Argumente gegen die Demokratie

Ich bediene mich im Wesentlichen eines alten Moldbug Artikels von 2007.

Zehn Pillen über die Demokratie. Wähle selbst aus, ob du die blaue oder rote Pille schlucken willst. Du darfst auch mischen (aber Vorsicht, dann wirst du lila 😛 )

1. Pille: Frieden, Wohlstand und Freiheit

blaue Pille:

Die Demokratie ist verantwortlich für den gegenwärtigen Zustand von Frieden, Wohlstand und Freiheit in den USA, Europa und Japan.

rote Pille:

Die Rechtsstaatlichkeit ist verantwortlich für den gegenwärtigen Zustand von Frieden, Wohlstand und Freiheit in den USA, Europa und Japan.

2. Pille: Demokratie, Freiheit und Recht

blaue Pille:

Demokratie ist untrennbar mit Freiheit und Recht verbunden.

rote Pille:

Demokratie ist bestenfalls Sand im Getriebe von Freiheit und Recht. Im schlimmsten Fall schließt sie sie ganz aus, wie z.B. im Irak.

3. Pille: Faschismus und Kommunismus

blaue Pille:

Die Katastrophen des Faschismus und Kommunismus zeigen, wie wichtig die repräsentative Demokratie ist.

rote Pille:

Faschismus und Kommunismus sind am besten als Formen der Demokratie zu verstehen. Der Unterschied zwischen Einparteien- und Mehrparteiendemokratie ist wie der Unterschied zwischen einem bösartigen und einem gutartigen Tumor.

4. Pille: Die Wesensart des Staates

blaue Pille:

Der Staat wird von den Bürgern gegründet, um ihre Bedürfnisse zu befriedigen. Seine Handlungen sind im Allgemeinen rechtschaffen.

rote Pille:

Der Staat ist nur ein weiteres riesiges Unternehmen. Sein Handeln dient im Allgemeinen seinen eigenen Interessen. Manchmal decken sich diese Interessen mit unseren, manchmal nicht.

5. Pille: Die Machtstruktur des Westens (der Weißen)

blaue Pille:

Die Macht im Westen wird von der Bevölkerung gehalten, die sie vor korrupten Politikern und Konzernen schützen muss.

rote Pille:

Die Macht im Westen wird vom öffentlichen Dienst, d.h. den fest angestellten Mitarbeitern des Staates, gehalten. In jedem Kampf zwischen dem öffentlichen Dienst und Politikern oder Unternehmen gewinnt der öffentliche Dienst.

6. Pille: Das Ausmaß des Staates

blaue Pille:

Der Staat besteht aus gewählten Amtsträgern und deren Beauftragten.

rote Pille:

Der Staat besteht aus all jenen, deren Interessen mit dem Staat in Einklang stehen. Dazu gehören NGOs, Universitäten und die Medien, deren Mitarbeiter allesamt effektiv Beamte sind und sich in fast allen Konflikten auf die Seite des öffentlichen Dienstes stellen.

7. Pille: Die rechte Gefahr

blaue Pille:

Rechte Politiker und die ignoranten Massen, die sie unterstützen, sind eine Gefahr für die Demokratie. Ihnen muss Einhalt geboten werden.

rote Pille:

Rechte Politiker sind ein klassisches demokratisches Phänomen. Innenpolitisch haben sie wenig Macht und sind meist harmlos. Ihre internationalen Abenteuer sind destruktiv, aber sie sind unausweichliche Folgen der Demokratie selbst.

8. Pille: Demokratie und unparteiische Regierung

blaue Pille:
Wahre Demokratie ist nicht nur die Herrschaft von Politikern. Für den Erfolg einer Demokratie ist ein unparteiischer Entscheidungsprozess unerlässlich. Beamte, insbesondere Richter, müssen von der Politik isoliert werden, sonst werden sie korrupt.

rote Pille:
Demokratie ist Politik. Jede andere Definition ist orweillianisch. Das Fehlen von Politik ist das Fehlen von Demokratie, und eine unpolitische Regierung im öffentlichen Dienst ist in der Tat besser als Demokratie. Aber das ist ein niedriger Standard, den es zu übertreffen gilt.

