sich nach den demokratischen Grundsatzentscheidungen wieder gruppenkonform verhalten. Er bat eine der orientalischen Tänzerinnen von der Bühne und hat sie sich zur Brust genommen – oder sie sich ihn – wer weiß, es war ein Kuddelmuddel.

2 thoughts on “Deutsche im Ausland – also pfffft

Comments are closed.