Die Küchentisch-Psychologisierung des Anderen

Nachdem ich das Gespräch zwischen Boris Reitschuster und Dieter Dehm angesehen hatte, und Dehm mit seinen über 70 Jahren sagte, die Muster hat er alle schon mal gesehen, dachte ich, ja ja, geht mir auch so.

In meiner aktiven Zeit als deutscher Steuersklave habe ich an vielen ‘business strategy meetings’ teilgenommen. Erst mal geht es um überprüfbare Fakten, die Interpretationen dieser, und irgendwann schwenkt das Gespräch meist um in die Psychologisierung des Mitbewerbers im Markt. Man spekuliert, wie sich der böse böse Gegner im Markt wohl demnächst positionieren wird, welche Strategien er verfolgen wird und wie er auf unsere Aktionen reagieren wird. Je mehr Machiavelli gelesen wurde, desto abstruser werden die Befürchtungen. Hinten runter fällt oft, wie man selbst eigentlich dauerhaft Geld verdienen und wachsen will.

Dehm, den ich aus der Musikbranche mal kannte, ist m.A. ein klarer Denker, und leider bei einer Partei, die ich unakzeptabel finde. Aber ich kann den Argumenten von Lafontaine und seiner Frau Wagenknecht auch viel abgewinnen, insbesondere, weil sie immer wieder der Idee der individuellen Freiheit Tribut zollen, obwohl sie Linke sind. Und ich kann inzwischen auch besser nachvollziehen, warum Lafontaine aus der tiefenkorrupten Wischi-Waschi SPD austreten musste, um seine Grundüberzeugungen zu bewahren.

In meinen ersten Führungspositionen und meiner noch grenzenlosen Naivität, dachte ich, dass Meritokratie eine entscheidende Rolle bei der Besetzung dieser Positionen spielt. Und ich dachte, dass Meritokratie bedeutet, dass man etwas fachlich besser kann, als andere. Das mag für Kleinbetriebe noch eher gelten, für Großbetriebe ist das schlicht und einfach falsch. In Großbetrieben ist jede Führungskraft ein Machtpolitiker. Dieses Prinzip ist unumstößlich, weshalb ich nach vielen Jahren mich dazu entschied, dass es einfach zu ekelhaft ist, dieses Spiel weiter mitzuspielen. Der einzige meritokratische Faktor ist, wie gut man seine Mitarbeiter, Kollegen und Vorgesetzten manipulieren kann.

Wer das nicht nachvollziehen kann, kann sich gerne die Fernsehserie ‘Stromberg’ oder die britische Variante „The Office“ noch mal reinziehen. Das ist zwar ‘Comedy’ und stark überspitzt, sowie zeitlich gerafft, aber wir könnten darüber nicht so herzlich lachen, wenn wir es nicht täglich selbst so erlebten.

Reitschuster war lange Jahre in Russland und fühlt sich mit den Russen verbunden. Er ist überzeugt, dass das russische ‘Fußvolk’ von seiner Führung nur verarscht wird, und eine ehrliche, bessere Führung verdient. Ach, der arme Idealist Boris. Ich lebe nun schon lange in den Philippinen, und denke auch, dass die Filipinos eine bessere politische Klasse verdienen. Und meine Leser und ich glauben, dass es für Deutschland ganz genau so ist.

Was soll ich sagen. Pech gehabt. Die Realität ist, dass Führungspersonen vor allem Experten in Manipulation sein müssen, sonst kommen sie nie in diese Positionen. Jetzt mach mal eine Minute Pause beim Lesen und reflektiere das.

Pause.

Reflektiere.

Immer noch Pause.

