Liberalismus und die Überprüfung der sogenannten Aufklärung

Oder: das materielle und das innere Leben

Erst mal will ich den Zahn ziehen, der die Kommunisten als Linke darstellt, und die Nazis als Rechte. Verschiedene Leute haben das schon ausgearbeitet. Es wird weiterhin verschleiert, das Nazis National-Sozialisten waren, und der Faschismus eine wirksame Vereinigung der Regierung mit den großen Firmen darstellte, der eine Klassenunterscheidung zwischen quasi-aristokratischen Unternehmern und sog. Werktätigen forcierte. Und ich will erst mal erläutern, warum das auch in einem kapitalistischen Kontext Sinn macht.

Es gibt unzählige psychologische Untersuchungen, mit denen man Menschen z.B. in zwei Gruppen unterscheiden kann. Leute, denen viel mehr an Sicherheit gelegen ist und Leute, die Unsicherheit als Chance begreifen, die Freiheit als unternehmerische Freiheit verstehen. Ich weiß, das ist nur EINE mögliche Unterscheidung, es gibt viele andere Möglichkeiten der Gruppierung. Aber das ist m.A, eine wichtige Unterscheidung in Bezug auf die Wirtschaftssysteme, in denen wir uns bewegen. Wir wissen auch, dass Frauen viel mehr an Sicherheit gelegen ist, und Männer eher die Chancen der Unsicherheit ergreifen. Das ist kein traditionelles patriarchalisches Weltbild, sondern ererbte Biologie. Und wer es als Biologismus bezeichnet, will die Realität einfach nicht wahrhaben. Wenn die meisten Unternehmensgründer Männer sind, ist das nicht ein Ergebnis von Unterdrückung oder Diskriminierung, sondern Normalität auf Basis unserer psychologischen Grundausstattung.

Extrem rechts ist nicht ethnischer Nationalismus, nicht die Unterdrückung von Minderheiten, Frauen, Kindern, Rassen, Minderbegabten, uvm., sondern die ungezügelte Freiheit von (vor allem großen) Unternehmen. Extrem rechts ist die Ansicht, dass sehr erfolgreiche Unternehmer eine neue aristokratische, unantastbare Elite darstellen sollen. Und extrem rechts ist der Faschismus (im Unterschied zum National-Sozialismus), der die Dominanz der Unternehmer durch eine Regierung/Bürokratie sichert. Das ist m.A. die sinnvollste Definition des heute vorherrschenden Neo-Liberalismus: Faschismus im neuen Gewand.

Es gibt also keinen Grund vor sogenannten Nazis Angst zu haben, vor allem weil es Neo-Nazis kaum noch gibt, und die Wenigen praktisch keinen Zuspruch haben. Es gibt aber guten Grund vor den Faschisten Angst zu haben. Denn das sind die Eigentümer und Chefs der großen Mega-Firmen, wie z.B. Pfizer, Microsoft, Apple, Amazon, allen großen Banken, und deren chinesischen/internationalen Äquivalenten.

Liberalismus ist das Versprechen von Freiheit?

Was der sogenannte ‘klassische Liberalismus’ von John Locke klärt, ist kein Versprechen, sondern eine Definition der Grundbedingungen für einen modernen Staat. Der Staat soll für die äußere und innere Sicherheit sorgen, die Gesetze, insbesondere für die körperliche und eigentumsrechtliche Autonomie der Bürger sicherstellen. Ansonsten hat laut Locke dieser Staat keine Existenzberechtigung. Ein Staat der das nicht erfüllt, ist schlechter, als eine mittelalterliche Monarchie oder Aristokratie, bzw. ein Gottesstaat. Mit Demokratie hat das nichts zu tun, sondern mit Rechten und Pflichten der Bürger UND des Staates. Es ermöglicht jedem Bürger, in den Grenzen seiner individuellen Fähigkeiten, als Arbeiter/Angestellter/Bürokrat, oder als Kleinunternehmer, als mittelständischer Unternehmer oder als Großunternehmer tätig zu sein. Es ist die Definition von Freiheit im Rahmen einer Meritokratie, anstatt im Rahmen der Willkür einer Aristokratie, Monarchie oder des Klerus.

