Warum die Ränder stärker werden

Die späten 60’er, frühen 70’er brachten einen Umkehrpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung aller westlichen Länder. Die Kriegswirren waren vergessen, der Nachkriegsboom hat viele Leute wieder reich gemacht. Die Psychologie des Wiederaufbaus, an dem alle mitarbeiten und beteiligt sind, wich einer feudalistischen Ordnung der Inhaber. Die Neureichen (die manchmal die alten Reichen oder deren Kinder waren) hatten sich etabliert und wollten ihren Reichtum sichern. Die wollten endlich ihre Dividende einstreichen und nicht weiter ackern müssen.

Zwei Dinge sind maßgeblich:

  1. Um als Investor in Firmen sein Einkommen weiter zu steigern, ohne dafür arbeiten zu müssen, oder kreativ sein zu müssen, mussten die Löhne stagnieren. Durch den Pillenknick war klar, dass die Zahl der Konsumenten nicht weiter steigen wird. Aus einem Wachstumswettbewerb wird ein Verdrängungswettbewerb.
  2. Das nun frei werdende Geld, welches nicht mehr reinvestiert werden musste, war nun für andere Investitionen verfügbar. Daraus entstand der Finanzkapitalismus. Der basiert nicht auf Steigerung der Einkommen, des Reingewinns von Firmen, sondern auf Wertsteigerungen. Hohe Renditen, hohe Dividenden, kämen ja einer wachsenden Mittelschicht zugute, die selbst investiert. Das lässt sich durch Wertsteigerungen der Immobilien und Aktiengesellschaften leicht verhindern.

Mitte der 80’er, als die ältesten Babyboomer um die 40 waren, die jüngsten Boomer um die 25, begann die endgültige Vernichtung der Mittelschicht. Der Verdrängungswettbewerb hat viele kleine und mittlere Firmen vernichtet oder sie wurden von den Großen „geschluckt“. Nettolohnsteigerungen waren Vergangenheit, Nettolöhne fielen sogar. Der Arbeitsmarkt wurde zum Lotteriespiel für Neueinsteiger. Die älteren Boomer hatten ihr Haus schon gekauft, ihre Investitionen schon gemacht. Die mussten nur dabei bleiben und haben heute ihre Schäfchen im Trockenen. Die jüngsten Boomer mussten sich ran halten oder sie blieben eine besitzlose Klasse, nie Mittelschicht, sondern obere Unterschicht.

Die Verbrauchsgüter für ein Mittelklasse-Leben wurden günstiger, durch stagnierende Löhne, durch Automatisierung, durch Import. Das verleitet viele der sich nun Mittelklasse wähnenden Leute, die „gut verdienen“ und „sich doch alles leisten können“, den Konsum zu bevorzugen und das Eigentum zu ignorieren. Bis vor 1-2 Dekaden konnten die sich auch noch ein Haus kaufen, allerdings nur mit einem 30 Jahre laufenden Kredit. (Mein Hauskredit z.B. lief nur 10 Jahre, und dann war die Hütte auch abgezahlt). Inzwischen ist das nicht mehr so.

Berufseinsteiger spekulieren auf zeitlich befristete Stellen, haben mit massiver Konkurrenz zu rechnen, werden mit immer kleineren Gehältern abgespeist. Das Akkumulieren von Vermögen ist für viele nicht mehr realistisch. Man wohnt zur Miete, man finanziert sogar das neue Auto oder anderen Konsum. Das Sparkonto wird für den Urlaub geplündert. Wundert es dann, dass so viele Leute gegen Mieterhöhungen vorgehen wollen, oder sogar gegen Autos, weil sie sich das gar nicht leisten können? Fast alle nach 1980 Geborenen haben nicht mehr die Zukunftsaussicht, einmal frei, unabhängig und finanziell selbständig leben zu können. Sie haben selten ein stabiles, hohes und steigendes Einkommen. Die meisten haben ein unsicheres und sinkendes Netto-Einkommen, verschärft durch hohe Steuern und Abgaben, durch hohe Mieten. Das Wenige was übrig bleibt wird lieber für Konsum verballert.

Es werden zwei Auswege aus diesem Dilemma sichtbar.