Putin der Bekloppte

Ich kann es kaum noch ertragen, wie oft Putin als komplett Verrückter, als Geistesgestörter in den Medien charakterisiert wird. Ich hatte mal ein Führungsseminar mit einem professionellen Psychologen, der uns einen kurzen Test machen lies. Neben vielen eher harmlosen Multiple Choice Fragen gab es einige, die, wie wir später heraus fanden, wirklich zählen. So Fragen im Spektrum, ob wir Schmarotzer internieren würden, ob wir Juden eher ablehnend begegnen, oder wie wir Schwarze als Produktivkräfte einschätzen (hier entschärft formuliert). Uns wurde klar gemacht, dass die Spitzen-Führungskräfte, die extremsten Positionen in diesen Fragen einnehmen (in beiden Richtungen). Es erstaunt mich daher nicht so sehr, wenn Firmenvorstände heute derart seltsame Entscheidungen treffen und Positionen einnehmen (Frauenquoten, LGBT Quoten, marxistische Aussagen, etc.). Wenn man Bezos, Elon Musk, Bill Gates usw. zuhört, denkt man manchmal, man hat es mit Bekloppten zu tun, und wie zum Teufel die es zum Firmeneigner/-vorstand geschafft haben.

Nun, ich wurde selbst auch nicht davor verschont, mit meiner ganz unzeitgemäßen Affinität zum Monarchismus.

Aus meiner pseudointellektuellen Sicht kann sich die einfache Seele des Boris Reitschuster so etwas gar nicht rational erklären. Und er ist da nicht alleine. Die meisten Leute können sich das gar nicht vorstellen. Und dann setzt man die Küchenpsychologie ein, um sich etwas erklären (rationalisieren) zu können. Putin, Bezos, Musk, Gates uva. müssen einfach verrückt sein. Kein normaler Mensch, den man kennt, denkt so. Und so glaubt man auch, dass arabische Selbstmordattentäter, Vergewaltiger, Messerstecher usw. völlig bekloppt sein müssen, und das steht auch noch so in den Medien, geschrieben von Leuten, die sich auch keine andere Erklärung vorstellen können (Konformitätsdruck mal ausgenommen).

Das ist ein Grund, warum ich mal den VHIQ Artikel schrieb, im Bewusstsein, dass ihn die Wenigsten wirklich verstehen würden. Es gibt Leute, die Dinge in Sekunden können, und die für „normale“ Leute wie Außerirdische oder „Zauberer“ erscheinen. Genauso gibt es Machtmenschen, die intuitiv verstehen, wie sie andere Leute schnell manipulieren können (für mich ist das meist mühsame Arbeit).

Also, aus meiner Sicht ist Putin kein Bekloppter, sondern ein Machtmensch, der intuitiv erkennt, wie man seine eigene Macht erhält und andere schnell manipuliert. Es gibt m.A. keinen Grund den zu psychologisieren, wie Reitschuster das versucht. Putin ist Reitschuster einfach zig-tausendfach überlegen, im Bereich Manipulation. Dehm kann das intuitiv einfacher verstehen, was auch ein Grund ist, warum er Politiker wurde.

Zurück zu den beobachtbaren Fakten

Man kann beobachten, dass die russische Militärführung, auf Anleitung Putins, möglichst viele Zivilisten in der Ukraine verschonen will. Flüchtlingskonvois werden nicht beschossen. Die Großstädte werden meist nur isoliert, aber nicht mit Artillerie und Raketen vernichtet (wie z.B. Dresden), und sogar den regulären ukrainischen Truppen wird der Abzug ermöglicht (mit Ausnahme der „Nazi“-Brigaden).

All dem wird in den ‘Westmedien’ natürlich widersprochen und es gibt Gegenpropaganda, zur Manipulation der westlichen Bevölkerung. Die Ukraine hat überhaupt keine Chance den militärischen Konflikt zu gewinnen. Russland hat nur einen kleinen Teil seiner militärischen Stärke ausgespielt. Die Ukraine kann bestenfalls im westlich gesonnenen Teil den Partisanen-Krieg, gegen den kein Regime gewinnen kann (siehe Afghanistan), aufrecht erhalten.

Also, sehen wir der Realität ins Auge. Russland wird keine militärische Bedrohung in unmittelbarer Nähe zu Moskau hinnehmen. Nie. Niemals. Die Eroberungsversuche von Napoleon und Hitler sind in das geschichtliche Immunsystem der Russen eingeprägt. Die brüske Ablehnung der NATO einer Integration von Russland ist jüngste Geschichte. M.A. ist das das Ergebnis US-Amerikanischer Überschätzung der eigenen Stärke.

