Feminismus und kultureller Marxismus (Teil 1)

Die Ursprünge des Feminismus gehen ins 19. Jahrhundert zurück und gipfelten im allgemeinen Wahlrecht für Frauen in den meisten westlichen Ländern (1. Welle). Danach wurde vermehrt gefordert, dass Frauen gleichen Zugang zu Beruf und Studium haben sollen, was aber kaum wahrgenommen wurde. Die beiden Weltkriege verlangsamten diese Entwicklung, brachten aber Frauen verstärkt in die Arbeitswelt, da eben auch Millionen von Männern als Versorger nicht mehr verfügbar waren. Die zweite Welle des Feminismus entstand in den 60’er Jahren, zur gleichen Zeit mit den Studenten-Protesten in USA und Europa. Die Hauptthemen waren die Beseitigung einiger weniger verbliebener rechtlicher Regelungen, die einer Gleichberechtigung entgegen standen, aber viel mehr ging es um die „sexuelle Befreiung der Frau“. Das Scheidungsrecht, Abtreibung und Vergewaltigung in der Ehe waren die Aufreger-Themen. Nach und nach rückte der Aufruf „Frauen emanzipiert Euch“ im Sinne der wirklichen Nutzung der nun etablierten Gleichberechtigung in den Hintergrund und die Forderungen gingen in Richtung Gleichstellung, d.h. Staatliche Zwangsmaßnahmen die Frauen auf gleiche oder höhere soziale Positionen hieven wie Männer. Letzteres, zusammen mit einer nie dagewesenen Hass-Propaganda, stellt die 3. Welle dar, die seit den 80’ern bis heute aktiv ist.

Marx (und Engels) lebten ebenfalls im 19. Jahrhundert und beschrieben ihre Ideologie lieber als „wissenschaftlichen Sozialismus“, ihre Anhänger prägten den Begriff Marxismus erst später. Die Philosophie befasst sich im Wesentlichen mit der Kritik der gesellschaftlichen Zustände aufgrund des weit verbreiteten Kapitalismus in den westlichen Industriestaaten. Ausgerechnet in dem nur wenig industrialisierten Russland wurde ein Marxismus durch Lenin und Stalin (ab 1924) mit gewaltiger Brutalität durchgesetzt. Es folgten die maoistische Variante in China (50’er Jahre),Vietnam (50’er), Kuba (60’er), Nordkorea (70’er), alles wenig industrialisierte Agrarstaaten. Doch die Akzeptanz des Marxismus in den westlichen Industriestaaten blieb aus. Die Ideologie lebte weiter an den philosophischen Fakultäten der westlichen Länder, war aber praktisch darauf beschränkt, da die breite Bevölkerung den Kapitalismus gegen die Sowjets verteidigen wollte.

Das wunderte die marxistischen Theoretiker, denn diese sahen „Das Kapital“ wie eine Kombination aus Bibel und Physikbuch, mit deutlichen Voraussagen, unter welchen Umständen der Kapitalismus durch den Marxismus abgelöst werden sollte. Marx sagte voraus, dass durch die dem Kapitalismus innewohnende Tendenz, dass das Produktivvermögen in immer weniger Hände gelangt, die Arbeiterklasse revoltieren würde. Dies führt in einer ersten Stufen zum Sozialismus, dann zwangsläufig zum Kommunismus. Von vielen Marxisten wurde erwartet, dass der erste Weltkrieg am Ende zu einer Initialzündung für die Durchsetzung des Kommunismus führt. Das war aber nur in Russland der Fall. Die marxistischen Denker schlossen sich 1924 in der „Frankfurter Schule“, dem Institut für Sozialforschung zusammen um herauszufinden, warum die Bevölkerung immer wieder den Kapitalismus bevorzugt und was sie daran ändern können. Unter anderem weil fast alle Forscher der Frankfurter Schule Juden waren, emigrierten sie Anfang der 30’er in die USA, an die Columbia Universität; die Nazis schlossen das Institut in Frankfurt 1933.

Die Philosophen erfanden etwas, was sie „Kritische Theorie“ nannten. Sie analysierten, dass die Bevölkerung trotz Krieg, Hungersnot, Elend usw. dem Kapitalismus nicht abschwört, weil :

1. die Religion den Menschen eine Hörigkeit gegenüber einer höheren Autorität abverlangt;
2. in der traditionellen Familie, bei der der Vater den Überschuss erwirtschaftet, der die Familie ernährt, der Vater als Autorität anerkannt wird, welche wiederum die Eigentümer der Firmen und Arbeitgeber als Autorität anerkennen;
3. der Nationalismus der Menschen ihren Stolz auf das Geschaffene und ihr Zusammengehörigkeitsgefühl verstärkt;
4. die Massenmedien Religion, Tradition und Nationalismus dem Zeitgeist entsprechend propagieren.