Sozialismus

Der ist deswegen so attraktiv, weil der sozialistische Staat die einzige Sicherheit ist, die diese zwei letzten Generationen haben. Die haben eben keine eigenen Sicherheiten, keine Eigentumswohnung, kein Haus, kein Aktiendepot. Am Ende des Geldes ist oft noch viel Monat übrig. Und die Sozis wollen auch den Kapitalismus bekämpfen, also die Leute die alles besitzen, während die Wähler der rot-rot-grünen Parteien meist nichts besitzen, selbst wenn die „gut verdienen“. Aus dieser Lebenssituation heraus ist die Entscheidung für den Sozialismus zwar falsch, aber dennoch sehr verständlich.

Nationaler Konservatismus

Die meisten überzeugten Nationalisten und Konservativen (neudeutsch: die Rechten), wünschen sich die 50’er und frühen 60’er Jahre zurück. Da gab es Wachstum, kaum Arbeitslose, geringen Bedarf für Sozialprogramme, man war auf dem „Schaffe, schaffe, Häusle baue“ Trip. Leute, das ist eben 60 Jahre her, das kommt nicht wieder zurück, auch wenn man sich das wünscht. Oder wollt ihr eine Zeitschleife um die Erde fliegen, wie der völlig Bekloppte aus Hanau? Ihr bietet den Menschen, die kein Eigentum, kein Vermögen und keine sicheren Arbeitsplätze haben rein gar nichts an, was denen irgendwie weiterhelfen würde.

Vorwärts immer, rückwärts nimmer

Wird Luisman jetzt zum Sozialisten? Die Antwort ist: nimmer. Beide o.g. „Auswege“ sind rückwärts gewandt. Entweder hatten wir das schon mal und die guten Zeiten sind vorbei, oder wir hatten das schon mal und es ging überall in die Hose.

Um vorwärts zu kommen, muss man eine Besonderheit in unseren modernen Wirtschaftssystemen verstanden haben. Wie wird neues Geld generiert? Die Antwort ist: durch Banken. Die Zentralbanken spielen dabei eine unbedeutende Rolle (die bringen max. 10% des neu generierten Geldes in Umlauf). Fast alles neu „gedruckte“ Geld wird von Privatbanken in Umlauf gebracht und aus dem Nichts kreiert. Es ist wirklich aus den Nichts, denn die Banken geben ihre Kredite nicht etwa aus ihrem eigenen Kapital, oder dem Kapital ihrer Einleger, sondern erschaffen das Geld für jeden Kredit mit ihrer Entscheidung für die Kreditvergabe.

Wann macht das Sinn, also neues Geld zu erschaffen? Es macht natürlich Sinn, wenn mit diesem Geld auch materiell etwas Neues erschaffen wird. Wenn du aus Rohstoffen ein neues Haus baust, oder eine neue Maschine, könnte das Zeug ja keiner kaufen, wenn es dafür nicht auch neues Geld gibt. Es macht Sinn, weil es Deflation verhindert und ist Inflations-Neutral. Neues Geld zu erschaffen, ohne jeglichen materiellen Gegenwert, wäre aber deshalb Geldabwertung, oder Inflation. Das ist die Inflation, welche die Zentralbanken forcieren, weil es zum einen eine heimliche Steuer für den Staat ist, zum anderen das Wirtschaftswachstum fördert, und das Geld für die zu zahlenden Zinsen erschafft. Ein Bankkredit für einen immateriellen Wert oder für schon existierende Werte oder für Konsum führt zwangsläufig zu Inflation.

Ein Finanzkapitalismus, der wie ein Spielkasino funktioniert, ist deshalb nicht schädlich für die Bürger. Die Spieler bringen ihr eigenes Geld, und meistens gewinnt das Kasino. So wie im Finanzmarkt, wenn jeder sein eigenes Geld bringt, auch immer die Bank gewinnt, weil sie Gebühren einstreichen. Aber die Banken, wie jedes Unternehmen, wollen natürlich mehr Gewinn machen. Also vergeben sie Kredite für Konsum, für bereits existierende Werte und für Börsenspekulationen von reichen Individuen. Der einzige Weg dies zu rechtfertigen ist, dass alle Preise und Bewertungen unaufhörlich steigen. Allein darauf basiert der moderne Finanzkapitalismus. Auf der beabsichtigten Inflation von Grundstückspreisen, Hauspreisen und Aktienpreisen. Und das vernichtet die Mittelschicht und macht die Reichen immer reicher, ohne dass die dafür arbeiten müssen.