Nach meiner Einschätzung wird die Etablierung einer zirkumpolaren Zivilisation nun um mindestens 2-3 Generationen verschoben. Leider. Es wäre besser gelungen, wenn die US-Amerikaner den Ansinnen von Putin gefolgt wären. Aber ich kenne die grenzenlose Arroganz der amerikanischen Bürokratie aus der Zeit, als ich die BRD in internationalen Gremien vertrat. Der andauernde Konflikt zwischen den ‘Weißen’ ist kaum erträglich, wenn man erkennt, das sie die dominante Kultur der Erde sind, oder wahrscheinlich bald waren.

Exekutive Entscheidungen

Putin hat eine exekutive Entscheidung getroffen, als demokratisch gewählter Führer der Russen. Die ukrainische Regierung war seit Jahren und ist auch heute nicht in der Lage eigenständige exekutive Entscheidungen zu treffen, ohne in Washington vorher um Erlaubnis zu bitten. Den vielen kleinen Ländern der EU geht es ähnlich, weil man nie dazu bereit war den Preis für die Freiheit zu bezahlen. Der Preis ist u.a. eine nie mehr rückgängig zu machende europäische Armee mit mindestens 1 Million aktiver Soldaten und modernster Ausrüstung, zuzüglich 30-50% militärischer Hilfsdienste. Das ergäbe m.E. sogar eine Einsparung im Vergleich zur heutigen verzettelten Militärpolitik in Europa. Wenn die EU Länder dazu nicht in der Lage sind, sollte man den Clown-Verein wieder auflösen. Man will sich wohl die Option offen halten, sich gegenseitig in Europa doch mal wieder zu bekriegen. Eine EU-Armee würde diese Option endgültig vom Tisch fegen. Das ergäbe zwangsläufig eine EUdSSR oder die ‘Vereinigten Staaten von Europa’, in denen man es besser machen kann, und nur die Regierungsgeschäfte zentralisiert, die man zentralisieren muss, und all das, was die EU Kommission heute macht für illegal erklärt.

China und Indien leisten sich jeweils über 2 Millionen aktive Soldaten, um sich verteidigen zu können. Die müssen keine Angst vor den Russen oder Amerikanern haben.

Die napoleonische Exekutiventscheidung der USA kann ich nachvollziehen: Störe niemals den Feind, wenn er dabei ist, sich selbst zu zerstören. Die Versuche den Ukrainern mehr Kriegsgerät zu geben, um für noch mehr tote Ukrainer und Russen zu sorgen, das Anheizen des Konflikts, um Russland wirtschaftlich zu schaden, und viele andere kalte Krieg Entscheidungen sind ekelhaft und grausam. Aber sie sind nützlich für die amerikanische Strategie, der langfristigen Unterwerfung Russlands.

Wer sich an die Spitze von Institutionen oder großen Firmen durchschlägt, nimmt meist soziale Extrempositionen ein. Anders kann man die brutale Grausamkeit, mit der Exekutiventscheidungen getroffen werden müssen, innerlich kaum aushalten.