Doch was wir bekommen haben ist nicht den klassischen Liberalismus, sondern den Neo-Liberalismus. Dieser macht Versprechungen. Nämlich, dass z.B. der Reichtum der großen Unternehmen langsam herunter träufelt, auf die Arbeiterklasse, wenn diese Arbeiter die Klappe halten und einfach mitmachen. Wie das funktioniert sehen wir derzeit. Erst mal werden die Lebenshaltungskosten erhöht. Dies geschah vorwiegend über die Mieten und die Preise für Wohneigentum. Vermietung ist nun mal eine sehr einfache Methode, leistungsloses Einkommen zu erzielen, auch wenn es i.d.R. nicht an die Profite von Unternehmen oder Aktienspekulanten heranreicht. Des weiteren erhebt man immer höhere Steuern und Zölle. Immer stellte sich aber eine allgemeine Inflation ein, auf die man mit mehr Herunter-Träufeln reagieren muss. Das ist kein grundsätzliches Problem. 2-3% Inflation ist einfach beherrschbar, aber 7-8% Inflation ist doch ein wirkliches Problem, wenn man es nicht in wenigen Jahren wieder in den Griff kriegt.

Das Versprechen von Freiheit gegenüber dem Arbeiter/Angestellten/Bürokraten ist, dass er sich in Maßen alles leisten kann, was eine gutbürgerliche Existenz sich so wünscht. Eine ordentliche Wohnung, ein brauchbares Auto, genießbares Essen, Urlaub, Freizeitvergnügen usw. Der Normalbürger, der natürliche Untertan, der Nicht-Unternehmer, der Risikoscheue, der an Sicherheit Interessierte begnügt sich mit einer solchen Existenz. Der Unternehmer, der Spekulant, derjenige der Unsicherheit als Chance begreift, befindet sich in einer anderen Klasse, einer Elite, die sich diesen Untertanen überlegen fühlt.

Die brauchen doch gar nicht mehr

Mit Ausnahme von Kurzstrecken fliege ich immer Business Class. Ich kann mir das immer leisten, aber der wirkliche Grund ist, dass ich nicht mit einer Fettsäckin, die von ihrem Chef auf Dienstreise geschickt wurde, um die mittlere Armlehne kämpfen will. Hoffentlich kommt das genauso arrogant herüber, wie ich es gemeint habe. Ich flog ein Mal Holzklasse nach Ägypten und habe gelitten wie ein Hund. Als ich noch Vielflieger war, kam ich ca. jeden 3. Langstreckenflug in den Genuss eines Upgrades in 1st Class, was ich als durchaus berechtigt empfand. Das nur, um den Eindruck der Arroganz noch zu verstärken.

Es ist einfach so, dass wenn man für zig Millionen von Umsatz verantwortlich ist, der Typ, der sich einmal im Jahr einen Mallorca-Flug abgespart hat, kein adäquater Sitznachbar mehr ist. Man verachtet den nicht unbedingt (außer er hat keine Manieren), aber man denkt schon, er ist der Untermensch, und man selbst ist der Übermensch (siehe Nietzsche). Ich könnte noch mehr Beispiele anführen, aber ich glaube das genügt, um dieses neue Klassenbewusstsein aggressiv deutlich zu machen. Es gibt Leute, die froh sind sich etwas ‘Freiheit’ leisten zu können, und es gibt Unternehmer, die sich bewusst dem Risiko aussetzen, um ungleich mehr zu verdienen. In diesem Sinne bin/war ich also extrem rechts, d.h. neoliberal.

Was wir verloren haben

Der wunderbare Gunnar Kaiser drückte es sehr gut aus, wenn er davon spricht, was wir verloren haben.

Sind wir nur solch unpersönliche konsumorientierte Menschen? Ist es unser Lebensziel die Paella gefressen zu haben, den Daimler zu fahren, die Austern, der falsche Kaviar, und nur Leute zu kennen, die das auch wertschätzen? Sind wir anti-soziale Roboter, die keine echte Gemeinschaft mehr brauchen? Werden wir nicht zumindest seelisch, wenn nicht körperlich krank, wenn wir das ignorieren?

Um dieses Bewusstsein anzusprechen habe ich den obigen Abschnitt so brachial geschrieben. Ich war einer von denen, und es hat mich seelisch und körperlich krank gemacht. Nach Gesprächen mit Geschäftspartnern, Kollegen, Chefs, hatte ich keine Energie mehr mit meinen Freunden zu sprechen. Dauernd von Menschen umgeben, aber dennoch ganz alleine. Zum Schluss konnte ich mich nicht einmal mehr am Wochenende in die Arme der Familie fallen lassen und das Leben genießen. Ich war schon ein Roboter geworden, mit nur einem Programm, einem rein materialistischen Programm.

Sind wir mehr als kapitalistische Roboter?