Die eigentliche Rolle der Zentralbanken wäre, im Sinne des Bürgers, die Kreditvergabe der Privatbanken für Konsum, existierende Werte und Spekulation massiv zu beschränken, eben um die Inflation zu begrenzen. Das tun die aber nicht. Nun haben wir ab und zu einen Crash. Der kommt nicht, weil die Häuser, Aktien, Rohstoffe auf einmal weniger wert sind, sondern weil die Kreditnehmer sich verspekuliert haben und den Kredit nicht zurückzahlen können, oft nicht mal die Zinsen für den Kredit zahlen können. Das Geld ist also genauso geisterhaft wie es erschien, nun weg. In einem Fall ist die Bank nun Eigentümer des neu geschaffenen Wertes (wie dem Haus, der Maschine, den Firmenanteilen, etc.), im anderen Fall ist die Bank Eigentümer von nichts, weil nie ein neuer Wert geschaffen wurde.

Anstatt die Banken die derartige Kredite vergeben nun pleite gehen zu lassen, bekamen sie einen „bail out“, d.h. wurden mit Krediten aus den Zentralbanken versorgt. Eigentlich führte das zu einer massiven Inflation, weil das ganze Geld wieder da ist, die entsprechenden Werte dafür aber nie da waren. Deswegen wird das Schlamassel verschleiert, durch verlogene Buchführung und sog. „bad banks“. Die ganzen faulen Kredite stehen also immer noch als Werte in den Büchern der Banken, obwohl es nie diese Werte gab. Genauso ist das mit den faulen Staatskrediten von Griechenland, Portugal, Italien, Irland, usw. Das Geld wurde wieder herbeigezaubert, die Werte sind nicht da. Würden wir das privat machen wäre es Betrug und wir ständen vor Gericht.

Der erste Schritt vorwärts wäre also, nicht die Spekulation zu verbieten, sondern die Kreditvergabe der Privatbanken ohne materiell vorhandene Sicherheiten. Ein folgender Crash würde dann zu einer lange fälligen Deflation(*1) führen. D.h. es ist weniger Geld verfügbar. Alle, nicht nur die Armen, können nicht mehr die Preise aus der vorherigen Spekulationsblase zahlen, womit die Bewertungen wieder sinken. Wenn die aufgeblasenen Bewertungen für z.B. Immobilien sinken, kann sich die Mittelschicht auch wieder Eigentum anschaffen. Die Aufgabe der Zentralbanken muss wieder sein, den Bürger vor Inflation zu schützen, nicht die Spekulanten oder Privatbanken zu retten.

Der zweite Schritt wird erheblich schwieriger. Die Deflation der Nettoeinkommen, bei gleichzeitiger Inflation der Bruttoeinkommen wieder zu korrigieren, erfordert eine Neuorientierung des parteipolitischen Wirtschaftssystems. Ursprünglich waren die Gewerkschaften dafür zuständig, die Wertsteigerungen der Firmen, den höheren Gewinn der Unternehmer, die Produktivitätssteigerungen, auch den Arbeitern zukommen zu lassen, indem sie die Unternehmen einfach dazu zwangen. Das machen die aber schon lange nicht mehr.

Die Gewerkschaften spielen Politik und verursachen den Firmen immer höhere Kosten, durch die Einführung von „bullshit jobs“. Die ganzen Compliance Beauftragten, sei es für die Finanzen, das Gender, die Frauen, die Behinderten, die Minderheiten, was auch immer, kosten die Firmen nur Geld und behindern auch noch effiziente Abläufe. Dem regulären Arbeiter bringt das gar nichts, meist nur Nachteile, und eine herrliche Begründung, warum die Löhne wieder nicht steigen können.