9. Pille: Geschichte der Regierungen im Westen

blaue Pille:
Das gegenwärtige System der westlichen Regierung ist das Ergebnis der Anpassung des klassischen Liberalismus des 19. Jahrhunderts an die komplexe moderne Welt.

rote Pille:
Westliche Regierungen sind heute Klone der quasi-demokratischen Sozialdemokratie, dessen beste moderne Vergleiche Führer wie Mubarak, Putin oder Suharto sind. Ihr Ursprung war die Progressive Bewegung, die den klassischen Liberalismus zerschlug und dann klagte, dass er nicht funktioniere.

10. Pille: Die Zukunft der westlichen Regierungen

blaue Pille:
Die westliche Welt bewegt sich auf einen globalisierten, transnationalen freien Markt zu, in dem Politik zunehmend irrelevant wird und technokratische Experten und NGOs eine größere Rolle bei der Korruptionsbekämpfung, beim Umweltschutz und bei der Bereitstellung wesentlicher öffentlicher Dienstleistungen spielen.

rote Pille:
Der öffentliche Dienst funktioniert anfangs gut, aber er wird degradiert. Ihre Grenze, wenn die Zeit sich der Unendlichkeit nähert, ist der sklerotische Breschnewismus. Seine Rechtfertigung für das Regieren ist untrennbar mit der Demokratie verbunden, die mystischer Unsinn ist und bald verschwinden wird. Eine Regierung kann nicht überleben ohne das Medien- und Bildungssystem auf seiner Seite. Mit dem Internet kann dies jedoch umgangen werden. Auch ihr Finanzsystem ist ein Chaos und könnte jeden Moment zusammenbrechen. Mal sehen, wie lange es noch hält.

Kleiner Ratschlag bevor Ihr losdonnert: Erst genau lesen, dann darüber nachdenken, dann den aggressiven Kommentar schreiben!

Noch’n Tip: Mit wem müsst ihr euch täglich herumschlagen, wenn ihr etwas tun wollt, bei dem „der Staat“ seinen Daumen drauf hat? Mit einem Politiker oder mit einem Beamten, bzw. Angestellten im öffentlichen Dienst?

8 thoughts on “Argumente gegen die Demokratie

    1. It’s a cliffhanger, followed by the next article which clears some of it up and ends in another cliffhanger 🙂

      But afaik, Moldbug ended his 1st blog with a view of Cameralism used in a patchwork of smaller states, like city states, for example Singapore.

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    1. Man kann es durchaus so interpretieren, d.h. der Staat agiert aehnlich wie ein Grosskonzern. Er zieht einen Anteil am Gewinn der Subunternehmen ab (Steuern). Er agiert auch marktwirtschaftlich in dem Sinne, dass er den Subunternehmen rechtliche Stabilitaet verspricht, so dass die nicht in ein anderes Staatsunternehmen (z.B. Irland, Schweiz, usw.) auswandern. Er kann die Subunternehmen nur nicht selbst veraeussern, es aber ggf. verhindern.

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      1. “kann” man natürlich. Man kann auch die Mafia als Hobbes minimal notwendigen Leviathan sehen.

        Der Staat kann dich aber einsperren, eine Mauer bauen, erschießen – ähnlich die Mafia, nur *weniger* hart.

        Unternehmen können gegenüber Dir, als Individuum, nur betteln.

        Freilich ist das eine schwierige und kaum vermeidbare Grenze, aber ganz ehrlich: wären Staaten Unternehmen, glaube ich nicht, dass die Welt schlechter würde. (Eine “Pacta
        Sunt Servanda” – Instanz vorausgesetzt; die wollen aber nun alle….)

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        1. Ja klar, beides sind Sichtweisen oder Teilaspekte, die ich auch schon im Blog ansprach. Moldbug’s Vorstellung von einer ‘NWO’ ist, dass es quasi-monarchistische Kleinstaaten gibt, mit klaren unveraenderbaren Regeln, einer kameralistischen Verwaltung, und der Moeglichkeit fuer jedes Individuum den Saustall zu verlassen und sich woanders einzukaufen.

          Derzeit leben wir ja alle in ‘Hotel California’ : you can check-out any time you like, but you can never leave.

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