6 thoughts on “Die Küchentisch-Psychologisierung des Anderen

  1. Ich kann dir nur bedingt folgen. Ich glaube eher Putin hat sich verzockt und seiner eigenen Propaganda geglaubt. Stärke zu zeigen sieht jedenfalls anders aus. Bislang haben ja alle geglaubt die Ukraine fällt in einer Woche, aber bislang ist davon nichts zu sehen. Die Russische Kampfkraft ist unterirdisch und deren logistische Probleme treten offen zutage. Außerhalb ihres eigenen Einflussbereiches sind die nicht in der Lage zu agieren. Wie wollen die unter diesen Gesichtspunkten jemals die Westukraine unter Kontrolle bringen. Zudem geht es seitens der Ukraine erst richtig los, da jetzt Material reinkommt. Da bin ich ja jetzt schon gespannt wie all das moderne russische Gerät sich auf europäischen Boden so schlägt.
    Unabhängig davon ist fraglich inwieweit dem alle Informationen geliefert werden oder seine Generäle ihm nicht die wahre Lage erklären. Um sein Gesicht zu wahren macht der einen Deal oder die Mafiabosse in Moskau haben in 12 Wochen die Schnauze voll und schmeißen ihn in die Gosse.
    Unabhängig davon kann man mal die Frage stellen was die EU und Deutschland draus gelernt haben. Sollte der Konflikt morgen gelöst werden vermutlich nichts. Sollte es etwas länger dauern besteht die Möglichkeit zumindestens ein paar grobe Änderungen hinzubekommen. An eine europäische Armee glaubt doch hier niemand. Unter welcher Ägide soll denn die laufen. Die Franzosen wollen soetwas anführen, immerhin sind sie Nuklearmacht. Ansonsten stehen sie aber wirtschaftlich noch schlechter als Deutschland da. Und unter der Ägide Deutschland würde die Amis, die Franzosen und die Polen es nicht zulassen. Da haben WKI und WKII zuviele Traumata hinterlassen. Und in Deutschland wirst du die Leute dafür auch nicht begeistern. Erstaunt bin ich über die vielen echten Putinversteher die jeden RT—Schrott ungefragt aufnehmen. Schaue dir doch den ukrainekonflikt an, da wird doch bei den Amis erstmal nachgefragt. Und schaue dir an, dass die Amis die Deutschen im Oktober letzten Jahres darüber aufgeklärt haben, dass die Russen planen in die Ukraine einzumarschieren. Und jetzt haben alle die Hosen runter. Die einzigen sind die Ukrainer die ihr Land verteidigen, die aber anscheinend auch nicht geglaubt haben, dass die Russen es ernst meinen.

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  2. Wieder ein Stellvertreter-Krieg mehr. Seit dem 2. Weltkrieg werden nur noch Stellvertreter-Kriege geführt. Die Zivilbevölkerung leidet doppelt. Die Nato und die USA haben überall ihre Finger drin und provozieren Kriege wo sie nur können. Putin ist sicher auch kein Chorknabe, aber man sollte immer beide Seiten anschauen und hinter die aufgestellten Kulissen blicken. Klar ist nur, dass in jedem Krieg wieder einmal die Bevölkerung den grössten Blutzoll zu zahlen hat. Ausserdem hängt über uns allen das Damoklesschwert der technokratischen NWO und den globalistischen Kontrollfreaks, wie Klaus Schwab und seinen Kohorten. Zerfall wohin man schaut.

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  3. Bezüglich der besonderen Manipulativen Fähigkeiten von Führungskräften in Großkonzernen und Regierung, kann ich dir zu 100% nur Zustimmen und zwar aus eigener Erfahrung aus 2 Praktikas als Informatiker sowohl im Mittelständischen Betrieb und im Großkonzern. Beim Mittelständischen Betrieb waren wirklich noch echte Unternehmer am Werk und der Tag wurde produktiv genutzt und ich habe wirklich was dazu gelernt und fachlich waren alle sehr kompetent und es wurde nicht gegeneinander gestochen, die Bezahlung war dafür schlechter als beim Großkonzern dafür war die Stelle geistig fordernder und ich habe mehr gelernt. Beim Großkonzern hingegen wurde sich vorallem nur noch verwaltet und von 8 täglichen Stunden Arbeit musste ich vielleicht 2 wirklich arbeiten 😅. Mein Vorgesetzter als Bereichsleiter und Studierter Informatiker hätte mir doch eigentlich fachlich um einiges voraus sein müssen, was jedoch absolut nicht der Fall der konnte noch nicht mal eine Zeile C# Code schreiben, aber eins konnte er mehr als gut Leuten das Worte im Munde herumdrehen und manipulieren was das Zeug hält, dort hab ich das dann auch gelernt wie man gewisse Sachverhalte schön umformuliert und das eine sagt aber das andere meint eben genauso wie Politiker 🙂. Fazit von dem Praktikum wenig Arbeit gehabt, manipulieren gelernt und noch als Praktikant hervorragend verdient 😀.

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