Zum anderen wäre es die Aufgabe der Gewerkschaften dafür zu sorgen, dass die Netto-Löhne steigen, und die Brutto-Löhne erst mal stabil bleiben. Damit würden die aber zum natürlichen Feind der Politiker, die liebend gerne Versprechungen machen, für kostenloses/verbilligtes dies und das für den Bürger. Der arbeitende Bürger, muss nun entscheiden, ob er lieber mehr Abgaben zahlt, für möglicherweise ihm nützliche Staatsprogramme, oder lieber mehr Geld in der eigenen Tasche hat. Das eine kann er über seine Gewerkschaft forcieren, das andere über seine politische Wahl. Will er lieber sein (von Inflationsblasen befreites) Haus schneller abzahlen, oder eine Pflegeversicherung zahlen müssen? Will er lieber ein Aktienpaket aufbauen, oder zahlt er lieber höhere Renten für alleinstehende Mütter?

Der wichtigste Punkt in diesem zweiten Schritt aber wäre, die Politik und insbesondere den Sozialstaat auf ein erträgliches Maß zurück zu stutzen. Und nur in diesem einzigen Punkt bin ich voll und ganz Christ, Sozialist und sogar Kommunist:

„Wer nicht arbeitet soll auch nicht essen.“ (Bibel, Paulusbriefe)

“Die Arbeit ist in der UdSSR Pflicht und eine Sache der Ehre eines jeden arbeitsfähigen Bürgers nach dem Grundsatz: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.” (Stalin)

“Wer nicht arbeitet, soll nicht essen. Und wer nicht um sein Leben kämpft, soll nicht auf dieser Erde leben. Nur dem Starken, dem Fleißigen und dem Mutigen gebührt ein Sitz hienieden.” (Der deutsche Schnauzbärtige,1925)

(*1) Ich rechne mit einer Korrektur um 70% nach unten. Deshalb geht mir auch die derzeitige Corona-Panik am Arsch vorbei.

Fazit:

Die Ränder werden stärker, weil der Normalbürger, insbesondere die jungen Berufseinsteiger, keine befriedigenden Zukunftsaussichten mehr haben. Die vorgespiegelten Lösungen lauten entweder Sozialismus oder ein wiederhergestellter Konservatismus. Beides kann nicht funktionieren, aber der Sozialismus scheint attraktiver, weil er Sicherheit und staatliche Versorgung verspricht (was er nie einhalten konnte). Die wirkliche Lösung für eine Politik der Mitte wäre, die Mittelschicht wieder gedeihen zu lassen. Dazu muss der Finanzkapitalismus mithilfe der Zentralbanken stark eingeschränkt werden, die Gewerkschaften müssen wieder ihren ursprünglichen Job machen, und die Sozialsysteme müssen stark eingeschränkt werden.

9 thoughts on “Warum die Ränder stärker werden

  1. Ich sehe noch einen Punkt. Den Wunsch nach Identität. Ob als Teutscherr oder als Muslim oder als SJW etc.
    Das bietet die individualisierte Gesellschaft des westlichen Modells eben nicht. Durch wirtschaftliche Sorgen wird das noch noch verstärkt weil die Menschen dann unbewusst nach dem Schutz des Rudels suchen.

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  2. Sehr klare und gescheite Analyse des jetzigen Ist-Zustandes. Kein Wunder kommen da utopische Weltverbesserungs- und Umverteilungs-Träume auf. Leider wird jedoch der Abgrund zwischen Ist- und Soll-Zustand immer grösser. Das erklärt teilweise den zur Zeit herrschenden Irrsinn und die Spaltungen. Ja, die Ränder werden stärker und die Mitte bricht vor unseren Augen weg. Sie lohnt sich auch kaum mehr. Leider. Dabei war eine starke Mittelschicht immer der Garant für Stabilität. In einigen Ländern in Asien hingegen wächst die Mittelschicht sehr rasch, was ein gutes Zeichen ist. Durch Virus und unkluge sozialistische Politik kann dem jedoch auch dort schnell ein Ende bereitet werden. Ungesunde Zeiten!