Für die ‘Oberklasse’, vor allem die unvorstellbar reiche Finanzklasse sind wir nur Roboter. Eine Art halb-intelligente Affenart, die kognitiv nicht in der Lage ist, die komplexen Zusammenhänge der Welt zu verstehen. Eine Meute, die man pazifizieren muss, damit die Übermenschen von ihnen nicht angegriffen werden. Doch diese „Affen“, die in ihrer gutbürgerlichen Existenz, zumindest nach Umfragen, irgendwie glücklich sind (auch diese Umfragen sind Propaganda), die wollen noch etwas anderes vom Leben, als nur gut programmierte Roboter für ein Wirtschaftssystem zu sein.

Die Illusion der Aufklärung

In der Schule wird uns beigebracht, dass ALLES erklärbar, steuerbar, manipulierbar ist. Nicht nur die Natur, sondern auch die Gesellschaft, die Menschen, vor allem, wenn man ihnen ihren Glauben nimmt, der doch so irrational ist. Im Urschleim der grünen Bewegung kritisierte man z.B., dass die Bauern für viel Geld massenweise Kunstdünger auf ihre Felder verteilen müssen, damit sie den großen Ertrag erzielen, der für ihr wirtschaftliches Überleben notwendig erschien. Vor 50 Jahren war schon klar, was die holländische Regierung nun (unter der falschen Flagge Klimawandel) umschreibt: dass wir mit dem Dünger unsere Ackerböden nachhaltig schädigen, dass wir damit unsere Flüsse töten, dass der Landwirt immer mehr Technik und Chemie einsetzen muss, die er sich nicht mehr leisten kann, womit er am Ende gezwungen wird an landwirtschaftliche Großbetriebe zu verkaufen. Landwirtschaftliche Großbetriebe – klingt wie Kommunismus – Kolchosen – und die Kommunisten standen bei den Grünen auch sofort auf der Matte und haben übernommen. Die europäische Agrarindustrie unter dem Druck globaler Niedrig-Preise, weil die Großkonzerne exportieren wollen. Die grüne Bewegung, die ursprünglich erzkonservativ war, wurde ganz schnell erst von Kommunisten, dann von Neoliberalen gekapert.

Das Ergebnis war und ist, dass man Großbetriebe förderte und kleine Bauern vernichtete. Die grüne Alternative damals war, dass man die Bauern mit sogenannter ökologischer Landwirtschaft umschult, so dass sie mit Kuhdung düngen, ihre Böden sich wieder über viele Jahre erholen lassen, sie wieder mit Leben füllen, und damit viel nährstoffreichere Lebensmittel erzeugen lässt. Es gibt auch noch einige Ökobauern, die auch hauptsächlich „grüne“ Kundschaft haben (die sich das auch leisten können muss), und denen will man jetzt die Kühe aus dem Stall holen, weil die angeblich zu viel furzen. Die Blödheit ist kaum noch begreifbar.

Innerhalb der Grünen regte sich ein wenig Widerstand, weil die Politiker ja gar nicht das taten, was man wollte. Die Kolchosen nach UdSSR-Muster wurden gefördert, die Öko-Kleinbauern wurden gelitten, bzw. so weit benachteiligt, dass sie betrügen mussten (Ökosiegel), um noch Einkommen zu haben. Die Wähler träumten weiterhin von der Idylle, die Politiker von Macht. Im Sinne der Aufklärung hätte man das Programm einer Öko-Landwirtschaft durchsetzen müssen. Aber das bringt einen nicht an die Macht. Und genau deswegen haben wir jetzt eine Öko-Religion, die sich völlig von der Aufklärung durch Wissenschaft verabschiedet hat.

Das ist doch bemerkenswert, dass sich die original grüne Bewegung, die den Raubbau an der Natur beschränken wollte, weil man die Schäden wissenschaftlich nachweisen konnte, zu einer finanzwirtschaftlichen Religion gewandelt hat, die CO2 an den Börsen handelt. Es ist fast so wie Bhagwan Shree Rajneesh , der spirituelle Erlösung versprach, aber nur, wenn man sämtliches Vermögen und Einkommen bei ihm ablieferte (nicht ganz unähnlich der katholischen Kirche im Mittelalter).

Mit den wissenschaftlichen Fakten um die Zerstörung der lebenden Erde und Flüsse kam man nicht weiter, aber mit der Klimareligion kommt man in die Regierung. Wir sind nun mal überwiegend religiöse Menschen und meist keine Rationalisten.