Um also eine ordentliche Revolution in Gang zu setzen, muss man Religion, traditionelle Familie und Nationalismus zerstören, unterstützt von einer Presse, die diese Übel fortwährend anprangert. Kritische Theorie bedeutet dabei im Wesentlichen, dass Intellektuelle diese bestehenden Verhältnisse möglichst wissenschaftlich untermauert dauernd kritisieren. Dass dies mit wissenschaftlichem Anspruch geschieht ist wichtig, nicht nur weil man den Marxismus für eine wissenschaftliche Theorie hielt, sondern auch weil die meisten Menschen den Erkenntnissen von Forschern genauso leicht glauben, wie früher den Aussagen von Religionsführern.

Nach dem 2. Weltkrieg versammelten sich viele der emigrierten Forscher wieder in Frankfurt in den 50’ern, im selben Institut. Die Theorien wurden verfeinert und erweitert, gleichzeitig wurden empirische Studien gemacht um diese Ansätze zu verifizieren. Der Kapitalismus lebte wieder auf und bescherte durch viele technische Innovationen immer größeren Wohlstand in der arbeitenden Bevölkerung. Fast alle waren froh, dass sie nicht im brutalen Sowjetkommunismus leben mussten. Insbesondere die Westdeutschen schauten mitleidig auf ihre ostdeutschen Brüder und Schwestern. Es war jedem klar wer besser lebte und im Westen breitete sich eine gewisse Dekadenz aus. Die Westler schauten herab, nicht nur auf die im Osten, sondern auch auf Teile der eigenen Bevölkerung, die mit dem Fortschritt nicht so mitkamen. Der Kapitalismus hat nun mal die Angewohnheit, dass die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander geht. Der Krieg hatte die deutsche Wirtschaft fast vollständig zerstört, aber nur 20 Jahre später wurde schon offensichtlich, dass die neuen Kapitalisten (die oft die Kinder der alten Kapitalisten waren) die Chancengleichheit des normalen deutschen Michels einschränken.

Das führte zu Unruhen, bei Alt-Sozialisten und -Kommunisten und vor allem bei Studenten. Damit tat sich die Chance auf, die Erkenntnisse der Frankfurter Schule in die Praxis umzusetzen. In den USA protestierten die jungen Männer gegen ihre Wehrpflicht für den sich dahinziehenden Vietnamkrieg (1955-75) und dass die Herrschenden ihr schönes Geld immer wieder für Kriege verplemperten. Außerdem war die Weltwirtschaft mal wieder im Abschwung, nachdem man 20 Jahre kräftiges Wachstum erlebt hatte. Das Uni-Studium war auch längst nicht mehr eine Eliten-Veranstaltung der Kinder reicher Eltern. Zudem begannen die gebildeten Kinder ihre Nazi-Eltern zu hassen, die oft noch dem unerreichten 1000-jaehrigen Reich nachtrauerten. Ein möglicher Krieg gegen die Sowjetunion war immer wieder im politischen Gespräch. In Deutschland entstanden die 68-er Bewegung und die APO. Revolutionspotential.

Die Theorien der Frankfurter Schule wurden in der 68-er Bewegung genutzt. Am erfolgreichsten war die Schrift von Herbert Marcuse, „Eros und Kultur“ von 1955, die 1957 und 1965 in deutsch herausgegeben wurden. Eine Synthese von Marx und Sigmund Freud, woraus abgeleitet wurde, dass man der gesellschaftlichen Unterdrückung entgegenwirken kann, wenn man dem Lustprinzip Vorrang einräumt. Also: lieber Ficken als Arbeiten; zum Ficken muss man nicht heiraten; die Ehe ist ein alter Hut. Das ist ein Angriff auf Religion (Ehe) und traditionelle Familie. Freie Liebe ist doch viel schöner als repressive christliche Familie. „Emanzipation der Frau in der repressiven Gesellschaft“ ist ein weiteres Pamphlet von Marcuse. Adorno schrieb „Die autoritäre Persönlichkeit“ 1950. „Dialektik der Aufklärung“ von Horkheimer/Adorno 1944/47. Was ursprünglich mit der Begründung geschrieben wurde, dass man eine Wiederholung der Katastrophe des 3. Reiches in Zukunft verhindern muss, konnte nun genutzt werden, um die herbeigesehnte Revolution anzuheizen.

Weiter zu Teil 2

 

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