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  3. Rein praktisch ist die Analyse durchaus gut und richtig, aber es fehlt mir der Blick auf die grundlegende Realität hinter der Entwicklung.
    Geld ist letztlich ein Versprechen auf künftige Lieferungen von Produkten menschlicher Arbeit. Die Menge der pro Kopf und Zeiteinheit lieferbaren Produkte menschlicher Arbeit hängt von der Produktivität ab. Der wichtigste Faktor für die Produktivität ist die nach Abzug der des Energieaufwandes für die Energieproduktion und Verteilung noch verfügbare Energie, kurz Nettoenergie genannt. Dabei kommt es auf den relativen Preis und die Qualität dieser Nettoenergie an.
    Zum Besseren Verständnis lasse man sich Grafiken in http://www.freizahn.de/2019/05/zum-thema-co2-bepreisung/ auf der Zunge zergehen, die für drei verschieden energieintensive Methoden des Kühemelkens, die Auswirkung von Veränderungen des Energiepreises auf die Wertschöpfung zeigen.

    Die Produktivität und damit auch die möglichen Nettolöhne sind in Deutschland bis ca. 1970 schnell gestiegen. Seit dem wurde der Anstieg zunächst geringer, und stagniert dann zunehmend. Siehe dazu die Grafiken aus dem Vortrag von Prof. Nachtwei in http://www.freizahn.de/2019/03/ueber-rueckzuege/#die_deutsche_abstiegsgesellschaft

    Dazu kommt das Phänomen der Komplexität.
    Ausgehend von einer Gruppe von Wilden, bringt eine Steigerung der Komplexität zunächst große Produktivitätsgewinne. Komplexität verursacht aber auch Kosten. Mit der Zeit bringt jede Steigerung der Komplexität immer weniger und schließlich erreicht man einen Punkt von dem die weitere Steigerung der Komplexität mehr kostet als sie einbringt. Die Steigerung der Komplexität führt dann zu einer Reduzierung der Produktivität. Das Genderquatsch, mit den Frauenbeauftragten, der Missbrauch des Asylrechts und die Bemühungen zur “Integration” der Zuwanderer usw., sind Komplexitätskosten, die die Produktivität pro Einwohner im Mittel reduzieren.

    Die Grundlage von Krediten ist die Erwartung, dass man mit Hilfe der Kredite in Zukunft wesentlich mehr Produkten menschlicher Arbeit liefern kann, dem Kredit und die Zinsen darauf entsprechen. Kredite sind so gesehen ein Mittel zur Steigerung der Produktivität der Kreditnehmer.
    Wenn nun aber die Energie teuer oder schlechter wird und/oder wenn die Produktivität reduziert wird, weil die Steigerung der Komplexität mehr kostet als sie Einbringt, dann müssen die Zinsen negativ werden oder die Kredite fallen aus.
    Der Wohlstand der Gesamtbevölkerung wird dann auf jeden Fall sinken.

    Das Wegbrechen des Mittelstandes, die Zunahme der Unterschicht und die Zunahme der Einkommens und Vermögensunterschiede sind Indizien für ein Sinken der Produktivität und eine relative Verteuerung oder Verknappung der Nettoenergie.
    Es ist vor diesem Hintergrund interessant sich z.B. einmal alte Schlösser wie das in Versailles oder Rundale und dann Freilichtmuseen mit Bauern- und Arbeiterwohnungen früher Zeiten an zu sehen. Das ist die Richtung in die wir unterwegs sind.
    Man kann das ganz nicht verhindern, aber man könnte das inzwischen vorhandene Wissen nutzen um z.B. in der Landwirtschaft und auch in der Medizin eine sehr hohe Produktivität von wenig oder keine Energie benötigenden, auch mit wenig Komplexität nutzbaren Methoden zu steigern. Ein Beispiel ist z.B. die Entwicklung des “Zero Budget Farmings” in Indien.

    “Links” ist übrigens die Ansicht, dass genug für alle da ist, und dass es nur darauf ankommt die Verteilung zu verbessern, was dann in der Regel auch ein Steigerung der Komplexität bedeutet. “Links” ist auch feminin. Es ist das Schwelgen im Überfluss und das Bestreben diesen gerecht zu verteilen.
    “Rechts” ist die Einsicht oder Befürchtung, dass nicht mehr genug für alle da ist. “Rechts” ist daher auch eher männlich, patriarchalisch. Es ist die Verteidigung der knappen Mittel und das Streben diese zu vermehren.
    Wenn die Mittel wirklich knapper werden wird “links” zunehmend zu einer immer extremer werdenden Form des Wahnsinns.
    Wenn man etwas gegen Rechtsextremismus tun will, dann muss man dafür sorgen, dass die Verknappung der Mittel überwunden oder in Grenzen gehalten wird. Das könnte man u.a. indem man unnötige Komplexitätkosten vermeidet – wie Donald Trump das übrigens ziemlich erfolgreich tut.

