Utopistan

Schwer atmend, vollgefressen vom Abstecher ins Tratsch-Café beim Einkaufszentrum, fett und jeden Knochen in der steifen Hüfte spürend, müht sich Erika die drei Etagen hoch zu ihrer Altbauwohnung. Treppensteigen für Deutschland! Na, wer ist jetzt der echte Patriot hier? Wenn die Einkaufstüte nur nicht so schwer wäre. Die jungen Kerle im Erdgeschoss könnten auch mal helfen, nicht nur „Hey, Oma, alles klar?“ sagen. Na ja, zumindest arbeiten die für Erikas Rente, immerhin. Oder arbeiten die überhaupt, wenn die immer zuhause sind? Egal, irgend jemand wird ja wohl arbeiten, sonst bekäme sie keine Rente.

Früher hieß Erika nur Luzifante. Als sie noch auf die Straße ging, mit Plakaten. Ach, das waren Zeiten. Der Kampf hat sich gelohnt. Wo gibt es heute noch Faschisten, na, wo? Eben. Alle weg, die verdammten Faschos. Wohl dem, der auf ein erfolgreiches Lebenswerk zurückblicken kann. Undank ist der Welten Lohn, sagte schon ihre Oma. Nicht mal die schweren Tüten trägt einer hoch, und von einem Aufzug kann sie nur träumen. Dass Katzenfutter auch immer so schwer sein muss.

Kaum hat sie die Wohnungstür aufgeschlossen, wird sie freudig miauend von ihrer Familie begrüßt. Auf diese Rabauken kann man sich wenigstens verlassen, die hauen nach einer Streicheleinheit nicht gleich wieder ab. An der Wand hinter ihrem PC mit dem großen Bildschirm hängt immer noch das alte Antifa-Plakat. Das hatte sie selbst kreiert, mit Hammer&Sichel, Marx, Mao und Che Guevara in den 4 Ecken. Was für wunderbare Zeiten waren das. Da hat sie der Kadir auch noch zwei mal die Woche richtig hergenommen, manchmal gar in den A…Ach ja, als sie dann schwanger wurde hat er sich verkrümelt. Abgetrieben, und danach war sie erst mal fertig mit den Männern. Mit blauen Haaren und dem „I’m a feminist“ T-shirt hat’s dann eh nicht mehr so geklappt.

Auf ihre berufliche Karriere kann sie voller Stolz zurückblicken. Als Studentin hat sie schon in einem Integrationszentrum gearbeitet, wo sie auch Kadir kennen lernte. Mit ihrem Bachelor in Sozialwissenschaften bekam sie bei den Grünen auch gleich ein Kreisratsmandat Die Vergütung war zwar mager, aber sie konnte endlich offiziell etwas für ihre Mitstreiter tun. Jahre später erhielt sie den Posten einer Gleichstellungsbeauftragten bei der Post für ihre Verdienste in der Lokalpolitik. Immerhin konnte sie davon lange ganz gut leben, bis sie raus geekelt wurde. Bis zur Rente hat sie sich dann eben mit Hartz VII durchgeschlagen. Da der Staat ihre Wohnung inkl. aller Nebenkosten, und neu bei Hartz VII, auch einen Urlaub pro Jahr zahlte, sowie freien Eintritt in fast jede öffentliche Einrichtung, war das praktisch nicht viel weniger Geld, nur ohne arbeiten zu müssen. Und nun mit der Grundrente für alle ist sowieso alles gleich. Immer kann sie darauf verweisen, dass sie für all diese sozialen Errungenschaften politisch mitgekämpft hat. Vorwärts immer, rückwärts nimmer!

Erika würde sich nur wünschen, dass sie nicht so oft so alleine wäre. Die jüngeren Mieter im Haus sind zwar meist freundlich, aber keiner kommt sie besuchen. Nur Petrov, der alte Russe, der ihr anfangs auch mal die Tüten hoch getragen hat. Eines Tages hat sie ihn rein gebeten und nachdem er die vielen Katzen sah, dann das wunderschöne Plakat, ging er gleich wieder. Ach, Männer, zu nichts zu gebrauchen. Nicht mal reden wollen sie.

Also macht sie jeden Abend den Fernseher an, und vor der Aktuellen Kamera spielen sie immer die Internationale. Es ist zu schön um wahr zu sein. 🙂

PS: Mir fehlt derzeit die Motivation etwas ernsthaftes zu schreiben…

6 thoughts on “Utopistan

  1. Ist doch nett, auch mal nur Nonsense zu schreiben, Luisman. Ich habe ihn gern gelesen und sehe nur einen Wermutstropfen mit etwas Wehmut:

    Es handelt sich bei Tüten-Erika leider nicht um diese “IM Erika”, auch bezeichnet als die “Fette Qualle aus der Uckermark”. Dieser unförmigen Ungestalt würde ich im Übrigen auch 30 Etagen ohne jeden Lift gönnen – inklusive vieler Neger, die sich nicht für ihre Tüten interessieren, sonder von hinten nur für das, was man woanders mal einen Podex nannte.

    Aber, um diese Illusion haben zu dürfen, fehlte dem dummen Wähler wohl zumeist und nun schon seit über einem Jahrzehnt der Wehrmut un IQ …

    Liked by 2 people

  2. Solche Lebensläufe sind vom Staat anscheinend gewünscht. Für die Frau bleibt dann nur noch der Konsum, wenn kein soziales Umfeld mehr vorhanden ist.
    Hättest das Zauberwort “Karriere” noch einbauen können, das ist ja das erklärte Lebensziel der westlichen Frauen heute.

    Liked by 2 people

  3. Haha, Klasse geschrieben. (Daneben gibt’s noch die Sorte von Salonkommunisten, die mit dem reichen Papa, die jetzt in der Oberschicht leben. Diese Schizos freuen sich auch noch im Foyer der Frankfurter Oper ueber die vielen Einwanderer…)

    Liked by 1 person

Comments are closed.