Zurück zur Natur

Guangzhou, Dongguan, Shenzhen, die Werkbank der Welt:

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Frankfurt und Umgebung, gleicher Maßstab:

https://earth.google.com/web/search/Frankfurt+am+Main,+Germany/@50.07503982,8.4833805,142.45906851a,283990.79797558d,35y,312.53590523h,0t,0r/data=CigiJgokCXdrIxBJ1jhAEZhrmII1BzVAGWu2s2wC01xAIS3bdVX_EVxA

Shanghai, gleicher Maßstab:

https://earth.google.com/web/@31.29193051,121.33198403,-13.99960695a,283263.73485491d,35y,292.53615478h,0t,0r

Mein Wohnort in Shanghai:

https://earth.google.com/web/search/Gubei+Road,+Minhang+District,+Shanghai,+China/@31.19254858,121.38880991,11.84490629a,684.06403835d,35y,0h,0t,0r/data=CigiJgokCWUWEO25MD9AEX6qdw7LEj9AGYgoUywPXl5AIWLRnERhV15A

Ich hatte mal so ein Erlebnis in China und in Deutschland, das ich damals nicht wirklich verstand. Etwa 10 Leute hatte ich in China eingestellt und zur Schulung nach Deutschland verfrachtet. Die waren schon beim Anflug nach Frankfurt erstaunt, wie grün die BRD ist, von oben betrachtet. Als sie sich dann selbständig aus den Wohnungen getraut hatten, sind sie etwas Wandern gegangen und empfanden das als absoluten Luxus, den sie in Shanghai nie so kennen gelernt hatten. Und das, obwohl Shanghai noch relativ viel mit Pärken und etwas Natur durchsetzt ist. Auf meinen Flügen in die Werkbank der Welt, in den Süden Chinas, habe ich nur endlose Betonwüsten vorgefunden. Die von mir ausgewählte Wohnung in Shanghai war in einem lokalen Park, bei Weitem kleiner und weniger luxuriös, als andere gleichwertige Wohnungen mitten in der Stadt. Einige der Mitarbeiter haben meine Auswahl nicht verstanden. Die waren zu 100% im Robotermodus.

Natur zu erleben war für viele dieser Leute reiner Luxus. So etwas gönnt man sich im Urlaub. Natur ist etwas, was man sich untertan macht, um Geld zu verdienen. Die Bauern, die in den chinesischen Kolchosen Unmengen an Nahrung anbauen sind nach der Ansicht der Stadtbevölkerung übelriechende Unterklasse. Der Bezug zwischen Mensch und Natur ist verloren gegangen. Meine besten Freunde in China waren Leute, die mit mir 50km raus gefahren sind, um spazieren zu gehen, nicht die Leute, die in die Restaurants und Nachtklubs gehen wollten. Ich denke das ist auch der Grund, warum viele von denen mir 10 Jahre nach meiner Kündigung noch immer eine Einladung zur Rückkehr ausgesprochen haben. Das hat die auch verändert.

Ich hatte das Glück, dass meine Eltern mich in den ersten 10 Jahren in einem Naturschutzgebiet aufwachsen liesen. Für mich war die Einheit mit der Natur immer normal, nicht Luxus. Und vielleicht kann man als reines Stadtkind das gar nicht so nachvollziehen. Und ich konnte auch nie verstehen, warum sich angebliche Naturschützer an Bäume gekettet haben. Das ist ideologisches oder religiöses Verhalten und eben nicht normal.

https://earth.google.com/web/search/Turmberg,+Karlsruhe,+Germany/@48.99554789,8.49443311,207.05016491a,327.84438481d,35y,0h,0t,0r/data=CigiJgokCfW4984jgkhAEYFhxdmkf0hAGVFKJdzkDiFAIX5_sIWiAiFA

Mal sehen, ob die kommende Nahrungsmittelknappheit, bzw. Unbezahlbarkeit, uns wieder zum Kulak macht. Auf jeden Fall denke ich, dass eine christliche Religion, welche aus einer Bauerngesellschaft entstand, viel mehr den wirklichen Bedürfnissen der Menschen entspricht, als eine technokratische Religion, die sich an der Überwindung der Natur und finanzieller Vorherrschaft hochzieht.

Liberalismus, Aufklärung und Religion

Liberalismus und Aufklärung war als Grundvoraussetzung für Staatsformen entwickelt worden, um das Volk von der totalitären materiellen Herrschaft der Monarchen, der Aristokraten, der Diktatoren und der Priesterklasse zu befreien. Religion ist ein Geschenk Gottes (oder für Atheisten: der Natur) an uns, um ein inneres Leben, ein Geistesleben unabhängig vom materiellen Leben führen zu können.

Liberalismus ist nicht die Freiheit der Reichsten auf Kosten der Armen. Religion ist kein Herrschaftssystem. Und dennoch wird beides immer wieder pervertiert und missbraucht. Dieser Missbrauch macht uns krank. Was uns wieder gesund macht, ist die Ablehnung und Abschaffung totalitärer materieller und geistiger Herrschaft.

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