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    1. Schöne Ausführungen. mich irritiert ein bisschen das Festmachen der Produktivität an “Energie” – nun ist Energie (in Watt) Arbeit (in J) pro Zeit – was wieder sehr schön mit einem üblichen Verständnis von Produktivität einhergeht.

      Bei Deiner Links/Rechts-Dichotomie – der ich weitestgehend zustimme – fällt dann halt auf, dass “Ressourcen” schlicht knapp _sind_. Das mit dem “Zero Budget Farming” klingt ja nach einer netten Idee, auch für mehr Beschäftigung – ein Bauer und ein Traktoringenieur ersetzen 50 Feldarbeiter und können sie auch durchfüttern, die 48 Arbeitslosen können in dem Beispiel aber nix bezahlen (das sozialistische Schicksal: Die haben dann auch keine Lust mehr)- und dann stellt sich die Frage, ob man für die (a) was Produktiveres zu tun findet vs – was Du eben nicht sagst – ob wir genug *Platz* für lauter Kleinbauern überhaupt *haben*. Kurz gegoogelt: haben wir auch ohne Dieselmais und Quatsch nicht – bei der aktuellen Produktivität in der landwirtschaft, die um Faktor 8 höher liegt als in “unseren” Importländern – ganz zu schweigen von Substistenzwirtschaft.

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    2. Ich halte Ihre Zuspitzung jedes Problems auf das Thema Energie fuer weitgehend verfehlt. Wie ich bereits in anderen Artikel beschrieb, sind praktisch alle Probleme, die singulaer von einer Variablen abhaengen bereits geklaert. Wir haben es nur noch mit Multivariablen-Problemen zu tun, z.T. auch mit chaotischen Systemen, die kaum vorhersagbar sind.

      Geld ist eben nicht nur ein Ding, mit einer bestimmenden Eigenschaft, es hat viele Funktionen.

      Produktivitaetssteigerung ist nicht gleich Nettolohnsteigerung (oder Brutto). Das ist in der Praxis keine lineare Funktion.

      Steigerung der Produktivitaet unter Beruecksichtigung der Komplexitaetskosten ist Alltagsgeschaeft jedes Managers. Auch das sind keine einfachen linearen Funktionen. Wer’s nicht kann ist eben kein Manager, wie z.B. vdL, die dafuer Berater braucht und von denen abgezogen wird.

      Im Prinzip kann sich jeder, selbst im Reihenhaus-Vorgarten, eine Hydrokultur mit Fischtank und einen Huehnerstall bauen, und waere damit lebenslang versorgt. Tut aber fast keiner, weil das “Geld aus der Steckdose kommt”.

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  4. Dein Wort mit der Deflation in Gottes Ohr!

    Das verträgt sich nur nicht mit der ewig verschleppten Inflation durch “Bankenrettung”, der Vergewaltigung der Idee von Zentralbanken durch Aufkäufe Klopapier-werter Staatsanleihen etc.pp.

    Ich halte es für sehr viel wahrscheinlicher, dass die aktuell (horrenden) Immobilienpreise vielmehr den “realen” Wert des Euros (auch in Kanada; Teilen der USA) ausdrücken – also, etwa 30-50% von dem, was uns vorgegaukelt wird, das er es wert wäre – d.h., das wird eher durch eine Inflation bei pseuso-Werten geregelt.

    Das geht aber nicht beliebig – unsere Politiker schreien ja gerade rum, dass Lebensmittel zu billig seien, aber das sind sie keineswegs – Ich merke vielleicht 10% Unterschied, ob ich nun in F, D, CZ, AT, GR, HU oder TR einkaufe – mit dem wichtigen Unterschied, dass in den meisten Ländern “rohe” Grundnahrungsmittel (Bäcker, Metzger, Bauer) *deutlich* billiger sind, während Convenience etwas teurer tendiert.

    Das wird nicht schön werden, bis unsere Regierung das auch mal einsieht – sollen sie doch Kuchen essen, die x-te. Es ist ja noch nicht alles kaputt, daher werden die Kommunisten daran weiterarbeiten, da sich ja dann immer ein kommunistisches Paradies einstellt – also, natürlich, außer _immer_, aber egal… – oder die ja, national-konservativen Parteien (mir fiele da jetzt eine ein) kommt mal auf die Idee, dass so eine Weile (autoritär-libertärer) Korporatismus (da schreit komischerweise jeder “Nazi”, nicht “China”) gar keine so blöde Idee ist, wenn dein neo-marxistischer (oder damals proto-kapitalistischer) Plan versagt hat.

    Das Problem an Korporatismus ist nun, dass niemand das jemals so genau definiert hat. man denke an irgendwas zwischen Deutschland 1933-1939 und (weniger) unter Ludwig Erhard oder China seit Deng Xiaoping – man denke an John Stewart Mills, grundsätzlich – Du brauchst einen starken Staat, der wenig tut.

    D.h., grundsätzlich:

    – Wie du sagst, Geld hat den Bürgern zu dienen, und zwar allen. Das ist die Rolle der Zentralbank.
    – Staats”ausgaben” dienen in der Regel, außer zu *notwenigigen* sozialen Zwecken, nicht der Umverteilung, sondern der _Investition_. D.h., wir “retten” keine Banken, wir “kaufen” sie (höchstens).
    – Gesetze und Regeln werfen wir erstmal alle weg und machen dann langsam neue und schauen, ob (a) sie was bringen und (b) die Leute das mögen, sonst (c) kommen sie wieder weg
    – Arbeit: Aufgabe #1 des Staates sollte es sein, jedem einen idealerweise _produktiven_ Job zu beschaffen. Ein Parkscheinautomat mag ja eine tolle Erfindung sein, aber für den Staat bedeutet das die Kosten für den Automaten plus die Kosten für den Arbeitslosen, den er ersetzt. Hinzu kommt ein Produktivitätsverlust bei der Mittelschicht, die sich ein auto leisten kann – wäre doch praktischer, wenn der Parkschein von alleine kommt?! Kann man Hunderte Beispiele finden. Mirwegen pflanzen die alle Bäume.
    – Soziales: Menschen sind tendenziell solidarisch mit _unschuldig_ in Not geratenen, und das umso mehr, je näher sie sich sind. Alles andere ist Kommunismus, der funktioniert nicht. Das kann man staatlich fördern – durch Steuererleichterungen. Nix eingezahlt? Pech gehabt. Mirwegen machen wir da eine Plakatkampagne draus. Rest geht Caritativ, seit es Religionen gibt.

    Etc…. der *große* Nachteil an einer so wirtschaftsorientierten Staatspolitik ist ein horrender Nepotismus und dementsprechend Korruption. Ich bezweifle allerdings, dass das im heutigen Deutschland nenneswert besser ist als in China, und hier werden die Erwischten nicht enteignet und erschossen.

    So – und alleine aufgrund von Letzterem bezweifle ich sehr stark, dass sich sowas hier durchsetzen wird; (nahezu) alle, die darüber abstimmen dürfen, haben ja nun Dreck am Stecken. Aber davon muss man ja die Hoffnung nicht aufgeben…

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    1. Deflation ist eigentlich der Naturzustand, wenn keiner etwas tut. Dann verfaellt alles. Selbst nur fuer Stagnation ist Aufwand notwendig.

      Ja klar, man kann auch die Loehne inflationieren und die Bewertungen der Investitionen fuer einige Zeit festhalten (festschreiben). Was am Ende funktionieren wird (oder nicht), sehen wir beim naechsten grossen Crash. Ein Land mit eigener Waehrung koennte auch ueber Nacht die Zinsen von nahe Null auf z.B. 8-12% festsetzen. Es gibt viele Moeglichkeiten. Aber unsere Politiker haben immer extrem viel Pech beim Denken.

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      1. Das kommt noch hinzu: wir spielen mehrdimensionales Gefangenendilemma mit zumindest 20 relevanten Mitspielern…

        Aber über den Naturzustand hab ich so noch nicht nachgedacht… Hast da schon recht; für Überleben muss man was tun, für Sterben nicht.

        Mein Menschenbild ist gerade noch eine Runde schlechter geworden 😦

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